Monatsarchiv: November 2018

Gedanken eines Kleininvestors zum Jahresende

 

Es gibt sie doch – die Jahresendrally, den berühmten letzten Hoffnungsschimmer, ein gutes Jahresergebnis vorzuzeigen, wem auch immer, dem, Chef, der Ehefrau, den Investoren. Jetzt, wenn sich mittlerweile alle sicher sind, wir befinden uns in einem Bärenmarkt, scheint sich die Stimmung aufzuhellen. Abwärtsmärkte sind schwierig, heiß es, denn die Preise sind die meiste Zeit am Steigen. Wenn sie jedoch fallen, dann kräftig. Dass der Trend negativ ist, darüber sollte es keine Zweifel geben. Der DAX erreichte sein Jahreshoch am Jahresanfang und ist seitdem nur noch gefallen, wenn auch längere Erholungsphasen dazwischen kamen. Aber seien wir ehrlich, wer weiß das schon? Im Jahr 2015 ist der Index doch ebenfalls im Schnitt gefallen. Unser „Bärenmarkt“ könnte also bald zu Ende sein. Zunächst scheint die Marke 12.000 zum Jahresende im Visier der Börsianer.

Wenn Sie auf die Verteilung der Open Interests gehen

http://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/180102!onlineStats?productGroupId=826&productId=17254&viewType=3&cp=Call&month=12&year=2018&busDate=20181123

Sie stellen schnell fest, dass die meisten offenen Puts und Calls mit dem Verfall im Dezember bei 12.000 liegen. Die EUREX-Händler sind sich offenbar einig, dass diese magische Marke etwa erreicht aber nicht signifikant überschritten wird am 21.12.2018. Erstaunlich fast spießig ist dieser langweilige Konsens. Und überraschend ohnehin in einem „Bärenmarkt“.

Was habe ich in diesem Jahr gelernt? Dass Bitcoin nicht automatisch eine Zukunftsvision, sondern zuerst eine reine Spekulation ist. Und dass wir stets den Turm Babel entdecken, diese überheblichen selbstverherrlichen Aktionen auf diesem Planeten entdecken, die irgendwann mit einem Desaster enden. Die monströse Verlust des Hedgefonds OptionSellers.com ist gleichzeitig ein Beweis, dass der Handel mit nichtlinearen Finanzprodukten wie Optionen einer tickenden Atombombe gleicht. Seit 2007 habe ich nicht eine einzige Nacht geschlafen, ohne zu wissen, dass alle meine offenen Shortpositionen in Optionen abgesichert sind und ich nur einen begrenzten Betrag verlieren kann. Die millionenschweren Charmeure von Optionsellers.com wussten es offensichtlich nicht.

Ich habe gelernt, dass klassische gedeckte Stillhaltergeschäfte mit Optionen auf DAX-Werte eine sehr profitable Strategie sein kann. Unten habe ich den Verlauf meiner Equity mit den gehedgten Puts auf die Deutsche Telekom angehängt. Es läuft einfach gut, weil die DTE eine gute Wahl war. Das gleiche Vorgehen mit der Deutschen Post hat sich als etwas schwieriger erwiesen. An der grundsätzlichen guten Prognose der Stillhalterstrategie mit Covered Puts ändert das nichts.

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Händlerwunsch – ruhig bis zum Jahresende und die nächste Pleite eines Optionshändlers

 

Der November-Verfall zeigte, dass das Börsenumfeld nicht mehr das alte ist. Die ruhigen 10 Jahre zwischen 2008-2017 scheinen vorüber. Die heftigeren Schwankungen des deutschen DAX sind täglich zu beobachten. Dennoch hat sich der Indexstand seit dem Oktoberverfall kaum verändert, s. unten. Das spräche eher für eine kurze Aufwärtsbewegung in den nächsten Wochen. Der Blick auf die offenen Positionen an der EUREX bezeigt weiterhin der Unsicherheit. Allerdings verdichten sich die Open Open Interests zwischen 11.000-11500.

http://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/180102!onlineStats?productGroupId=826&productId=17254&viewType=3&cp=Put&month=12&year=2018&busDate=20181116

Die Call-Open-Interests verdichten sichj zwischen 11500-12.000

http://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/180102!onlineStats?productGroupId=826&productId=17254&viewType=3&cp=Call&month=12&year=2018&busDate=20181116

was wiederum bestätigt meine Vermutung, dass zwischen den Händlern ein Konsens besteht.  Bis Dezemberverfall sollte nicht viel passieren. Das Jahr war ohnehin turbulent. Jetzt einigt man sich auf einen Wert um 11500 oder mehr. Dies könnte auch ein guter Kontraindikator sein. Denn, diejenigen, die diese Vereinbarung missachten und etwa eine Verkaufswelle auszulösen versuchen, werden natürlich von der Panik profitieren.

Zum Schluss ein Ereignis aus der Hadgefonds – Szene. Seit Ende der letzten Woche toben die sozialen Netzwerke zum massiven Verlust beim Vermögensverwalter Optionsellers.com. Anscheinend droht dort ein großer Verlust der über 290 Kunden um Zusammenhang mit einem schwarzen Schwan, der nun eine Spekulation Crude Oil Natural Gas überflogen hat. Der Chart unten zeigt den ungewöhnlichen Verlauf beide Preise. Aber wirklich ungewöhnlich ist die Tatsache, dass ein so erfolgreicher Optionshändler mit einer exzellenten Ruf in der Branche nicht richtig abgesichert war.

Egal, James Cordier hat sich im Video entschuldig und aus Respekt will ich es damit belassen.

„I’m sorry this wave “capsized” the boat, he says, apologizing. James Cordier to 290 clients here on YouTube.“

https://www.youtube.com/watch?v=-qGvPRX270A

Verkauf von Optionen ist eben die Atombombe des Finanzgeschäfts.

Ich besuchte letzte Woche eine Kundenveranstaltung, zu welcher meine Broker besonders aktive Kunden jedes Jahr einlädt. Die Stimmung war eher durchwachsen. Die meisten scheinen auf Verlustpositionen zu sitzen und beharren weiterhin im jetzigen volatilen Umfeld auf reine Optionsverkäufe. Ich bin mit meiner Performance soweit zufrieden. Darüber mehr im nächsten Beitrag voraussichtlich morgen. In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute und dennoch spannende Börsenwoche.

 

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