DAX im Dreieck und nächste Pleitekandidaten

 

Die Wirecard Pleite hat uns alle erschüttert. Ein Freund sagte, er hätte Vertrauen an die deutsche Wirtschaft verloren. Sicherlich hat er Recht. Während die Lufthansa aus dem DAX fliegen musste, bleibt Wirecard offenbar bis September im Index. Wo waren die Finanz- und Börsenaufsichten?

Hinweise auf Manipulationen hat es genug gegeben. Hier ein Artikel vom April 2019

https://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article192364715/Wirecard-Bankenaufsicht-BaFin-glaubt-weiter-an-Verschwoerung.html

Imme das gleiche. Leerverkäufe, Bilanzfälschung, Verschwörung. Und so weiter.

Der letzte Geschäftsbericht enthält einen optimistischen Ausblick für das Jahr 2020

Für das laufende Geschäftsjahr 2020 bestätigt der Vorstand seinen Ausblick und erwartet einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in einer Bandbreite von 1,0 Mrd. EUR bis 1,12 Mrd. EUR.

Ja, ich rechnete nicht mit der Pleite Wirecards. Selbst war ich in Puts short mit doppelter Absicherung investiert. Ich liquidierte die Position mit 100 Euro Verlust.

Der Aktienkurs wird jetzt nur noch pendeln, es sei denn, dass Übernahmegerüchte Runden machen werden, früher als gedacht. Ein guter Übernahmekandidat ist die Firma schlechthin.

Ich mache Hacken dran.

Und so weiter. Dennoch verlasse ich mich in diesem Geschäft nicht mehr auf mein Vertrauen in die deutsche Wirtschaftslobby. Ich hoffe nur, dass der Staat seinen Pflichten nachkommt, und für die Kreditwürdigkeit der Kontrahenten über die Deutsche Börse sorgt. Mehr will ich nicht. Ich traue niemandem an der Börse. Es ist eine zu große Vielzahl von Gaunern, Manipulierern, Betrügern, unterkapitalisierten Tagträumern, Nanosekunden-Händlern und anderen Spielern ,die nichts mit der reellen Wirtschaft zu tun haben. Solange mein Kontrahenten Geld zum Eindecken hat, ist die Welt doch in Ordnung.

Wir werden sehen, was dort wirklich passierte. Für mich als Optionshändler zeigt der Fall erneut, dass man stets mit dem Schlimmsten an der Börse rechnen muss. Es gibt heute eine nicht gewesene Volatilität und Schnelligkeit der Anpassung in den Märkten. Wenn Geld investiert wird, dann hat man mit allen Szenarien zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeiten kennt man nicht, man kann sie schätzen und das eigene Risikomanagement danach ausrichten. Allerdings die Extremfälle 0-100 müssen berücksichtigt werden. Beide dürfen nicht zu meine Totalausfall führen.

Die nächste spannende Frage lautet, wer der nächste Pleitekandidat ist. Denn es wird viele Insolvenzen geben. Die Welt verändert sich. Man sieht es um die Ecke. In Frankfurt besuche ich seit ein paar Wochen mein Büro und gehen dort Mittags zum Lunch. Bereits beim ersten Mal fiel mir auf, dass einige Gastronomiebetriebe nicht mehr existieren. Und viele andere Branchen werden die Umsatzdellen zu spüren bekommen:

Tourismus, Hotels, Bekleidung, Kultur.

Ich schaute auf die Aufstellung der Nettoleerverkäufe beim Bundesanzeiger https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet?page.navid=nlpstarttonlpstart_reload&nlp_search_current_list.destHistoryId=95692&session.sessionid=1a3d0eef1aaf955c184f13f3541caa16&nlp_search_current_list.__currentpage=16

Dort ist der halbe deutsche Mittelstand aber auch DAX präsent:

TUI, Freenet, K+S, Bilfinger, Lufthansa, Evotec, Sixt, Dürr, Aixtron und viele mehr.

Ja, warum sollten Menschen Sixt Autos mieten, wenn sie von Zuhause arbeiten? So kann ich viele bevorstehende Pleiten rational begründen. Auch Immobilienaktien sind unter den Leerverkäufen. Hier bin ich mir unsicher. Zwar werdeen die teuren Immobilien weniger durch die einheimische Bevölkerung nachgefragt, dennoch bleibt Deutschland eins sehr attraktives Land für Ausländer.

Zum DAX.

Meine Einschätzung von letzter Woche gilt auch in der kommenden Börsenwoche. Der Index befindet sich in einem Dreieck, aus welchem er zunächst ausbrechen muss. Wie im Chart sichtbar liegen die Begrenzungen zwischen 12000-12400.

Inzwischen ist die Lage etwas eintrübt. Das Put-Call -Ratio hat am Freitag deutlich zugenommen. Das spricht für fallende Kurse zum Wochenbeginn. Ob danach nicht gleich der Anstieg folgt, weiß keiner. Tendenziell ist eher mit einer großen Bewegung nach unten zu rechnen. Aber was heißt das schon? Gerade wenn eine Meinung bereits gefestigt ist, ist sie bereits ungültig. Und wenn sie richtig ist, dann ist immer noch unklar, wann der Markt es auch zeigt. Aus meiner Beobachtung kann ich nur sagen, dass die tägliche Rendite in Wellen verläuft. Im Moment steht sie vor einem Anstieg. In welche Richtung? Einige Indikatoren zeigen nach unten, z. B. MACD und die 200-Tage Linie.

Ich versuche, die Munition nicht zu verschießen, um bei einem Volatilitätsanstieg rechtzeitig dabei zu sein. Deshalb bin ich jetzt vorwiegend in Call-Spreads investiert, die ich nach Bedarf justiere.

 

DAX-20200627

Veröffentlicht von Option_Basil

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