Die letzten zwei Handelswochen 2019 und die beste Strategie für danach

 

Der Börsenhandel bleibt stabil langweilig. Tote Hose wie ich vor einer Woche schrieb. Zwar brach der Inex gleich am Montag ein und fiel unter 13000, erholte sich aber schnell. Noch kann man nicht final vor einer Rückkehr zum Aufwärtstrend reden. Immerhin sprach ich von der 13038 Marke als Trigger für den kurzfristigen Abwärtstrend. Denkbar ist also eine Wiederaufnahme der Korrektur.

Ich selber würde nicht unbedingt darauf wetten. Es sprechen zu viele Faktoren für eine dynamische Fortsetzung der Rally.

Charttechnisch bleibt 13600 als mittelfristiges Ziel, kurzfristig ist 13400 im Visier.

Die Indikatoren, wie Stochastik oder MACD deuten auf eine neue Aufwärtswelle hin.

Vor allem aber spricht die Positionierung der Terminhändler an der EUREX für einen Bullenmarkt im Januar. Ich analysiere deshalb vorerst die Open Interests, um eine Tendenz zu erahnen.

Für Dezember-Kontrakte liegt weiterhin 13000 als Abrechnungskurs im DAX in zwei Wochen ganz vorne. Jedoch hat sich diesbezüglich einiges geändert. Viele Händler handeln Calls zu höheren Basispreisen, wie 13750 oder mittlerweile auch 13400. Gerade der letzten Wert erstaunt mich. Das hiesse, die meisten Händler rechnen offenbar mit eiem DAX zwischen 13000-13400. Am 27.11 gab es massive Umschichtungen an der EUREX. Es wurden fast 10000 Call-Kontrakte zum Basispreis 13400 gehandelt. Damals stand der DAX knapp unterhalb 13400.

https://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/100!onlineStats?viewType=3&productGroupId=13394&productId=70044&cp=Call&month=12&year=2019&busDate=20191127

Die Put-OI bestätigen den Trend. Dort liegen die meisten Positionen mit Dezemberkontrakten zwischen 12600-13000.

Somit steht scheinbar der DAX am 20.12 bei etwa 13200.

Wir hackend er DAX ab, denn zwischen den Jahren nicht viel passieren wird, außer, dass der Trend positiv bleiben wird.

Viel spannender finde ich die Erwartung an den Januar und die richtige Strategie.

Wie unten zu sehen, werden Kaufoptionen auf den DAX zu hohen Basispreisen massiv gekauft. Positionen bei 13600-13800 sind große. Die Händler rechnen offenbar mit dem alljährlichen Aufstocken der Positionen bei Asset Managern und Fondsgesellschaften.

Es gibt ja keine Alternativen zu Aktien mehr. Digitale Währungen haben versagt, Zinsen sind verschwunden und Gold , das zurzeit „wieder entdeckt“ wird, ist ein Scherz als Anlage.

Gerade die Ausweglosigkeit in Bezug auf ein Aktieninvestment könnte zu Problem werden. Denn wenn Unternehmen weiterhin schlechte Zahlen veröffentlichen und Mitarbeiter entlassen oder gar Dividenden kürzen, dann ist eigentlich die Zeit reif, aus Aktie auszusteigen. Was aber dann?

Geld scheint auf der Straße zu liegen, wird deshalb für sinnlose Projekte ausgegeben. Schauen Sie sich in den Städten um. Es wird gebaut, was das Zeug hält. Und was tun Ihre Bekannten? Reden sie nicht dauernd handwerklichen Arbeiten in ihren mit hohem Kredit gekauften Wohneigentümern? Kennt sich nicht plötzlich jeder mit Fenstern, Türen und Badezimmern aus. Sprich man sich nicht am Tisch den Ärger über nicht verfügbare oder teure Handwerker aus der Seele raus?

Konsum wird doch zum Hobby, genau wie es die Zentralbanken wollten. Wir steuern definitiv auf einen Börsencrash zu. Wenn er allerdings vorhersehbar wäre, würde man ihn nicht Crash nennen.

Was tun Optionshändler in diesen Zeiten. Für die Verkäufer von Optionen ist der Markt nicht geeignet. Die Prämien sind zu niedrig und sie decken nach meiner Einschätzung kau das Risiko des Basiswertes ab. Es lohnt sich lieber, Optionen zu kaufen am besten in Spreads. Sie kaufen Calls und verkaufen Calls zum Beispiel mit gleicher Laufzeit aber mit einem höheren Basispreis. Ich habe einen schönen Beitrag von einem angesehene US-amerikansichen Optionshändler und Schulungsanbieter gefunden. Die Handelsstrategie beziehzt sich auf den S&P und ist über eine längere Zeitperiode backgetestet.

https://www.youtube.com/watch?v=V0pG28l12Gw&feature=youtu.be

Im Fokus steht der Stochstik-Indikator und die 200-Tage-Linie.

