EUREX-Musterdepot – Stillhalten von Aktienoptionen

Wie versprochen präsentiere ich ab nun meine Einschätzung als Musterdepot.

Es handelt sich weder um eine Empfehlung noch eine Abbildung der eigenen Transaktionen. Es sind lediglich Elemente einer Strategie, die ich nun mit reellen Zahlen befülle.

Stillhalten von Optionen ist eine konservative aber durchaus lukrative Methode, in ruhigen Märkten

mit soliden Aktien regelmäßige Einnahmen zu erzielen. Es gibt davon zwei grundsätzliche Varianten. Die erste, auch Covered Call Writting genannt, ist beliebt, weil sie erlaubt, Dividenden einzustreichen. Sie besteht darin, Kaufoptionen auf bestehende Aktien zu schreiben.

Die andere besteht darin, Verkaufsoptionen auf die Aktien zu schreiben. Die Absicherung, was auch dem investierten Kapital entspricht, ist die hinterlegte Margin. Im Extremfall beträgt sie 100% der veroptionierten Aktien, in der Regel sind es 20%.

Ich praktiziere die zweite Strategie, die auch Cash Secured Puts genannt wird. Sie spart Gebühren und schont das Kapital. Das Auszahlungsprofil der cash secured puts ist identisch wie von Covered Calls. Dennoch schließe ich nicht aus, dass ich Aktien erwerben muss. Deshalb werden grundsätzlich so viele Kontrakte verkauft, dass ich in der Lage bin, die Aktien notfalls zu kaufen.

Kriterien für die Auswahl der Aktien

Puts auf liquide europäische Aktien, die über EUREX gehandelt werden.

Die Aktien sollten überdurchschnittliche Dividende ausschütten und haben bereits im laufenden Jahr die Dividende bereits gezahlt. Von der letzten Regel gibt es Ausnahmen, wenn mehrmals im Jahr ausgeschüttet wird.

Vorgehen:

Verkauf einer Anzahl von Puts-Kontrakten, meistens 1000 Optionen, beim Strike welcher eine Standardabweichung vom aktuellen Preis entfernt. Kauf von Absicherung zum niedrigen Basispreis. Die Anzahl der gekauften Kontrakte ist höher als die der verkauften. Ich eröffne einen so. Credit-Spread. Zu keinem Zeitpunkt existiert ein nackter Put!

Exit

Beim schnellen Gewinn – drei Wochen vor dem Verfall sind 70% der Prämie als Gewinn realisierbar, dann werden beide Positionen geschlossen.

Bei einem starken Abwärtstrend wird die Short-Position geschlossen und nach unten gerollt.

Ein kompletter Ausstieg erfolgt nur dann, wenn Dividenden gekürzt werden oder starke Gewinnwarnung veröffentlicht wird.

Wenn der Markt extrem nervös wird wie im März, dann steige ich zwar aus, suche dann nach einer Wiedereinstiegsgelegenheit. Ich will auf jeden Fall die gestiegene Volatilität zum Verkauf ausnutzen.

Ansonsten wird bis zum Verfall gewartet. Unter bestimmten Bedingungen lasse ich mich andienen, das heißt, ich erwerbe die Aktien. Ich sichere in dem Falle das Portfolio ab und verkaufe Calls.

Ziel

10-20% auf das investierbare Kapital oder 100% auf die Margin.

Updates

Wöchentlich im Blog, immer nach dem Verfall und auf Twitter.

Das Projekt läuft zuerst frei bis Ende 2020.

Aktueller Stand am 9.08.2020

Realisierter GuV = 0

EUREX Stillhalterportfolio
PositionFunktionEröffnet amPreisAktueller PreisG&VMargin (gerundet)
10 DBK Aug Put 7,7Short Put08.07.200,270,2520500
15 DBK Aug Put 5,6Hedge08.07.200,070,01-90-100
10 DTE Aug Put 14,2Short Put09.07.200,270,11160500
20 DTE Aug Put 12,4Hedge09.07.200,070,01-120-100
1 SAP Aug Put 126Short Put09.07.201,650,37128300
1 SAP Aug Put 106Hedge09.07.200,450,07-38-50
10 RWE Aug Put 30,5Short Put21.07.200,30,2100200
15 RWE Aug Put 26Hedge21.07.200,090,07-75-50

Der Sommer 2020 – ein Traum für ruhige Investoren

Eigentlich sollte es ganz anders ausgehen. Die Panik im März zeigte die Zerbrechlichkeit unseres Systems. Sie zeigte, dass plötzlich von heute auf morgen nichts mehr ist, wie es mal war. Wir jammerten auf hohem Niveau. Ich lerne auf meiner letzten AIDA-reise Leute kennen, die innerhalb eines Jahren drei solche Fahrten auf den Ozeanen dieser Welt unternehmen. Es gab keine Hemmungen nirgendwo. Und nun?

Ich kann mich an einen Anruf bei meinem Broker in Nürnberg im April erinnern. Damals wollte ich fragen, was passiere, wenn der Handel ausgesetzt werde und meine Positionen im Gewinn womöglich beim Verfall noch nicht verkauft sind. Der Broker wollte gar nicht mit mir reden. „ Das kann ich Ihnen gar nicht sagen! Ich weiß nicht, ob wir überhaupt morgen noch da sind“ Toll! Was für Motivation.

Nun, das Ende der Welt ist ausgeblieben. Keiner weiß warum, Scheinbar kann der Mensch mit solchen dramatischen Situationen umgehen. Ja, ist wird immer schlimmer. Und es besteht kein Anlass zur Beruhigung. Covid -19 erweist sich hartnäckiger als ich anfangs ahnte. Ja, inzwischen habe ich von Erkrankten aus dem entfernten Bekanntenkreis gehört. Sie berichten von schachern Symptomen, die jedoch etwas anders als bei einer normalen Grippe sind: Geschmacksänderung, extreme Abgeschlagenheit. Und es dauert lange, bis man zurück zu den Kräften kommt.

Die Hoffnung, den Impfstoff schnell zu bekommen, hat sich bisher nicht erfüllt.

Man wartet halt und mit dem man auch der Markt.

Der DAX bleibt unverändert gefangen in der Zone 12200-12800. Alle warten auf den Ausbruch und niemand will den ersten falschen Ausbruch handeln. Aber verkaufen will trotzdem auch niemand.

Das nächste Ziel ist der Gap vor zwei Wochen, dessen untere Begrenzung bei 12940 liegt. Der Index wird versuchen, diese Lücke zu schließen.

Ansonsten fällt die Volatilität und der Markt wird immer attraktiver für Stillhalter, wenn diese bereits auf verkauften Optionspositionen sitzen. Ich würd jetzt keine neuen Positionen eröffnen, aber die laufenden noch nicht schließen. In einem der späteren Beiträge werde ich einen Einblick in mein Referenzportofio geben. Dort entwickelt sich alles gut, die Frage nur, wie lange.

Das Put – Call Ratio bleibt relativ hoch, aber ohne einen klaren Trend.

Mit Blick auf den EUREX-Verfall in zwei Wochen scheinen sich die Händler auf die Marke 13500 als obere Begrenzung zu fokussieren. Auf der Unterseite sieht man den DAX bei 11500-11900.

Fazit

Der Einbruch des DAX vor einer Woche war ein gutes Kaufsignal, da die Volatilität seitdem deutlich gefallen ist. Der Markt gibt im Moment keine klaren Signale für einen Abwärtstrend.