Inzwischen mache ich das Optionsgeschäft seit fast 20 Jahren. Bin ich reich geworden? Nein, zumindest nicht durch durch die Optionen. Verdiene ich eine positive Rendite? Meistens ja. Insgesamt glaube ich, besser abgeschnitten zu haben, als wenn ich das Geld auf dem Geldmarktkonto liegen gelassen hätte. Schwacher Trost, sagt mancher…Dafür machst Du es mit den hohen Risiken? Sind Optionen meine letzte Leidenschaft?
Ich werde immer erfolgreicher, das kann man anhand der Ergebnisse sagen. Ich habe keine schlaflosen Nächte. Diese hatte ich, als ich noch nicht wusste, worauf mich da einlasse, wenn ich nackte Puts verkaufe. Ohne einen Mentor zahlst Du viel Lehrgeld. Das klingt banal und ist wahrlich keine Empfehlung. Jeder Mensch hat seine individuellen Vorlieben, Träume und Ängste. Seine eigenen Beweggründe, etwa zu tun oder sein zu lassen.
Ich durchlebte viele Phasen in diesem Geschäft, bevor ich vor kurzem feststellte, dass Optionen meine letzte Leidenschaft bleiben werden. Ich fürchte einen Crash nicht mehr. Im Gegenteil, dieser wäre eine doppelte Chance.
Wie sind aber die wichtigsten Erkenntnisse dieser Optionsjahre?
Die einzige Lehre, die sich über alle Episoden durchzieht, ist die Agilität. Vertrauen Sie niemals für immer einen einmal eingeschlagenen Weg. Die Welt ändert sich ständig. Sie sucht nach Opportunitities sie ist geldgeil und Sie sind ihr egal. Börse und Derivatemarkt unterliegen keinem Naturgesetz, sie sie ein Schlachtfeld. Jeder Tag kann eine Katastrophe werden, jeder Tag kann Sie auch glücklich machen.
Wie sind die anderen Lektionen aus Deinen 20-Optionsjahren?
1. Buchhaltung
Sei bitte ehrlich, Adrian. Rede nichts schöner. Genau, das war die erste Lektion. Wenn Sie anfangen ernsthaft mit Optionen an den Terminmärkten zu spielen, vergessen Die nicht, warum Sie es tun. Du wirst staunen, es kann viele Beweggründe geben. Sie finden im Internet unzählige „Optionshändler“, die Ihnen ein „regelmäßiges Einkommen“ garantieren. Sei müssen lediglich ein paar Tausender für diverse Schulungsmaßnahmen und hauseigene Software auf den Tisch legen. Solche „Optionsspezialisten“ haben auch früher selbst gehandelt, manche tun dies auch weiterhin. Aber Sie haben inzwischen erkannt dass dort die gleichen Gesetze wie sonst in der Wirtschaft herrschen. Hohe Renditen sind nur mit hohen Risiken möglich, es sei denn wir befinden uns im nicht regulierten Markt. Die jährliche Rendite kann 10%, 20% oder auch mehr auf das vorliegende Kapital sein. Sie wird aber nur in Ausnahmen höher als 50% betragen. Es gibt natürlich Tage, an welchen Sie viel mehr verdienen, wenn Sie zufällig richtig im Markt sind. Für viele ist diese Erkenntnis eine Enttäuschung. Das Geschäft ist doch so langweilig! Oft muss man nicht viel tun, oft sollte man es auch nicht. Immer wieder sind Verluste hinzunehmen. Da sind Schulungen wesentlich lukrativer. Auch Börsenbriefe.Kaum Risiko und die Kasse klingelt.
Finger weg von solchen Experten! Lassen Sie sich immer die Performance der letzten Jahre zeigen. Wenn der „Coach“ und Seminaranbieter seriös ist, dann führt er eine Buchhaltung.
