Invest-Bericht am 23.06.2017

Die lauen Tage bringen nicht nur wegen der physikalischen Temperatur den Körper zum Schwitzen. Auch spekulative Anleger und Aktienhändler wissen nicht wirklich, was sie tun sollten. In einem solchen Markt gelten verschiedene Herangehensweisen. Sie können einfach traden, indem Sie kurzfristige Schwankungen auszunutzen versuchen. Denn diese gibt es auch jetzt. Der Index kann in wenigen Tagen 200 Punkte fallen und danach steigt er wieder. Manchmal sind es 300 Punkte. Da die meisten Händler von der endlich aufkommenden Korrektur ausgehen, besitzen sie bereits keine Aktien (langfristig) und warten… Ähnlich bei den Einzeltiteln. Es gibt gute Nachrichten, etwas mehr Gewinn oder eine vielversprechende Kooperation. Der Aktienkurs startet mit einem Gap, es ist eine gute Gelegenheit, etwas zu verdienen. Danach steigt er noch eine Weile und fällt anschließend. Nach ein paar Tagen wiederholt sich der Zyklus. Manche Aktien bewegen sich bereits seit Jahren in einem Seitwärtskorridor. Etwa die Deutsche Telekom. Hier sollte man nur nicht pro-zyklisch handeln.

Insgesamt als Trader müssen davon ausgehen, dass Aktienpreise auf kurze Sicht der Normalverteilung folgen, was bedeutet, dass wenn Sie heute kaufen und morgen verkaufen, dann betragen Ihre Gewinnchancen ca. 50%. Es sei denn, das Unternehmen kündigt an, höhere Dividende zu zahlen. Ansonsten nur das Rauschen.

Der von mir geschätzte Stan Druckenmiller (https://en.wikipedia.org/wiki/Stanley_Druckenmiller) behauptet, 50% der Aktienbewegung wird durch den Gesamtmarkt bestimmt, 20% durch den Industriesektor, der Rest ist sozusagen individuell.

Die andere Herangehensweise besteht darin, auf eine größere Bewegung zu spekulieren.  Ich bin hier nicht abgeneigt. Meine Investoren und Leser wissen, dass ich es auch in meiner Strategie anwende. Mit wenig Risiko auf einen größeren Move zu warten, ist gar nicht schlecht. Diese Schwarzer-Schwan-Strategie ist jedoch kostspielig. Optionen sind teuer und Sie niemals wissen, wann eine stärkere Bewegung einsetzt. Vielleicht nicht mehr in Ihrem Leben?

Schließlich gibt es eine dritte Variante. Diese bevorzuge ich. Mit wenig Risiko durch Verkauf von Optionen regelmäßige Erträge erzielen, ohne jedoch „unter Volldampf“ zu fahren.

So habe ich mein Portfolio aufgebaut. Zurzeit befinden sich dort ODAX-Strangles und einige Put-Kombinationen in DTE und DBK.

Besonders lukrative erscheint meine DAX-Strategie, die ich bereits seit einem Jahr betreibe. Es ist eine ausgewogene Mischung aus regelmäßigen Einnahmen und einer potenziellen Gewinnerwartung bei größeren Bewegungen.

Nun eine Woche nach dem Verfall befinden sich auch die Julikontrakte im Gewinn.

Wie geht es weiter mit dem DAX. Interessant, was sich in den letzten sieben Tagen an der EUREX getan hat. Ich beobachte wie Positionen in den einzelnen Serien auf- oder abgebaut werden. Das gibt mir Hinweise, was das „große Geld“ denkt, bzw. was die Großinvestoren erwarten. Die meisten Open Interests bei DAX-Juli-Calls liegen zwischen 13.200-13300. Gegenüber der letzten Woche sehen wir eine leichte Verschiebung nach oben.

Auf der Unterseite hat sich nicht viel getan. Viele Puts sind zwischen 12.000-12.300 platziert.

Unten habe ich die Verteilung der OI angehängt.

Fazit: Es gibt nicht den geringsten Anlass, eine signifikante Änderung zu erwarten. Für den nächsten Verfall in drei Wochen rechnen die meisten mit einem DAX in der Gegend knapp über 13.100

 

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Wie viele Optionen verfallen eigentlich wertlos – nach dem Großen Verfall im Juni 2017

Nun  ist ein halbes Jahr vergangen. Der Juni-Verfall ist über die Bühne gegangen und es ist nicht viel passiert. Das bedeutet jedoch, die Hausse geht weiter. Der Deutsche Leitindex pendelt seit Anfang Mai zwischen 12500-12800. Die Volatilität fällt mit kleinen Sprüngen. Ja, Schwankungsbreite der historischen Volatilität hat inzwischen auch zugenommen, was kaum einer bemerkt hat. Unten sehen wir es deutlich im Chart des VSTOXX. Dennoch bleibt die Clusterbildung erkennbar. Demnach sind wir immer noch auf der abfallenden Flanke und es wird 1-2 Jahre dauern, bis die Volatilität endlich zunimmt. Wir sehen bereits, dass nichts die Nervosität erhöhen kann.  Weder das Potenzial für Konflikte im Nahen Osten noch die vierte Zinserhöhung der FED. Weder drohende Entlassungen bei den Großkonzernen noch die steigende Inflation. Weder der Bauboom, noch Kryptowährungen. Hinzu kommen noch die ersten Crash-Beschwörer, die das Auftreten eines Crashs vorwegnehmen.

Der DAX steht 12 Minuten vor dem Verfall bei 12730. Das entspricht der Verteilung des Open Interests, s. EUREX Webseite. Die meisten offenen Call-Positionen lagen zwischen 12600-12800. Bei den Puts gab es eine breite Verteilung bis auf den Basispreis 2000, was nicht wundert, da die Juni-Kontrakte werden seit langem gehandelt.

Mich interessiert heute eine andere Frage- wie viele Optionen verfallen eigentlich bei einem großen Verfall wie heute? Es heißt doch immer, 75% Optionen verfallen wertlos.

Stimmt das?

Ich schaute auf die EUREX-Seite und analysierte die DAX-Optionen, Stand gestern Abend.

http://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/180102!onlineStats?productGroupId=826&productId=17254&viewType=3&cp=Call&month=6&year=2017&busDate=20170615

 

Es gab 614929 offene Put –Kontrakte. Davon sind 603644 mit dem Strike unterhalb 12700 also aus dem Geld. Mit anderen Worten, es werden heute ca. 0,98164829 (98%) aller Put-Optionen wertlos verfallen.

Bei den Calls sieht es ganz anders aus.  Das sind die Zahlen, wobei ich als „Aus dem Geld§ die Strikes über 12700 definiert habe.

256746 82401 0,32094366

 

32% aller Call-Optionen verfallen wertlos.

Erstaunlicherweise ergibt der Durchschnitt aus 32 und 98 65%. Das heißt aber gar nichts.

Die Schlussfolgerung daraus?

Der Trend is your friend. Schätze ich die kommenden Wochen positiv ein, dann kann ich locker Puts verkaufen. Und ich muss extrem vorsichtig beim Verkauf der Calls sein. Natürlich sichern sich die meisten Optionshändler in den anderen Monaten ab und sitzen nicht einfach auf nackten Calls. Oder es sich auch Bull-Spreads mit Strikes tiefer. Fakt ist, dass die Calls beim gleichen Delta einfach günstiger sind. Wenn wir z. B. die Juli-Kontrakte betrachten und ein Delta von 29 nehmen, dann kosten die Calls 69 und Puts 111, also fast doppelt so viel.

Chart m. f. G. http://www.tradesignalonline.com

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