Vor einiger Zeit las ich ein interessantes wenn auch teures Buch von Pierre Basieux „Die Zähmung der Schwankungen“. Der Autor ist nicht nur in der Spielerszene wohl bekannt. Er gehört zu den wenigen erfolgreichen Berufsspielern, die es begriffen haben, die negative Erwartung im Spielcassino zu überlisten. In der Tat hat Dr. Basieux die wissenschaftliche und praktische Roulette-Forschung revolutioniert.
Wird man nach der Lektüre des Buches reich? Wohl kaum. Die präsentierte Methode zur Erhöhung der Gewinnerwartung ist meiner Meinung nach zumindest sehr schwer umzusetzen. Außerdem bin ich kein Gambler. Oder vielleicht doch? Ist der Börsenhandel wirklich prinzipiell anders? Eine Anregung lieferte das Buch trotzdem. Und die ist im Titel versteckt.
Schwankungen sind der Schlüssel zum Erfolg an der Börse. Zu dieser Erkenntnis kommt jeder Trader irgendwann. Warum verbringen die meisten von ihnen Monate gar Jahre bei der Suche nach dem geeigneten Einstieg. Dabei kommt es auf ihn kaum an. Die Kursentwicklung ist in erster Näherung ein stochastischer Prozess. Eine Größe spielt hier die essentielle Rolle- die Volatilität. Sie definiert die Standardabweichung vom Mittelwert auf Basis der historischen Kurse. Im Prinzip sollte sie bei jedem Trade beachtet werden. Sie korreliert mit den Schwankungen, die rein zufällig stattfinden, hat also nichts mit einem übergeordneten Trend zu tun.
Das Bewusstsein dieser Schwankungen und ihre „Zähmung“ entscheidet letzten Endes über den Erfolg in den Märkten.
Angenommen ich kaufe den DAX-Future beim heutigen Kurs 7800. Die implizite Vola liegt bei 14%, was ca. 1% pro Tag entspricht. Im Klartext bedeutet es, dass der DAX-Future Kurs mit über 70% Wahrscheinlichkeit um ca. 80 Punkte um den Einstiegswert schwanken kann, ohne, dass es einen Grund gibt, die Position zu schliessen. Mein Stopp-Loss also der Ausstiegswert darf nicht höher als 80 Punkte unter dem Einstieg liegen.
80 DAX Future Punkte sind aber 2000 Euro!!!. Es ist doch kein einfaches Geschäft für unterkapitalisierte Schlucker…..