Optionen sind besser als Aktien

Sind Optionen besser als Aktien?

Optionshandel ist nach wie vor eine exotische Anlageform für den deutschen Anleger. Zwar ist der Markt für die sogenannten verbrieften Derivate genannt Zertifikate stark gewachsen, das Interesse an Optionen hat es nicht gesteigert. Es ist bemerkenswert, dass der einheimische Spekulant/Anleger komplexe Produkte wie Knock-Out Zertifikate kauft, sich aber an die Optionen in breiter Masse nicht traut. Woran kann es liegen? Ich vermute, es ist das bei uns sehr weit verbreitete Bedürfnis nach Sicherheit, welches jedoch nicht mit bestimmten Ertragszielen vereinbar ist. Man glaubt aber, dass es doch ist. Hinter den Zertifikaten stehen meist Großbanken als Emittenten. Das weckt Vertrauen, welches bis zur Finanzkrise unerschütterlich war. Kurz und knapp, Dass die Banken letzten Endes an uns verdienen wollen, scheinen viele gar nicht wahrzunehmen. Es gibt also keine Sicherheit, nur weil Großbanken die Produkte an den Mann bringen.

Nun ich wollte nicht über Zertifikate sondern über Aktien und Optionen reden.

Betrachten wir zwei alternative Anlageformen- Aktienkauf und Verkauf von ungedeckten Verkaufsoptionen auf diese Aktien. Ich setze dabei voraus, das der Leser weiss, was Verkäufe von Optionen sind (short selling). Auf einer After-work Party im Sommer traf ich einen Freund, der Berater in der Finanzbranche ist, übrigens ein sehr guter und erfolgreicher. Leider musste ich auch ihm erklären, dass ein Privatanleger und nicht nur eine Großbank in Deutschland Optionen verkaufen kann. Wenn jemand nicht weiss, wie man Optionen handelt, dann kann sie mich direkt ansprechen oder in Wikipedia nachschauen.

Wir gehen von einem Aktienkurs und einer Halteperiode aus, die für die Gewinnbetrachtung relevant ist.

Am Ende dieser Periode kann  der Aktienkurs:

–         sich nicht verändert haben

–         wenig gestiegen sein

–         stark gestiegen sein

–         wenig gefallen sein

–         stark gefallen sein

Was lohnt mehr angesichts dieser Szenarien mehr- Aktien oder Optionen auf Aktien.

Betrachten wir hierfür ein Beispiel.

Ich kaufe 400 EON Aktien zu 25 € und will in vier Monaten eine Performance erzielen, die besser als Festgeld ist ( z.Zt. 1-3% p.a.)

Oder ich verkaufe 400 Verkaufsoptionen und kaufe sie im Juni zurück oder lasse wertlos verfallen.

1. Aktienkauf:  Ich will jetzt nicht auf die Kapitalmarkttehorie eingehen und über die Risiken, die man ohnehin nicht richtig einschätzt, risikofreie Gewinne (Dividenden) und sonstigen Quatsch schreiben, welcher nur den Autoren etwas bringt. In welchem der obigen Szenarien wird der Aktienkäufer gewinnen? Eigentlich nur, wenn der Kurs stark gestiegen ist. Beim schwachen Anstieg lohnt sich der Verkauf nicht, denn dann schlagen Transaktionsgebühren zu Buche. Auch bei günstigsten Direktbanken kommt man bei einer 10.000 € Aktientransaktion kaum unter 80 €, was immerhin 0,8% ausmacht. Macht man es drei mal im Jahr, denn hat man gleich eine zusätzlich zu erwirtschaftende Rendite von 2,4%.

Es lohnt sich deshalb nicht, die Aktien mit einem kleinen Gewinn zu verkaufen.

Maximal kann ich den Kaufwert der Aktie verlieren. Gewinnen kann ich unendlich viel. Faktisch habe ich bislang mehr Aktien gesehen, welche auf Null fielen als ins Unendliche gestiegen sind. Und hier liegt der Hund begraben, durch die täuschend hohe Gewinnerwartung erkaufe ich mir das „geringe“ Risiko.

