Traum vom passiven Einkommen, Puts und Delta Hedging mit Leerverkäufen

Niemals war ich ein Freund des Märchens über das regelmäßige Einkommen an der Börse. Leider wird dieses von vielen sogenannten Ausbildern und Seminaranbietern als Werbeslogan missbraucht. Im US-amerikanischen Raum hingegen verwendet man eher den Begriff „Passive Income“ oder einfach „income“. Damit kann ich eher etwas anfangen. Das „Regelmäßige Einkommen“ kann man an der Börse sicherlich mit dem Verkauf von überteuerten Seminaren erzielen. Die Deutschen sind sehr auf Sicherheit fixiert und es finden sich genug Tagträumer, die 1900 Euro für 2,5 Tage Webinar zahlen würden, um den Traum vom nicht versklavten Leben als Angestellter zu träumen.

Das Geld könnten sie wahrlich woanders investieren.

Aber wie generiere ich ein passives Einkommen in den Kapitalmärkten?

Das ist natürlich nur dann möglich, wenn der Markt einen dauerhaften Vorteil bietet. Dieser kann nicht durch Arbitragegeschäfte eliminiert werden. Ein solcher Vorteil kann durchaus entstehen, wenn zum Beispiel:

  • Der Markt ineffizient ist. Wir sahen es in den 1990er, als die meisten von uns über einen Anruf bei der Sparkasse Aktien handelten. Ereignisse wurden erst mit großer Verspätung in den Preisen abgebildet
  • Das Risiko zu hoch ist
  • Die regulatorischen Anforderungen bremsen Arbitrage

Ich denke, wir sehen im Optionsmarkt einen solchen Vorteil, insbesondere in Deutschland.

Die Verkäufe von Puts erfreuen sich beispielsweise einer großen Beliebtheit. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass jeder, der etwas von der Börse versteht, nackte Puts verkauft. Diese sind offensichtlich überbewertet, sonst würden wir nicht alle stets Gewinn machen. Es werden „Strategien“ erfunden, die auf besondere Fähigkeiten des Autors einer entsprechenden Schulungsmaßnahme verweisen. Ob Covered Cals oder Poor Man Coverd Calls oder Cash Secured Short Puts, es handelt sich immer um den Verkauf von Verkaufsoptionen.

Besonders attraktiv ist die Situation in Deutschland. Aber warum? Und warum gilt das nicht für Calls aus dem Geld.

Was hat das mit den Stillhaltergeschäften zu tun?

Nun, wenn im Optionsmarkt ein Vorteil einsteht, dann heißt dies Folgendes.

Der gehandelte Put-Preis ist höher als der von uns berechnete theoretische Preis nach Black Scholes Formel. Die Formel berücksichtigt bekanntlich folgende Eingangsparameter: Zins, Preis des Basiswertes, Laufzeit, Strike, und Volatilität. Die implizite Volatilität ist das Objekt der Spekulation. Denn im theoretischen Preis wird quasi eine bestimmte realisierte Volatilität in der Zukunft angenommen.

Wenn wir der Meinung sind, dass der gehandelte Preis zu hoch sein, dann erwarten wir niedrigere Schwankungen ( = realisierte Volatilität) als es aus dem Marktpreis durch implizite Volatilität hervorgeht.

Beispiel:

Die Aktien der Deutschen Telekom:

Kurs am 21.05 beträgt 17,12 Euro.

Der Put Strike 16 kostet am Freitag 0,07 Das entspricht der impliziten Volatilität von 23%.

Der 200-Tage Durchschnitt der realisierten Vola liegt bei 19%. Wir können also annehmen, dass die Schwankungen der künftigen Periode unter 23% liegen werden.

Na und?! Wie kann ich diese offensichtliche Diskrepanz ausnutzen? Dafür müssen wir uns klarmachen, wie der theoretische Preis mit der Volatilität zusammenhängt.

Das Stichwort lautet Delta Hedging. Der Optionspreis nach dem BS Modell ergibt sich aus den Kosten für das Hedging, um ein Aktien/Optionen – Portfolio neutral zu halten.

In unserem Falle bedeutet das:

  1. Wir verkaufen eine Anzahl von Puts und
  2. Wir verkaufen eine Anzahl der Aktien leer, um das Gesamtportfolio auf Delta = 0 zu bringen
  3. Bei uns heißt das 100 Puts und 10 Aktien verkaufen.
  4. Steigt der Kurs an, dann kaufe ich Aktien zurück
  5. Fällt de Kurs, dann verkaufe ich Aktien leer.
  6. Am realisiere ich ein Handelsergebnis, welches wahrscheinlich ein Verlust sein wird.
  7. Diese Verlust sollte idealerweise kleiner als der Optionspreis sein, wenn meine Einschätzung der Schwankungen richtig war
  8. Der Gewinn dieser Spekulation ergibt sich aus der Differenz zwischen den Kosten für Delta Hedging und dem verkauften Putpreis.

Wo ist hier der Hacken?

Die Antwort ist einfach

Hier die Begründung:

Ungedeckte Leerverkäufe sind seit 2010 nach Paragraph 30 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) verboten. Diese Regelung gilt seit 2012 in der gesamten EU.

Wir haben also bei uns eine Sondersituation, wo man den überhöhten Put-Preis nicht wegarbitragieren kann. Das ist außerordentlich bequem für Privatanleger. Deshalb mache ich so gerne Geschäfte an der EUREX. Denn kommt es zur Panik, dann bleibt diese eine Weile an den Preisen „hängen“.

Offensichtlich hat die Deutsche Börse kein Interesse, daran etwas zu ändern. Sie schikaniert etwas die privaten Anleger, indem die Marginberechnung völlig intransparent bleibt. Oder wird die Webseite (eurexchange.com) immer wieder geändert, so dass automatische Downloads kaum möglich sind. Auch die Performance wird immer schlechter.

Ich bin dennoch zufrieden. Bis auf die schwache Liquidität kann ich mit der EUREX leben.

Und warum gilt dieser Vorteil für Calls nicht. Ind er Tat bis auf wneige Fälle ist die aus den Calls berechnete IV deutlich niedriger als aus den Puts. Der Grund ist einfach. Um Calls zu hedgen, muss man Aktien kaufen. Das darf jeder. Auch hier natürlich gibt es Schikanen des Staates. Verluste aus den Aktiengeschäften und Gewinne aus den Optione nkönnen nur im kleinen Umfang miteinander verrechent werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Veröffentlicht von Option_Basil

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