Optionsstrategie Cash-Secured Put Writting – lohnt es sich?

Eine der beliebtesten Strategien der Optionshändler ist Verkauf von ungesicherten Verkaufsoptionen auf einen Aktienindex. Diese Strategie wird oft wie im Beitragstitel benannt, weil das Risiko nicht mit physischen Liefergegenständen sondern eben mit einem Geldkonto abgesichert wird. Im Deutschen spricht man lieber vom Verkauf nackter Puts, was den Kern der Sache besser beschreibt.

Ich frage mich immer wieder, warum diese Strategie so angepriesen wird. Besonders unverantwortlich finde ich Empfehlungen diverser „Börsendienste“, die einem den Optionshandel beibringen wollen. Mittlerweile sind nicht wenige von ihnen in Deutschland aktiv, wo sich normalerweise nur wenige trauen, überhaupt in die Kapitalmärkte einzusteigen.

Die wenigsten von diesen Dienstleistern sagen Ihnen die ganze Wahrheit über den Leerverkauf von Optionen. Im Gegenteil, gerade die Möglichkeit Verkaufspositionen zu eröffnen wird gerne als der Schlüssel zum „regelmäßigen Einkommen an der Börse“ bezeichnet. Es ist für mich reines Marketing und die gleiche Augenwischerei wir bei den Trading-Seminaren. Oft wird auf die großen Anleger etwa Banken, die ja Optionen verkaufen. Na und? Sie diese damit wirklich immer gut gefahren? Hat es nicht Pleiten gegeben, die fast ausschließlich durch den ungedeckten Verkauf von nackten Puts entstanden sind? Wie wurde in den 1990er die damals älteste Bank Englands in die Insolvenz getrieben? Und so weiter.

Es ist im allgemeinen Teufelszeug, was nur unter bestimmten Bedingungen profitabel werden kann. Wie überall im Geschäftsleben, Sie müssen einen Vorteil gegenüber dem Markt haben, oder anders gesagt, ich bin der Meinung, der Markt liegt falsch. Ansonsten sollte man eher Finger davon lassen und das Umgekehrte tun – nämlich Optionen kaufen.

Wenn ich Sie dennoch von den Stillhaltergeschäften mit ungedeckten Index-Optionen nicht abgeschreckt habe, dann können Sie weit r lesen. Denn im Grunde genommen liebe ich diese Art der Spekulation vor allem, weil man sein Leben lang lernen kann.

Wie läuft ein solches Deal ab?

Nehmen wir an, Sie verkaufen eine DAX-Verkaufsoption mit Verfall im Juni (dritter Freitag im Monat) , zum Basispreis 10650 und bekommen dafür 80 Punkte also 400 Euro abzüglich Gebühren . Diesen Betrag behalten Sie, wenn der Kurs am Verfall über 10650 steht. Ansonsten machen Sie einen Verlust gleich der Differenz zwischen 10650 und dem DAX-Kurs am dritten Freitag im Juni um 13:00 Uhr ( Abrechnungskurs).

Die Frage ist jetzt, wie wahrscheinlich ist es, dass der DAX am besagten Tag über 10650 steht? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Denn die theoretische Vorhersage baut auf dem finanzmathematischen Modell zur Bewertung von Finanzoptionen, das von Fischer Black und Myron Samuel Scholes 1973 (nach zweimaliger Ablehnung durch renommierte Zeitschriften) veröffentlicht wurde und als ein Meilenstein der Finanzwirtschaft gilt. Dieses Modell gilt als Basisregelwerk der meisten Algorithmen zur Berechnung der Optionspreise. Wenn Sie also Optionen an der EUREX handeln, und die Handelsmaske mit den Daten einer Optionsserie eröffnen, bekommen Sie dort in der Regel die Quotierung ( Bid/Ask) des Market-Makers, die wiederum ihre Wurzeln in Black-.Scholes hat.

