Wie Optionshändler den Minicrash im Oktober 2014 überleben können

Es ist eigentlich keine Überraschung, trotzdem macht es mich traurig. Die neusten Kursverluste an den internationalen Aktienmärkten haben offensichtlich einige der noch verbliebenen Börsianer aus dem Geschäft geworfen.

Der dachs ist ein Beispiel. Ein berufstätiger Mann, der nebenbei den Optionshandel in seiner härtesten Variante betreibt – dem Stillhaltergeschäft mit DAX-Optionen. Man muss sich da so vorstellen.

Sie verkaufen Puts auf DAX ohne eine Gegenposition. Das bedeutet, Sie riskieren stets den gesamten Betrag , der sich aus der Differenz aus dem aktuellen DAX-Kurs und Null ergibt, multipliziert mit 5 Euro pro Kontrakt.

Und das ist viel.

Im Extremfall riskieren Sie heute 40.000 Euro.pro Kontrakt.

Mit dieser Methode schien der dachs lange gut zu fahren. Ich warnte ihn trotzdem. Selbst bin ich des besseren belehrt. Er bliebt seinem Prinzip treu. Die angelaufenen Verluste wurde stets mit neuen Krediten gedeckt.

Bis der Tag X kam. Die Bank machte nicht mit, weigerte sich die Positionen an der Eurex zu besichern und er musste seine Positionen schließen. Mit einem großen Verlust, der in einem Tag nicht nur alle Gewinne der letzten Monat aber auch einen großen Teil des Depot auffraß. Und was passierte danach? Wie erwartet, der DAX stieg sehr schnell an. Ein halber Tag Geduld hätte gereicht.

Die Geschichte widerholt sich… Ich habe es 2008 erlebt und ausführlich darüber geschrieben.

Diesen Minicrash habe ich überlebt und werde es mit Sicherheit auch in der Zukunft tun. Auch wenn ich in den letzten Wochen beruflich bedingt tagsüber kaum aktiv werden kann, Es reicht, dass ich abends das Vorgehen überlege und dem Broker meine Anweisungen gebe.

Auch wenn mein Depot etwas geschrumpft ist, habe ich immer noch genug Munition, um die Panikmacher zu vertreiben.

Was war dieses Mal anders? Ich hatte seit der letzten Krise 2008-2009 sehr selten nackte Optionen gehalten. Stets war ich auf der Longseite zumindest teilweise abgesichert, meist mit länger laufenden Optionen. Der Charme dieser Strategie ist ihre Vega-Sensibilität. Mit steigender Volatilität steigt der Positionsewert, auch wenn die Position nicht deltaneutral ist.

Ich rollte die verkauften Positionen herunter und verringerte dabei das Risiko. Also nichts von wegen der Verdoppelung.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war auch meine Zurückhaltung beim Schreiben von neuen Calls. Ich blieb geduldig, bis eine Gegenbewegung einsetzte. Eine Ausnahme war hier leider die Lufthansa. Ich verkaufte Nov 12 Calls, obwohl die Dezember Calls mit dem Strike 14 ziemlich weit aus dem Geld sind. Nun muss ich schauen, wie ich damit diese Woche fertig werde.

Und zum Schluss sicherte ich das Depot durch einen zusätzlichen DAX-Strangle. Ich kaufte Calls Strike 9800 und Puts Strike 7700. Nachdem die Kurse weiter eingebrochen waren, verkaufte ich Puts zum Strike 7550 und holte damit fast den gesamten Kaufbetrag zurück. Nun kann ich entspannt auf steigende Kurse hoffen und werde in jedem Fall kein Geld verlieren.

Überhaupt wurde ich wiedermal nachdenklich. Denn strenggenommen habe ich in der Vergangenheit stets gut verdient, wenn ich zum richtigen Zeitpunkt einfach Optionen kaufte. Manchmal muss man halt als Optionshändler umdenken…

Ich kann jedenfalls den anderen noch aktiven Stillhaltern raten, in einem solchen Markt vorsichtig zu sein. Lieber einen Verlust hinnehmen und einfach draußen bleiben, um bei erkennbarem Rückgang der Vola zuzuschlagen.

Generell muss ich anmerken, dass fallende Märkte einfacher zu traden sind. Vorausgesetzt, man kann einen Kursrückgang auf Null verschmerzen.

Angenommen, Sie verfügen über 20.000 Euro und veroptionieren Aktien im Wert von 8000. Das heißt, wenn über Nacht die der Jüngste Tag kommt und die Kurse auf Null gesunken sind, werden Sie schlimmstenfalls 8000 verlieren. Es ist ein beruhigende Gedanke… Sie können die Position zuerst vergrößern und dann einfach herunterrollen. Auch am Jüngsten Tag geht die Sonne unter.

 

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