Euro und Rohlöl Korrelation

Aus Mangel an alternativen Themen beschäftigt sich die „Financial Times Deutschland“ mit der „Euro-Dollar -Öl-Spirale“.
Hier finden Sie den Artikel.


Die Erinnerung ist noch frisch. Der Euro kletterte am 15. Juli auf das Rekordhoch von 1,6038 $, der Ölpreis erreichte am 11. Juli den Spitzenwert 147,27 $. 2008 trieben sich der Euro-Dollar-Kurs und der Ölpreis wechselseitig zu neuen Höhen.

Jetzt ist die enge Verbindung wieder zurück – und weckt Befürchtungen, dass sowohl Euro als auch Öl wieder überschießen. Nach Berechnungen von Barclays Capital lag die Korrelation in den vergangenen 60 Tagen bei 30 Prozent, in den vergangenen 20 Tagen sogar bei 60 Prozent. Anfang März hatte sie noch bei nahe null gelegen. „Der Zusammenhang zwischen Euro-Dollar-Kurs und Ölpreis ist wechselseitig. Er kann Schwankungen und Instabilität herbeiführen“, schrieb Barclays-Capital-Währungsstratege David Woo in einem Bericht.

Ja soweit stimmt es, auch die Zahlen.  Die Korrelation zwischen EURO-Dollar und Rohöl schwankt in Abhängigkeit von der beobachteten Periode wellenartig.  Aus dieser Korrelation kann man aber nicht auf die Trendrichtung der Basiswerte schliessen. Korrelation bedeutet lediglich,  dass die Preise beider Basiswerte  in ihrem zeitlichen Verhalten sich mehr oder weniger ähneln. Wenn also Euro steigt, dann folgte ihm der Ölpreis. Wenn es aber fällt, dann passiert Gleiches mit dem zweiten Basiswert. Es ist jedenfalls in der beobachteten Periode so gewesen.

Und hier liegt der springende Punkt. Fälschlicherweise schliessen die FTD Autoren (und beziehen sich dabei auf Bankenanalysten, was aber auch nichts heisst)  aus dem Korrelationswert auf die weiter steigenden Notierungen von Euro und Ölpreis.

Lass‘ uns auf die historischen Werte zurückblicken. Den Autoren geht es wohl um den berühmten Ausbruch des Euro/Dollar Preises  am 25.02.2008 über die 1,5 Marke, dem der Anstieg des Ölpreises auf fast 150 $ folgte.  Zu diesem Zeitpunkt stand die 20-Tage Korrelation bereits unter 45% , Tendenz fallend. Bereits am 18.03.2008 stand die Korrelation sogar bei Null, während der Euro/Dollar Kurs bei 1,6 haussierte und der Rohöl 120 $ kostete. Anschliessend fast vier Monate lang lag die Korrelation zwischen 0 und 20%, der Euro Kurs unverändert bei 1,6 und der Ölpreis stieg weiter auf 150$. Kurz davor nahm die Korrelation wieder zu und der rasante Sinkflug von Euro und Öl nahm seinen Lauf.

Eine gestiegene Korrelation zwichen Öl und Euro ist also nichts Neues und kann sowohl durch einen weiteren Anstieg als auch durch den Rückgang beider Basiswerte begleitet werden. Historisch gesehen lag sie ja fast immer zwischen 20-50%, mit wenigen  kurzen „orientierungslosen“ Perioden unterhalb 10%.

Fundamental  ist es ja auch verständlich. Dies wird auch in FTD sauber erklärt.

Der positive Zusammenhang zwischen Euro-Dollar und Öl ist nicht rein stimmungsgetrieben. Im wesentlichen wird er auf vier Ursachen zurückgeführt: Einmal ist die US-Wirtschaft abhängiger vom Öl als die Eurozone, weswegen sich die amerikanische Handelsbilanz im Falle steigender Ölpreise stärker verschlechtert als die europäische.

Charttechnisch spricht vieles für die Abschwächung der Korrelation in den nächsten Wochen. Das könnte allerdings auch ev. einen weiteren Anstieg des Ölpreises beim kaum veränderten Euro-Dollar Kurs bedeuten.  Oder umgekehrt.

Fazit: Historische Korrelation erklärt lediglich das Preisverhalten in der Vergangenheit und lässt keine eindeutigen Schlüsse auf die Zukunft.


Veröffentlicht von Option_Basil

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