Tun Sie es auch! Es ist extrem wichtig, zu wissen, wo stehen wir. Ganz einfach, wenn ich heute alle Positionen schließe, dann wie viel Geld habe ich auf dem Konto und wie viel war es zum 1. Januar.?
Unterschätzen Sie nicht die Steuern. Die steuerliche Behandlung der Stillhaltergeschäfte ist eine Frechheit. Die Longpositionen können Sie erst mit der Steuererklärung verrechnen. Aber auch so sind 25% weg. Lohnt sich das Geschäft überhaupt noch.
Lassen Sie sich durch einige Erfolge nicht blenden. Börse ist eine Bestie, die bestenfalls ruht,
ansonsten will sie nur das Beste von Dir – Deine Kohle!
Analysieren Sie mindestens einmal die Woche die Performance Ihres Portfolios. Und führen Sie das Buch sorgfältig. Jede Transaktion sollte zeitnah verbucht werden. Die Gebühren nicht vergessen.
2. Nach dem Vorteil suchen
- Volatilität ausnutzen Viele private Optionshändler vergessen,m dass die Einschätzung der Volatilität der größte Treiber des Preises ist. Gerade bei Bewegungen nach oben, fallen die Call-Preise, obwohl der DAX steigt. Den Einfluss der impliziten Volatilität (IV wird gerne übersehen,. Hier kann ich nur raten, die Optionen zu verkaufen, sobald die implizite Volatilität deutlich und sprunghaft gestiegen ist und fängt bereits an, zu fallen.. Wie man es macht, steht auf einem anderen Blatt. Der Kauf der IV ist hingegen nicht so trivial. In ruhigen Zeiten bringt es meistens wenig. Ich kaufe Puts, wenn ich einen Crash erwarte. Das heißt, die Vola steigt und steigt. Wiederholt sich das Szenario, dann kaufe ich Put und Call und warte 1-2 Tage. So verdiente ich viel Geld mit Covid-Crash.
- Agil oder mit System Viele behaupten, dass der Schlüssel zum Erfolg im Risikomanagement und in der Disziplin liegt. Das ist natürlich Nonsens. Ich spiele wöchentlich Lotto. Drei Reihen, Zahlen nach einem klaren System. Das Risiko habe ich im Griff und diszipliniert bin ich auch. Bringt mir das einen Nettogewinn? Eher nicht. Ein Regelwerk zu befolgen, welches aus der Analyse des Vorteils entstanden ist, ist richtig. Aber man soll wach bleiben. Vielleicht besteht gerade jetzt eine bessere Chance? Ja, es ist schwer, beides zu verbinden.
- Nicht alles auf eine Karte setzen oder doch? Auch das ist schwer. Denn wir wissen, dass man das Investment streuen soll. Andererseits wissen die Profis, dass man im günstigen Mark besonders hohe Risiken eingehen soll. Das heißt, ich vergrößere den Einsatz mit dem Gewinn. Das Stichwort lautet „Kelly Prinzip“. Das Risiko manage ich nach einer einfachen Regel. Ich gehe vom Maximalverlust aus und überlege, ob noch genug Liquidität für mich und die Börse da ist. Sie müssen aber ehrlich vom schlimmsten Fall ausgehen. Dieser war zum Beispiel in Covid-Zeiten im März 2020. Nach einigen schwachen Tagen sackte der DAX immer weiter. Plötzlich wurde der Handel ausgesetzt. Mit einer solchen Situation müssen Sie immer rechnen.
- Ausgeglichenes Delta Dieser Hinweis gilt für die Stillhalter in Puts. Eine Neue Position hat bei mir immer ein ausgeglichenes Delta. Steigt der DAX, dann sinkt das Delta. Der Profit wird immer kleiner. Sinkt der DAX, steigt das Delta, das Risiko, dass mein Portfolio vernichtet wird, steigt. Ein guter Optionshändler achtet in erster Linie auf das Delta. Die Position wird adjustiert, koste es was es wolle.
So die ersten spontanen Lehren aus meinem Optionsleben.