Warum man nicht dauernd investiert sein soll

Das am weitesten verbreitete Märchen im Optionshandel ist der Glaube an den eigenen dauerhaften Vorteil im Markt. Unzählige Anbieter werben für „Trainings“, in welchen Handelsmethoden vermittelt wird, welche auf Dauer erfolgreich sind. Manche nennen das Märchen „Income Trading“, was ein regelmäßiges Einkommen suggeriert und natürlich ein Quatsch ist.

Ich warne vor diesen Scharlatanen seit ich mich für Märkte interessiere. Einen dauerhaften Vorteil kannst Du haben, dort, wo der Markt ineffizient ist. Das ist selten im Optionshandel der Fall. Die Puts aus dem Geld neigen dazu, überbewertet zu sein. Das könnte mit der Schwierigkeit zusammenhängen, Basiswerte leer zu verkaufen. Aber auch der größte Vorteil wird nur selten wirklich alleine reichen, im Optionsmarkt zu gewinnen.Theoretisch kannst Du Deinen Vorteil durch regelmäßiges Verkaufen nackter Puts ausnutzen. Du musst aber jeden Monat einen guten Preis bekommen. Und gerade da ist schwer,

Das liegt vor allem an der Abhängigkeit von der Gegenseite, die die Preise stellt. Es sind in der Regel Market-Maker, die natürlich das eigene Risiko stets im Blick haben. Sie bieten Spreads an, die an die aktuelle Volatilität und Liquidität gekoppelt sind. Ich erlebe es immer wieder, zuletzt seit Beginn des Iran -Krieges. Entsteht plötzlich tagsüber eine unsichere Lage, weil jemand etwas sagen will, dann verdurstet die Liquidität und die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen steigt ins Unermessliche. Der DAX steht eigentlich bei 23000 und die Option am Geld bei 200. Kurz vor 13:00 Uhr sehe ich nur noch 20-400, mal aber auch nur 20. Dieser Zustand kann schon Minuten dauern. Danach stabilisiert sich die Lage, aber der Spread bleibt hoch. Wenn Du also mit Deiner Option im Verlust bist und dies rollen musst, dann musst Du zuerst den alten Kontrakt zurückkaufen. Und danach einen neuen verkaufen. In diesem Prozess bist Du auf die Launen des Market-Makers angewiesen. Es gelingt Dir am Ende, die alte Position nicht zu 200 sondern zu 320 zu schließen. Die neue gerollte Option für den nächsten Monat hättest Du beim fairem Preis von 300 gerne verkauft. Leider auch für diesen Kontrakt sind die Preisspannen groß und Du verkaufst schließlich zu 240. Der ganze Vorteil, die Du theoretisch im Markt hattest, ist futsch.

Hinzu kommen Bankgebühren, die bei komplexen Kombinationen richtig auf die Kosten schlagen.

Das Hauptargument gegen ein dauerhaftes „Investieren“ mit Optionen sind aber die wenigen Schwarzen Schwäne, die Dich aufsuchen werden. Das kann natürlich jedem passieren, aber für die ständig präsenten im Markt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie einmal erwischt werden. Und was machst Du, wenn Du zu diesem Zeitpunkt auf einen Vulkan in der Karibik kletterst?

Ich tendiere inzwischen stark zu kurzen Aufenthalten im Markt. Dann bist Du nicht so auf Deinen Vorteil angewiesen. Du kannst opportunistisch einfach beim laufenden mitmachen. Oder Volatilitäten ausnutzen. Oder nach schlechten oder sehr guten Geschäftszahlen einfach auf das Pferd springen. Das hat bei mir viel öfter funktioniert als ein regelmäßiges Einstreichen von kleinen Gewinnen.

Und nicht vergessen, Du gibst weniger für Gebühren aus und hast weniger Stress.

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