Das Problem ist die Tatsache, dass die statistischen Aussagen dieses Modells eine Sackgasse sind. Laut diesem Modell liegt die Ausübungswahrscheinlichkeit (ausgeübt zu werden = Geld zu verlieren) unterhalb 10%. Dann nichts wie los! Wenn Sie jedoch die historischen DAX-Kurse analysieren, kommen Sie schnell zum Schluss, dass Sie nur mit Glück am Verfall nicht viel Geld verlieren könnten. Der der DAX hat sich in den letzten Jahren oft um mehr als 10% nach unten innerhalb von 25 Handelstagen bewegt. Und eine Veränderung um 1500 Punkte würde im betrachteten Fall 2500 Euro Verlust bedeuten. Wenn Sie also bis zum Verfall warten und danach neue Optionen schreiben ( = verkaufen), werden Sie immer wieder viel Geld verlieren. Um es aufzuholen, müssten Sie es schaffen, in den folgenden sechs Monaten keinen Verlust zu erwirtschaften.

So oder so, meine Excel Auswertung zeigt eindeutig, durch den Verkauf der Puts auf den DAX und das anschließende Warten verlieren Sie Geld.

Die Methode kann aber funktionieren, und zwar wenn Sie geduldig auf einen starken Anstieg der impliziten Volatilität warten und dann erst verkaufen. Oder wenn Sie direkt bei einem Verlust von sagen wir 100% der Prämie die Position beenden und eine neue eröffnen. Das geht aber nur auf Papier und kostet Gebühren.

Meine Einschätzung überdeckt sich mit der neusten Auswertung der CBOE. Dort wird inzwischen ein Index auf Einnahmen aus dem Verkauf von S&P-Puts gerechnet. Ich will nicht auf Details eingehen, aber der Index wird eben ähnlich berechnet wie die oben beschriebene Performance meiner DAX-Simulationen.

Und was sehen wir?

Außer Spesen nichts gewesen. Die Performance ist vergleichbar mit der des S&P nur die Volatilität ist etwas geringer. Was aber der Autoren nicht schreiben, die Umsetzung dieser Strategie würde durch das permanente Rollen ( = beenden der alten und eröffnen einer neuen Position) Transaktionsgebühren zur Folge haben, die den Gewinn um das Vielfache übersteigen würden.

http://www.cboeoptionshub.com/2015/05/15/put-index-hits-all-time-daily-closing-high-with-less-volatility-than-traditional-indexes/

DAX nach dem kleinen Verfall im Mai 2015

Die Zeiten werden unruhiger. Zu diesem Schluss komme ich, wie die meisten Börsianer, ungerne. Denn wie die meisten von uns bin ich inzwischen unbewusst sehr optimistisch geworden. Das wird langsam zum Problem. Denn ich scheine die alten Verhaltensmuster zu reproduzieren, was mein Investmentportfolio angeht. Je volatilier die Märkte, desto hektischer meine Trading-Entscheidungen. Auch wenn ich es weiß, ist dies kaum zu vermeiden. Der Grund ist die hohe Schwankungsbreite des DAX. Die Wechsel erfolgen in Minuten und erlauben keine Schlüsse auf einen vorherrschenden Trend. Man weiß es und macht trotzdem mit, um eben doch das richtige Timing zu erwischen.

Es ist auch kein Markt für reine Stillhalter. Der Verkauf nackter Optionen könnte zwar lukrativ sein, wenn stets vor dem Bildschirm sitzt und die Tagesschwankungen ausnützt, um eine Gegenposition aufzubauen.

Ich schaute deshalb auf die Statistiken der Eurex www.eurexchange.com

Dort finden Sie unter anderem die open Interests – offene Kontrakte in den Optionsserien. Deren Anhäufung ist ein guten Indikator für den Meinung der Großinvestoren. Diesmal wird es schwierig. Während die Calls noch zwischen 12.000 und 12.500 relativ punktuell sind, s. die letzte Spalte

