Sonderbeitrag zum Lockdown- was tun?

Nun ist es doch passiert. Ich ahnte es seit 2-3 Wochen und in meinem letzten Beitrag am Wochenende stand für mich fest, es wird krachen. Tatsächlich wurde heute das erste Fibonacci-Korrekturniveau im DAX erreicht. Wie vermutet bliebt der Index bei 11500 stehen, weil offensichtlich der Abgabedruck deutlich abnahm und die US-Vorgaben günstig waren. Jetzt könnte es bis auf 12500 aufwärts gehen. Und dann?

Nun, auch die 200-Tage Linie ist heute nach unten durchhandelt worden. Das ist ein schlechtes Zeichen.

Was heißt das für uns Investoren? Meine eigene Strategie ist transparent. Ich halte seit Monaten zwei Portfolien. Zum einen sind es Put-Short Positionen auf einige DAX-Aktien. Hier sehe ich im Moment keine Handlungsbedarf. Alle Positionen sind mit Puts abgesichert. Zum Teil wie bei SAP kaufte ich sogar am Montag Dezember-Puts nach. Außerdem rechne ich durchaus mit der Auslosung einiger Aktien, etwa bei SAP oder der Deutschen Telekom. Das ist ein Bestandteil meiner Stillhalter-Strategie.

Interessanter sieht es aus beim Black-Swan-Portoflio aus. Hier habe ich inzwischen 8 offene Puts auf der Long-Seite. Am Montag schloss ich zwei Puts auf der Shortseite mit kleinem Gewinn ab, und wartete, auf das, was dann noch kommt. Die Dezember-Puts sind weit aus dem Geld, trotzdem konnten sie zulegen. Heute verkaufte ich neue November-Puts beim Strike 9200. Ich rechne jetzt mit einer vorübergehenden Erholung. Und nach der US-Wahl??? Entweder bricht die Volatilität zusammen und wir sehen die Weihnachtsrally. Oder, der Crash kommt.

DAX und Lockdown am Wochenende

An welchem Weekend er kommt, spielt keine Rolle. Es steht fest, dass wir demnächst ein totales Abschalten erleben werden. Ähnlich wie im März, vielleicht aber doch anders. Das Gefühl der Ausweglosigkeit wird jetzt nicht überwiegen. Alle Maßnahmen werden vorübergehend und lokal gelten.

Das Dumme dabei ist, dass man nicht auf den Lockdown wetten kann. Etwa mit Indexoptionen. Denn wir haben bereits alles erlebt. Der Wirtschaft geht gut. Trotz Hoteliers Pleiten, trotz insolventer Fluggesellschaften (= Airline auf Neudeutsch). Und trotz der massiven Kurzarbeit. Andere Branchen profitieren. Informationstechnologie, Biotechnologie, Automobile und viele andere, die offensichtlich systemrelevant sind.

Es kann trotzdem spannend werden, wenn an einem Wochenende plötzlich der Stillstand ausgerufen wird. Wie wird die Börse reagieren? Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt reagieren wird, s. die Argumente oben.

Und vor allem, in den USA läuft. Dort wird gekauft, sobald die Preise ein paar Ticks nachgelassen haben. Der DAX bildet faktisch immer den Dow nach. Zwar hatten wir diese Woche einen etwas gegenläufigen verlauf des DAX und Dow Jones beobachten können. Morgens ging es bergab, am Nachmittag hellte die Stimmung auf.

Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt die US-Wahl. Ich kann die Reaktion der Börsen nicht einschätzen. Es hat viele Muster in der Vergangenheit gegeben. Meist gab es eine kurze heftige Bewegung, danach ging es in der gewohnten Weise weiter wie vor den Wahlen. Nach der Wahl Trumps 2016 sahen wie ein anders Verhalten. Die Märkte stürzten zuerst, danach ging es mit einem großen Gap nach oben und seitdem befinden wir uns in einer Rally, vom Corona-Crash abgesehen.

Und jetzt?

Denkbar sind Unruhen, wenn das Wahlergebnis nicht eindeutig oder gar Trump nicht als Sieger hervorgeht. Alles andere wird zwar mit einem Freudensprung begrüßt, aber eine Euphorie erwarte ich dennoch nicht.

Zum DAX

Der Index prallte an der Unterstützung bei 12350 ab, fast punktuell. Ansonsten ist kein Korrekturmodus erkennbar. Allerdings sollte die Marke 12350 nach unten durchbrochen werden, dann gibt es keinen Halt bis 11500.

An der Eurex liegen gemischte Signale vor. Das Put-Call Ratio hat stark zugenommen.

Besonders viele Puts werden in den Monaten nach November 2020 gehandelt. Für Novemberkontrakte sieht es einigermaßen ausgeglichen aus. Das bedeutet für mich, dass die meisten Händler mit großen Schwankungen nach dem November rechnen. Andererseits bleibt die implizite Volatilität im November mit 40% höher als in den folgenden Monaten.

Für den Novemberverfall in setzen viele auf weiter steigende Kurse. Das Open Interest der Calls ist am höchsten bei 14200 und zwischen 13400-13600.

Fazit, trotz der wachsenden Unsicherheit bleibt die Stimmung positiv.

Und was tue ich?

In meinem Stillhalterportfolio gab es keine Veränderungen. Ich habe unten dennoch den aktuellen Stand publiziert. Die offenen Funding-Positionen sind ein wenig in Verlust gerutscht. Ich werde voraussichtlich der der US-Wahl weitere Aktienoptionen ins Portfolio nehmen.

Im Black-Swan -Portfolio habe ich durchaus etwas umgeschichtet. Ich behielt alle offenen Dezember-Positionen. Die Fundings wurden zum teil mit Verlust nach unten gerollt. Das ist nicht schlimm. Das Ziel des BS-Portfolios ist primär die Absicherung des Stillhalterportfolios.