Man merkt es gar nicht. Die Zeit rennt uns davon. Immer wieder werfe ich einen Blick auf ältere Beiträge, um festzustellen, dass ich inzwischen Im Rhythmus der Börse lebe- von einem Verfall zum anderen. Und jeder ist irgendwie anders. Grundsätzlich aber entwickeln sich die Märkte immer gegen die allgemeine Erwartung vor dem Verfall. Die größte Falle der letzten Jahre ist aus meiner Sicht die Überzeugung, dass die Kurse in den Tagen vor dem Verfall nervös und unberechenbar werden. Diese naive Mainung rührt daher, dass man früher glaubte, vielleicht war es auch so, die Märkte werden von einer großen Anzahl gleich kapitalstarken und gleich gut informierten Teilnhemern, die untereinander quasi kämpfen und die Abrechnungskurse zu beinflussen versuchen, beherrscht. Inzwischen aber bin ich der Auffassung, es gäbe wenige Teilnehmer, die sich noch Tage vor dem Verfall z.B. auf den DAX am Freitag „einigen“. Die Broker, Händler, Fonds Manager sind entgegen der allgemein verbreiteten Meinung keine risikoaffinen Spieler, sondern gemütliche Angestellte mit einem Gahalt zwischen 90- 150.000 € (nicht leitend) und Pensionsansprüchen von ca. 3000 im Jahr, die einfach ihren Alltag sicher und regelkonform überstehen wollen, sich auf die nächste Sommer- bzw. Weihnachtsfeier freuen und auf den Stress vor dem Verfall wirklich keine Lust haben. Den Eigenhandel haben sie längst an Computer abgegeben ( algo trading), die von einer Schar Physiker, Ingenieure und sonstiger Quereinsteiger betrieben werden, was dementsprechend auch mit der Volkswirtschaft gar nichts mehr zu tun hat. Der alte Händler, ein Bankkaufmann, BWLer hat sich längst in die Routine zurückgezogen.
Auf Schwankungen sind sie- diese Händler insofern vorbereitet, dass sie entweder die Positionen abgesichert , „gerollt“ oder glatt gestellt haben, noch lange bevor die vermeintliche Hektik beginnt. Deshalb verschiebt sich die nervöse Phase vor dem Verfall nach und nach nach vorne.
Der letzte ( große) Verfall war am 18.06.10. Damals schloss der DAX bei 6216. Heute stehen wir bei 6149, wobei der US-Markt besser als erwartet geschlossen hat und somit mit Kursen um 6200 morgen zu rechnen ist. Somit hat sich der DAX sozusagen kaum von der Stelle berührt.
Für einen bestimmten Typ von Optionshändlern war der letzte Monat fatal. Stellt Euch vor, man kaufe Put und Call ( Kauf- und Verkaufsoption) auf den DAX beim Basispreis 6200 am 18.06. Auf den ersten Blick keine schlechte Idee. Diese Art vom Optionstrading, auch Straddle genannt ist ein Kombinationsgeschäft, mit welchem man auf steigende Volatilität spekuliert. Man erwartet also eine größere Nervosität, die sich durch gestiegene Handelsspanne bemerkbar macht. Oder anders ausgedrückt – der DAX hat sich zu bewegen – egal wohin, Hauptsache weit von 6200. Für diese Wette müsste ich 180 Punkte bezahlen mal zwei mal 5 Euro plus Gebühren macht ca. 1840 €.
Und wo sind wir heute gelandet? Die Vola ist von 27 auf unter 20 gefallen aus der Nervosität ist die Sommerrally geworden und von den 1840 € sind ca. 350 € übriggeblieben. Ein klassiches Beispiel, dass man mit einer und der gleichen Strategie irgendwann immer verlieren muss.
Es hätte sich eher gelohnt, mit einem verkauften Straddle auf fallende Vola zu setzen. Dann wäre der Gewinn des Stillhalters bombastisch. Unter einer Bedingung. Am 5.07 stand der DAX bei 5600. Zwischenzeitlich stand also der gekaufte Straddle fast 150 Punkte im Plus. Man hätte nur aussteigen sollen. Ob man diesen Buchverlust als Stillhalter aushalten würde…?
Warum schreibe ich es? Weil je länger ich das Optionsgeschäft betreibe, desto öfter wird mir bewusst, dass man hier wie im Glücksspiel eigentlich immer verlieren muss, es sei denn man hat einen Vorteil. Dieser Vorteil ist zum Beispiel der Zeitwert, der für den Stillhalter arbeitet. Der Vorteil selbst reicht nicht aus. Der Rest ist die richtige Absicherung gegen Schwankungen und die angemessene Geldmenge, mit der man die Position absichert- Risikomanagement. Macht man es richtig, dann kann man als Optionsinvestor kaum verlieren.