Noch ist es zu früh, um eine so gewagte Behauptung zu riskieren. Es spricht nämlich im Moment gar nichts dafür. Ich habe schlicht aufgehört, über Index-Prognosen zu schreiben. Mir fallen keine sachlichen Argumente ein, die irgendeine Behauptung untermauern würden. Die Unternehmen verdienen Geld, aber offenbar vorwiegend deshalb, weill sie ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen. Der Begriff „Deutschland als Billiglohn-Land“ macht Schule. Andererseits beginnen diese unterbezahlten Arbeitskräfte in einigen Branchen zu fehlen, was für scheinheiligen Unmut der Unternehmen sorgt.
Also summa summarum alles im grünen Bereich auf der mikroökonomischer Skala. Makroökonomisch sieht es wiederum nicht so trivial aus. Die Heuchlerei um den angeblich zerfallenden Euro scheint die europäischen Märkte zu beflügeln. Die Zinsen steigen langsam aber stetig. Wenn jemand daran nicht glaubt, dann sollte er sich den Kursverlauf des Bund Future anschauen und außerdem einen Blick auf die Bauzinsen werfen, dann wird er schnell eine deutliche Veränderung feststellen. Offensichtlich reicht die Gelddruckerei der Staaten nicht mehr aus, um die Inflation im Schach zu halten.
Die Rohstoffblase hat sich noch nicht zu weit aufgebläht. Gold als „Fluchtwährung“ wird erst jetzt von immer mehr Börsianer wahrgenommen. Und Silber und Kupfer gleichermassen. Dass der Ölpreis in Richtung 100 $ geht, scheint auch keinen zu interessieren.
Last but not least China. Ein Land des puren Kapitalismus, allerdings ohne Religion. Dieses Land und eine Schar anderer Asiaten auch aus demNahen Osten stehen jetzt im Mittelpunkt des Interesses der Weltwirtschaft. Was dort passiert, scheint inzwischen von größerer Relevanz als die Wirtschaft bzw die Krise ( sorry welche Krise??) in den USA zu sein.
Was gibt es noch, was uns irgendeine Prognose für die Zukunft ermöglicht? Gut, die Stimmung der Börsianer. Aber sie schwankt. Langfristig ist sie gut, kurzfristig eher schlecht. In dieser Kombination spricht der Stimmungsindikator für weiter steigende Kurse.
Und zuletzt bleibt uns die Charttechnik als einzige zuverläßige Informationsquelle übrig. Die Charts sprechen ebenfalls für eine Rally-Fortsetzung. Keine Widerstände bis 8000 im DAX und fallende Volatilität. Was will man mehr?
Mein DAX-Regelwerk ( = Handelssystem ohne Trading-Funktion) läuft zur Zeit etwas durchwachsener. In der letzten Woche gab es ein Longsignal mit über 200 Punkten Gewinn und ein Long mit einem Verlust von 50 Punkten. Auf der Shortseite herrscht seit August praktisch tote Hose.Doch, letzte Woche gab es ein schüchternes Shortsignal, welche mit -15 beendet wurde. Mein System zeigt also eine gewisse Abschwächung der Longseite auf, ohne jedoch auf den Verkauf zu wetten. Was tue ich mit dieser Information? Ich würde sagen, ich befolge meine Signale ( trotz allem), verkaufe Optionen und meide langfristige Kapitalbindung. Schließlich will ich vom Sturz ordentlich profitieren.