Wie muss man sein, um reich zu werden?

Wenn man auf Ende 30 zusteuert, stellt man oft fest, dass nun doch nicht alles im Leben möglich sein wird. Nicht alles kann man ausprobieren und man wird voraussichtlich nicht zu der Spitze der Gesellschaft gehören, von  der Tatsache mal abgesehen, ob man es überhaupt einmal tun wollte. Genau, hier sind wir beim Kern dieses Monologs. Wer aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis ist reich geworden und warum? Es sind erstaunlich oft Menschen, denen man es in ihrer Kindheit kaum zugetraut hätte. Oft waren es Schulschwänzer, selten Genies, oft aber dreiste, unsympathische, skrupellose Typen.

Ich will mit der folgenden Analyse nicht die Unzufriedenheit mit eigenen materiellen Verhältnissen zum Ausdruck bringen. Mir geht es gut, ich kann mein Haus, Kinder und Frau bezahlen. Auch ist die eigene oder andere Reise drin. Reich im Sinne eines vielfachen Millionärs bin ich nicht.

Ich will nicht behaupten, Reichtum sei der Sinn und einiziger Maßstab des Erfolges. Nun aber ist es durchaus wichtig, nicht arm zu werden und es fasziniert mich seit meiner Kindheit, zu verstehen, warum es in der Welt zu so ungleichmäßiger Verteilung der Einkommen und Vermögen kommt. Warum schaffen es manche, für mehrere Generationen Reichtum anzuhäufen und andere nicht einmal für ein Jahr. Vielleicht hilft es zu verstehen, wenn wir die eigenen Freunde, Verwandte und Bekannte sozusagen anonym unter die Lupe nehmen.

Es ist schwierig, in Deutschland über Geld und Reichtum zu reden. Nach wie vor entscheidet die Herkunft zu 90% über die berufliche Zukunft und außerdem mit dem materiellen Erfolg redet man nicht. Man machts. Die Brüder Aldi verkörpern diese Mentalität ambesten.

Soviel zur Einführung. Schauen wir uns also die Karrieren an, die den Weg zur eigenen Million ebnen. Wir werden schnell festestellen, dass sich die „Reichen“ fast immer in eine der folgenden Kategorien einstufen lassen:

1. Der Sparsame und Fleißige. Er gehört eher zu den Minderheiten. Schnell studiert, einen Beruf and er FH gelernt, dann einen Job in der Wirtschaft gefunden und seitdem nur gearbeitet. Der Mann kannte keine freien Tage. In den letzten 20 Jahren mindestens dreimal die Woche unterwegs. Auch sehr strapaziöse Dienstreisen, die Wochen dauerten und nach Osteuropa führten, schreckten ihn nicht ab. Familie zählt nur als Statussymbol und den Stress baut er, wie es im Mittelstand oft üblich ist, mit dem Alkohol ab. Nach 10 Jahren ist er  Geschäftsführer, Haus abbezahlt, 6-stellige Boni sind die Regel. Was hat er anders gemacht, als die Masse anderer Dipl. Ing. Vor allem war er sparsam und gierig. Der Fleiß war nur die logische Folge dieser beiden Charaktereigenschaften. Der Wunsch nach noch mehr Geld war immer wichtiger als alles andere. Also eigentlich ist der Typus nicht so fleißig und sparsam sondern vor allem geldgierig.

2. Der es mit dem Gesetzt nicht so ernst nimmt. Bei diesem Burschen spielt oft das Glück eine wichtige Rolle. Am Beispiel nutzte ein Bekannter den Umbruch in Polen in den frühen 90-ger. Das unterversorgte Land kaufte alles, was man aus dem Westen brachte und zwar zu jedem Preis. Der Weg zum Millionär war damit offen. Man musste  lediglich die eingekaufte Ware glücklich unversteuert und unverzollt also illegal nach Polen bringen. Ein schwieriges Brot war es. Die Straßen waren unbefahrbar, an der Grenze wartete man oft 2 Tage und man letzten Endes nie wusste, ob der Schmuggel auch diesmal gelingt. Da musste mit Schmiergeldern  und sonstigen Massnahmen nachgeholfen werden. Hier mal Kennzeichenschilder im Wald tauschen, da ohne Erlaubnis schnell verkaufen usw. Im Großen und Ganzen  waren die Gewinnspannen gigantisch.