11,950.00 0.00 82.00 114.00 82.00 114.00 150.700 101 4,219
12,000.00 0.00 71.00 130.00 65.00 128.00 134.000 2,884 40,280
12,050.00 0.00 67.00 117.80 67.00 117.80 118.700 166 12,031
12,100.00 0.00 50.00 102.00 50.00 98.50 104.400 157 9,441
12,150.00 0.00 52.60 85.90 52.60 84.80 91.700 122 12,103
12,200.00 0.00 35.00 76.50 35.00 75.90 80.100 1,268 25,047
12,250.00 0.00 43.70 65.60 41.10 65.60 69.600 125 9,361
12,300.00 0.00 27.80 57.00 27.50 56.00 60.100 502 8,814
12,350.00 0.00 30.50 44.10 30.50 44.10 51.700 69 1,262
12,400.00 0.00 21.00 44.60 21.00 44.60 44.200 193 14,367
12,450.00 0.00 21.40 27.60 21.20 27.60 37.700 90 1,166
12,500.00 0.00 13.30 31.70 13.30 31.50 31.900 984 28,797

Scheinen sich die Optionshändler bei den Puts nicht einer Meinung zu sein. Hier ist zwischen 11200 und 10000 alles drin. Überall werden große Positionen gehalten

10,000.00 0.00 43.20 45.30 21.00 21.60 20.900 570 26,178
10,050.00 0.00 24.00 24.00 24.00 24.00 22.700 36 695
10,100.00 0.00 52.00 53.00 27.00 27.00 24.800 244 3,394
10,150.00 0.00 0.00 0.00 0.00 0.00 27.100 0 747
10,200.00 0.00 59.50 65.00 30.00 30.60 29.600 460 6,253
10,250.00 0.00 44.60 44.60 35.00 35.00 32.400 87 2,049
10,300.00 0.00 68.20 68.20 36.50 36.50 35.500 125 5,546
10,350.00 0.00 61.60 61.60 43.00 43.00 38.800 83 1,612
10,400.00 0.00 90.00 90.00 43.00 43.00 42.400 240 8,414
10,450.00 0.00 66.10 66.10 63.30 65.20 46.400 63 1,489
10,500.00 0.00 100.00 108.10 50.00 50.00 50.800 2,377 32,285
10,550.00 0.00 91.60 91.60 77.70 78.30 55.500 55 2,482
10,600.00 0.00 110.80 110.80 60.00 62.80 60.700 270 30,408
10,650.00 0.00 106.30 109.10 66.50 69.00 66.400 248 1,521
10,700.00 0.00 138.70 151.00 72.00 73.00 72.400 723 11,475
10,750.00 0.00 143.00 163.00 83.10 83.10 79.200 60 1,996
10,800.00 0.00 160.20 160.20 85.00 87.00 86.500 1,710 13,660
10,850.00 0.00 145.90 150.80 141.00 148.90 94.400 58 674
10,900.00 0.00 200.00 200.00 114.60 114.60 102.900 2,785 14,553
10,950.00 0.00 170.30 181.30 117.40 117.40 112.300 173 6,467
11,000.00 0.00 230.00 240.00 121.40 125.00 122.200 1,233 35,749
11,050.00 0.00 202.00 206.90 141.00 141.00 133.000 32 1,278
11,100.00 0.00 217.00 237.50 151.40 151.40 144.600 200 6,108
11,150.00 0.00 255.00 255.00 180.70 180.70 157.100 65 1,427
11,200.00 0.00 305.00 315.00 173.40 175.00 170.600 1,626 31,097

Für mich ist es ein Zeichen des Umdenkens. Ich würde bestenfalls auf die steigende Volatilität setzen , ohne sich auf die Richtung festzulegen.

Der DAX sucht nach der Richtung. Aufgefallen ist mir die mittlerweile wieder gestiegene Korrelaation zwischen dem DAX und Dow Jones. Vor ein paar Monaten habe ich daürber geschieben, dass diese fast verschwunden wäre. Das lag zum Teil am schwachen  Dollar. Jetzt scheint alles beim Alten. Und dem Dow wird langfristig eher eine Schwäche unterstellt. Große VIX-Deals an der CBOE, über die in vielen Optionsforen geschrieben wurde, deuten jedenfalls darauf hin. Ebenso nachdenklich stimmt der schwächelnde Budn, was auf steigende Zinsen in Deutschland hinweist.

Chart m. f. G. http://www.tradesignalonline.com

Chart

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