Es waren die Anfänge meiner privaten Börsenkarriere. Iche lernte, was Stillhaltergeschäfte sind. Für jemanden, der Optionsscheine kennt, ist es keine große Kunst. Man tausche die Seiten und schon arbeitet die Gewinnwahrscheinlichkeit für einen. Schliesslich mit Optionsscheinen verliert man meistens. Als Verkäufer muss man doch im Schnitt gewinnen.
Der Rollentausch ist doch die Lösung.
Mit diesem pragmatischen Ansatz kam ich an die Sache heran. Ich eröffnete ein Eurexkonto bei einem der wenigen Broker, die damals diesen Service anboten, zahlte Geld ein suchte mir eine Aktie aus, die ich etwas besser „kannte“. Die Wahl fiel auf Telekom ( 2002). Ich kaufte zu 16,00 ein paar Hundert Stück und verkaufte sofort eine gleiche Anzahl von Kaufoptionen mit Basispreis 16.00. Das war der erste Fehler. Ich hätte auf das Delta schauen sollen und die doppelte Anzahl der Optionen verkaufen sollen.
Danach lief es eine Weile gut. Zufällig war die Preisentwicklung so günstig, dass die erste Serie wertlos verfiel und der Aktienkurs etwa bei 16.00 blieb. Ich wurde euphorisch! Ich habe es geschafft. Gerade mal knapp über 30 habe ich eine stressfreie Geldquelle entdeckt. Danach folgten zahlreiche Fehler, die letztlich zum Aussetzen des Geschäftes führten. Immerhin bin ich mit nur 10% Verlust nach einem Jahr ausgestiegen.
Ich nahm das Stillhaltergeschäft erst im letzten Jahr wiederauf, diesmal aber erfolgreich.
Was waren die anderen Fehler?
Im zweiten Monat stieg plötzlich die tägliche Schwankungsbreite und der Kurs sank schnell. Die Märkte wurden nervös und die in der zweiten Jahreshälfte 2001 durch 11.09 ausgelöste Hausse gehörte endgültig der Vergangenheit. Aber zurück zu Telekom. Ich nahm um die 0,8 € Prämie mit der Laufzeit von einem Monat ein. Durch den Kursrückgang kam die Stillhalterposition schnell in die Gewinnzone. Hier begang ich den zweiten Fehler. Ich nahm den Gewinn einfach mit (durch Rückkauf der Option) und verkaufte eine neue Serie zu niedrigerem Basispreis ( 15,5 wenn ich mich nicht täusche). Hier hätte ich eher einen Teil der Aktien verkauft bzw. noch mehr Optionen verkauft. Danach wäre es aber keine reine Stillhalteposition. Und so steuerte ich schnurstracks auf den dritten Fehler zu. Aufgrund der hohen Vola stieg die Aktie im Rahmen einer kurzfristigen Erholung. Die neuen Calls waren plötzlich teuer und die Aktien immer noch im Verlust. Da bietet es sich eher, das Auslaufen der Option abzuwarten und die Aktien ausüben zu lassen, sprich verkaufen. Man schliesst damit zwar die Gesamtposition im Verlust aber spart die Transaktionsgebühren und kann letztlich wieder anfangen. Und was mache ich? In Panik kaufe die Serie zurück in den Anstieg hinein und verkaufe eine neue mit höherem Strike. Was danach folgte, kann man sich leicht vor die Augen malen. Der Kurs sank, ich stellte die Calls glatt und so weiter… Je länger ich es machte, desto klarer wurde mir die Tatsache, dass mit dieser Methode kein Geld zu verdienen ist, ich wollte aber auf keinen Fall „aufgeben“. Hier sehen wir den vierten großen Fehler. Ich habe mich mental gar nicht auf die unterschiedlichen Marktszenarien vorbereitet und war nicht bereit, Verluste zu akzeptieren.
Was mache ich jetzt anders und warum funktioniert es jetzt viel besser. Dazu mehr in den nächsten Tagen.