Zusammenfassend gewinne ich bei Aktien nur dann, wenn der Kurs nach vier Monaten um mehr als 25 Eurocent gestiegen ist. Dann liege ich jedoch erst beim Breakeven-Punkt, also erreiche eine Nullperformance. In allen anderen Fällen verliere ich Geld.

2. Wie schaut es mit Optionen aus. Angenommen ich verkaufe 400 Puts, ein Euro aus dem Geld (strike = 24 wenn heute der Aktienkurs bei 25 läge) mit dem Verfall im Juni und nehme dafür 400 x 2,4 € = 960- 20 = 940 € ein.

Wie profitabel könnte dieses Geschäft werden?

Nun, hier gewinne ich in fast allen o.g. Marktszenarien. Beim starken Verlust verliere ich allerdings weniger als beim analogen Aktieninvestment. Der einzige Haken an der Geschichte ist das begrenzte Gewinnpotenzial, im Gegensatz zu Aktien.

Ich liebe Optionen. In den letzten 10 Jahren hat es für mich nicht optionsfreie Jahre gegeben. Immer machte ich etwas mit covered Calls, Indexoptionen, straddles etc. Und ich habe mit Sicherheit nicht weniger verdient, als bei den alternativen Anlageformen.

Zur Zeit bin ich short in EON-Puts, Lufthansa-Puts, Lufthansa-Calls Commerzabank-Calls ( mit Aktien dagegen) und. ä. Das Schöne an dem Geschäft ist die Tatsache, dass es immer Möglichkeiten gibt, aus einer Verlustposition auf längere Sicht mit Gewinn rauszukommen. Ich weiss, diesen Satz  werden viele Leser nicht ertragen. Es ist aber ein Erfahrungswert. Logisch, kann ich eine Aktie verkaufen, wenn sie im Verlust ist, und sie dann später kaufen. Das ist aber keine Lösung, wenn man nicht ständig den Aktienbestand überwachen will.

Und bitte Sie nicht zu vergessen, der Zeitwert arbeitet bei short-sellings immer für mich…

Veröffentlicht von Option_Basil

Investieren

9 Kommentare zu „Optionen sind besser als Aktien

    1. Nein, im Gegenteil. Der Verlust ist auf den Basispreis ( strike) minus eingenommener Prämie begrenzt. Wenn ich einen Juniput 25 auf EON verkaufe und 2 € einnehme, dann kann der EON-Aktienkurs im schlimmsten Fall am dritten Freitag im Juno bei 0 stehen. Ich werde mit Aktien angedient und muss sie zu 25 kaufen, habe dafür 2 Euro erhalten. Deshalb verliere ich effektiv 22 € ( zuzüglich Gebühren ca. 60 €).

    1. Zufall. Ich habe in anderen in US-Seiten recherchiert und kam dadurch überhaupt auf die Idee, über Optionen zu schreiben…
      Dir auch vielen Dank für die langjährige Treue.
      Adria

    1. Hallo Jelly,

      verstehe die Frage nicht. Eurex-Geschäfte also u.a. Optionshandel bieten u.a. flatex, cortalconsors u.a. Ich gebe keine Empfehlung, dafür kriege ich von den Banken zu wenig…
      Achte bitte auf die Gebühren. Pro Trade soll es nicht mehr als 16 € Mindestprovision sein.
      Gruss
      Adrian

  1. Hallo Adrian,

    das mit den Optionen hört sich wirklich gut an. Habe davon bei Cortal Consors auch schon gelesen. Ich werde darüber mal nachdenken. Vielen Dank für den informativen Artikel.

    1. Hallo Volker,

      wollte keine Werbung für Consors machen, aber ich bin dort trotz der hohen Gebühren schon seit 2001 an der Eurex über Consors und mit dem Service stets zufrieden.
      Mittlerweile überlege ich mir, die Bank zu wechseln, da die Kommission mir doch zu hoch ist.
      adrian

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