Typische Irrtümer des Optionshandels

Handel mit echten Optionen ist ein stark unterschätztes Instrument der selbstgeführten Vermögensverwaltung in Deutschland. Während die institutionellen Asset Manager seit Jahren die Optionen einsetzen, sind die Privatanleger in der Regel völlig unbeholfen. Die einzige deutsche Terminbörse für Aktien und Indexderivate EUREX ist seit ihrem Bestehen ausschließlich auf große Teilnehmer fokussiert. Die Schnittstelle zwischen dem Markt und dem Händler sind dennoch die Banken. Und sie haben anscheinend kaum Interesse an einer direkten Beteiligung der schwach kapitalisierten privaten Investoren am Terminmarkt. Aus gutem Grund. Denn Banken emittieren jede Woche neue Knock-Out-Zertifikate, Optionsscheine, Aktienanleihen, die letzten Endes Termingeschäfte verbriefen und sie kostenpflichtig zugänglich machen. Dank der ausgebauten Vertriebskette gelingt es den Banken, auch diese Produkte an den Mann zu bringen. Dabei bringen die Zertifikate selten Vorteile für den Anleger, dafür aber viele Kosten und eine schwache Liquidität.

Warum also nicht in echte Optionen investieren, sei es direkt oder als Unterstützung einer Aktienanlage. Leider sind die Deutschen auf dem Gebiet recht ungebildet. Fragen Sie einen Akademiker aus Ihren Bekanntenkreis, wie Optionen funktionieren, dann bekommen Sie nur in den wenigsten Fällen eine Antwort. Seltsam, dann die meisten von ihnen über ein Vermögen verfügen werden, welches verwaltet werden müsste. Nun kaufen manche von ihnen Fonds, andere einen ETF und das Restgeld ruht auf unverzinsten Tagesgeldkonten.

Aber es ändert sich etwas. Inzwischen finden wir immer mehr Ratgeber und Veranstaltungen zum Thema Optionen in Deutschland. Das ist sicherlich eine gute Entwicklung, sie erscheint jedoch wie ein Strohfeuer. Ich bekomme immer wieder Anfragen von meinen Lesern, die eine Einführung bzw. Coaching wünschen. Man telefoniert und trifft sich und verbringt einen halben Tag miteinander, meist am Wochenende. Und danach höre ich nur selten ein Feedback. Das ist zwar insofern gut, weil ich offensichtlich den Mandanten vor Geldverlust bewährt habe. Andererseits zeigt sich, dass der Optionshandel am Ende nur für wenige interessant bleibt.

Es gibt eine Gruppe von privaten Investoren, die irgendwann mit den Optionen anfingen und durchliefen danach eine ähnliche Karriere. Zuerst waren Träume, aufgeweckt durch Bücher und teure Börsenbriefe/Ratgeber. Erste Erfolge wurden erzielt, weil man vielleicht zufällig in der richtigen Phase begann. Die anfänglichen Träume wurden zur Lebensplanung ohne Arbeit. Dementsprechend wurden Risiken erhöht. Danach ging es bergab, die Verluste wurden immer größer und am Ende, meistens kurz vor dem Durchbruch, jedenfalls zum allerschlechtesten Zeitpunkt , wurde das Geschäft beendet und der Verlust hingenommen. Diese Investoren würden anschließend Strafzinsen in Kauf nehmen, bevor sie nochmal in das Optionsgeschäft einsteigen.

Nicht weniger trägt zahlreiche Literatur zu diesem Zustand bei. Im deutschsprachigen Raum sind die Bücher über Optionen mit einer Hand abzählbar und leider kaum zu gebrauchen. Im Gegensatz dazu findet man in den USA ein Riesenangebot von guten Werken, die von Profis geschrieben wurden und die echte Impulse geben. Dort existiert eine ganze Dienstleistungsbranche, die sich mit Optionen befasst. Ich weiß, der Leser sagt jetzt, Amis würden alles vergöttern, das nach Geld riecht. Optionen spiegeln den amerikanischen Traum wider. Risiken eingehen und stets das Beste hoffen. Wir Deutschen sind zwar mittlerweile eine Einwanderernation. Allerdings sind unsere Einwanderer keine nach Erfolg strebenden Einzelkämpfer. Es sind in erster Linie Wirtschaftsflüchtlinge, die für sich und vor allem ihre zahlreichen Familienangehörigen ein besser Leben erhoffen, sei es durch Sozialleistungen oder Schwarzarbeit. Diese Menschen sind keine potenziellen Optionshändler, trotz Migrantenstatus.

Ein schwaches Angebot an guten Weiterbildungsangeboten führt zwangsläufig zu Misserfolgen bei der Umsetzung. Schuld daran sind die zahlreichen Irrtümer des Optionshandels, die man in den USA seit Jahrzehnten nicht mehr vervielfältigt, die aber bei uns Hochkonjunktur haben. Im Folgenden habe ich mir erlaubt, manche aufzuzählen. In meinen 12 Jahren, in denen ich mich mit dem Optionshandel privat und beruflich befasst habe, habe ich schon fast alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Der Durchbruch und damit der belegbare Erfolg war nicht der Riesengewinn über Nacht. Denn davon hatte ich zuvor genug gehabt. Leider verschenkte ich ihn später. Es war ein langer Prozess mit täglicher Selbtsreflexion.

Die Irrtümer sind grob nach Priorität geordnet.

  1. Optionen und Optionsscheine sind dasselbe

Falsch, Optionen kann man auch zuerst verkaufen und danach kaufen.

  1. Der Verkäufer der Optionen – Stillhalter – ist grundsätzlich im Vorteil, weil die meisten Optionen wertlos verfallen.

Falsch mit verhängnisvollen Folgen. Zwar verfallen 70-80% der Optionen. Aber die übrigen können so stark ansteigen, dass sie locker die vielen kleinen Gewinne des Stillhalters auffressen. Es kommt auf das Instrument und den Zeitpunkt.

  1. Mit Optionen kann man ein regelmäßiges Einkommen generieren

Ja und Nein- wenn ich damit das 10-jährliche Einkommen meine , dann ja, ansonsten ist es natürlich ein Quatsch. Es gibt keine Garantie, dass der Markt auf unserer Seite steht. Leider verkaufen viele Börsendienste ihre Produkte unter diesem Slogan.

  1. Die gedeckten Kaufoptionen (Covered Calls) sind eine konservative Strategie

Bullshit! Man kann damit bestenfalls konservativ sein Geld verlieren! Covered Calls sind in sich nicht schlecht, wenn man weiß, was man tut. Die verkauften Calls sicheren das Depot nicht, sie schmälern aber den Gewinn. Hier ist wirklich ein Fingerspitzengefühl gefragt. Der einzige Vorteil, man kann nicht mehr als das Aktiendepot verlieren. Ob das als konservativ gelten muss?

  1. Optionshandel mit deutschen Instrumenten ist nicht möglich.

Gerne gepflegter Irrtum von Vermögensverwaltern, die einem US-Produkte andrehen wollen. Natürlich kann man Aktien- und Indexprodukte günstige über die Deutsche Terminbörse EUREX handeln. Zugegebenermaßen ist die Liquidität besonders bei Aktienoptionen gering.

  1. Mit Optionen setzt man immer auf eine Kursentwicklung UP oder DOWN

Nein, man kann auch auf die Seitwärtsbewegung wetten.

 

Der Königsweg zum Optionshandel ist das Selbststudium gefolgt durch eine qualifizierte Beratung von jemanden, der damit erfolgreich ist.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 83 Followern an