Im Grunde genommen nutzt dieser Typus alle möglichen Gesetzeslücken, ist voll darauf behaben, Geld ohne viel Arbeit zu machen und hat keine Probleme, auch mal hohe Risiken für sein Leben einzugehen. Nach 20 Jahren interessiert es keinen, er  besitzt mehrere Häuser, und Autos, Restaurants, Nachtklubs und viele Angestellte. Gut, ab und an gibt es Ärger mit der Polizei, der sich jedoch schnell legt, da man die Freiheit  ebenfalls „kaufen“ kann. Immer ein wenig am Rande aber nicht ganz…

Schon wieder ist Geldgier einer der Haupteigenschaften, die diesen Typ auszeichnen. Aber nicht nur. Im Gegensatz zu dem ersten Typen ist er nicht sparsam.

3. Der Glückliche. Der dritte und letzte Typ eines Reichen ist weder sparsam noch risikobereit. Eigentlich sind diese beiden Charakterzüge ihm ziemlich fremd. Er musste nicht viel tun, sondern lediglich dem Willen bzw. den Empfehlungen der Eltern und Förderer folgen. Hier denke ich an einen Sohn aus den gutbürgerlichen Verhältnissen. Zuerst wollte er Biologie studieren. Auf Anraten der Eltern entschied er sich für die Zahnmedizin. Dann wollte er seine Jugendliebe heiraten. Daraus ist ebenfalls nichts geworden. Er heiratet eine selbständige Zahnärztin mit eigener Praxis… Der Rest ist ein reines Anhäufen vom Reichtum.  Zu der Kategorie des Glücklichen gehört auch der Bankdirektor, der unter anderem aufgrund seiner jüdischen Wurzeln doch den richtigen Förder in einer Großbank gefunden hat. Weder musste sie sparsam, noch gierig geschweige draufgängerisch sein.

Zu der Kategorie gehört auch der Erbe, der sich entscheidet, den Lebensplan seiner Eltern umzusetzen, anstatt Musiker zu werden.

 

Viele andere reiche Menschen die ich kenne, gehören zu einer oder zu meherern Kategorien gleichzeitig. Seltsamerweise  scheinen Charakterzüge aus diesen Katagorien die Grundvoraussetzung zu sein, überdurchschnittlich reich zu werden. Ich kenne keinen Reichen, der

– sehr gut studiert hat und dann einen guten Job gefunden hat und einfach brav arbeitet und reich geworden ist.

– der gemütlich und risikoavers an  der Börse handelt. Mit wenig Eigenkapital häuft er ein Vermögen an. Entweder hat er viel Glück und handelt zufällig das richtige Produkt zur richtigen Zeit oder nutzt er einen Vorteil gegenüber anderen MarktTeilnehmern aus. Er bekommt z.B. aus erster Hand wichtige Unternehmensnachrichten ( kenne ein Beispiel). Oder er bekommt als erster den besten Einblick ins Orderbuch, noch vor den anderen. Oder er besitzt einen grundsätzlichen Vorteil, weil er z.B Gebühren für jedes Geschäft kassiert.

– der in der Spielbank viel Geld gemacht hat, ohne die Spielbank zu betrügen und die Spielregeln zu missachten

– der einfach nach allen Regeln der Kunst und einer reifen Überlegung mit geliehenem Kapital ein Geschäft gründet. Wenn dieses gut läuft, dann liegt es wieder einmal entweder am Glück oder an halbweges illegalen bzw. halblegalen Geschäftspraktiken.

Ich weiß, es gibt den erfolgreichen und ehrlichen Geschäftsmann. Aber wahrscheinlich gibt es sehr wenige von dieser Sorte und er bleibt dann unter seinesgleichen und schweige sich tot über sein Vermögen und den Weg dorthin.

OK, soviel Nachdenklichkeit bzw. Sarkasums am ersten Weihnachtstag. Ich hoffe, liebe Freude, Ihr werdet mir nichz zu böse sein…

Um die Gemüter zu besänftigen, hier eine meiner Lieblingsarien von Händel, aufgeführt durch Danielle der Niesse. Ich liebe es! Ein schöner weiblicher Akzent, da Frauen leider viel zu selten zu den Lesern dieses Blogs gehören.

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von Option_Basil

Investieren

2 Kommentare zu „Wie muss man sein, um reich zu werden?

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