Ich habe mir den DAX in Bezug auf die Wirksamkeit der Methode angeschaut. OK, es wird nicht gesagt, mit welchen Instrumenten Sie sie handeln können. Ich empfehle natürlich Käufe von Spreads, denn da müssen Sie zeitlich nicht perfekt liegen. Verkäufe von Puts wären denkbar, ich rate davon ab, da die implizite Volatilität zu niedrig ist.

Hier die Januar OI in Calls.

OI_20191208

Hier die Anwendung der Strategie auf DAX

Strategy_Stsc

DAX_20191206

Tote Hose am deutschen Aktienmarkt bis zum 20.12.2019 aber dann!

 

Eine Besonderheit der Jahresendrally ist ihr vorzeitiges Auftreten. Ich trommelte bereits im September, dass nun die Gelegenheit bestünde, Aktien mit dem Zeit Horizont am Jahresende zu kaufen. Spätestens ab der zweiten Oktoberwoche hätte man einsteigen sollen.

Aber in den Zeiten des billigen Geldes nichts ist wirklich zu spät. Nach Weihnachten sollte man sich erneut positionieren. Denn im Januar werden traditionell Dividendenwerte gekauft und auch neue Kandidaten aussortiert. Welche? Dazu später mehr.

Was tun aber in den kommenden Tagen?

Charttechnisch wie unten zu sehen, befindet sich der DAX in einem Kanal zwischen 13038-13370.

Die Schwankungsbreite des DAX wird immer geringer. Die historische Volatilität mit unter 8% ist ein Witz. Der Trend nach oben ist noch nicht gebrochen.

 

DAX_20191201

 

 

Zusammenfassend, es herrscht eine angespannte Ruhe, jeder weiß, sie wird einmal unterbrochen. Niemand will der erste sein. Das größte Problem erscheint im Moment das Risiko, die nächste Aufwärtswelle zu verpassen, Nur wann kommt sie?

Ich wechsle jetzt an die Deutsche Terminbörse EUREX. Dort betrachte ich wie immer die offenen Optionskontrakte, genauer gesagt die sogenannten Open Interests – Anzahl der einem Basispreis zu geordneten offenen Optionskontrakte.

Wir sehen bei den Calls und bei den Puts weiterhin eine hohe Verdichtung bei 13000. Die Händler hoffen demnach unverändert, dass der DAX am 20.12 beim runden Wert 13000 liegt. Es gibt aber inzwischen gut besetzte Kandidaten bei höheren Werten bis auf 13800. Die EUREX Händler scheinen also etwas unsicherer und sie rechnen durchaus mit höheren Notierungen.

Hier der Ausschnitt

OI_20191202_1

 

 

Denkbar ist das, ich selber erwarte erst im Januar den Durchbruch der 13400 Marke. Dafür sprechen ebenfalls die Open Interests für Januar Kontrakte. Schaut Euch das an!

Das ist doch Wahnsinn! Es werden DAX-Kaufoptionen für Basispreise zwischen 13700-13900.

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Rechts im Bild sind die offenen Kontrakte, links die Basispreise.

Die Schlussfolgerung für mich ist demnach einfach. Kaufen und nochmal kaufen.

Ich frage mich immer öfter, wie weit das gehen wird.

Mittlerweile werben Portale und Zeitungen für Aktien. Es könnte das erste Warnzeichen sein. Oder muss erst eine Euphorie ausbrechen, wie die Menschheit sie seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Wir brauchen eine echte Hysterie, und das bei negativen Zinsen. Wenn Taxifahrer, Putzfrauen und nicht nur clevere Büromenschen mit freiem Internetzugang über Börse reden, ist die Zeit reif. Die nach 2008 entstandene Regulierung muss wieder weg. Dann wird sich das Herz eines Crash-Propheten freuen. Wir brauchen mehr Risikoappetit, wie es in der Risk-Manager-Sprache heißt. Erst dann kann der schwarze Schwan anfliegen.

Hierzu müsste der US-Markt kippen. Dieser dürfte jedoch noch mehr zunehmen. Im Wahljahr ist zwar mit mehr Volatilität zu rechnen, jedoch glaubt doch niemand ernst, dass Trump nicht gewinnen wird. Und auch wenn, ein Herr M. Bloomberg wird die Börsen nicht verschrecken, oder?

Einzig was sich ändern könnte, sind die Favoriten. Ich rechne mit dem Anstieg der Biotechnologie- und Pharmaaktien. Auch hier kommen letzten Endes die Impulse aus den USA. Dort kam es nach dem Sieg Trumps 2016 zu einer Stagnation, nicht zuletzt wegen der nicht fortgesetzten Gesundheitsreform. Warum auch immer, spüren inzwischen die US-Aktien einen anderen Wind. Schaut auf den Chartverluaf der Amgen. Es herrscht ein Hype, wie seit Jahren nicht mehr.

Amgen

 

Wir können also gespannt bleiben, was 2020 bringen wird. Und sollten dennoch heimlich für die bereinigenden Crash beten.