Sell in may and go away- oder doch nicht?

Es gibt viele Volksweisheiten an und über die Börse. Etwa so viele wie über das Wetter. Beide Phänomene unterscheiden sich in puncto Unsicherheit wenig voneinander. Hier die unberechenbare Natur, dort der unkalkulierbare Mensch. In beiden Fällen schauen wir auf historische Daten und schliessen daraus auf die Zukunft.  Beim Wetter liegt man damit oft richtig, beim Mensch meistens nicht. Denn die Prognose selbst beeinflusst das Verhalten der Menschen und damit auch die Kurse.

Klassische Weisheiten haben sich sozusagen selbst wegarbitragiert, das heisst sie gelten in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr.

Nehmen wir den Frühlingsklassiker:  Sell in may and go away. Das machte sicherlich früher Sinn, als nur eine Handvoll Börsianer die Preise quasi im Griff hatte,  ähnlich wie Minaralölkonzerne heute.

Es vernünftig, nach der Berichtssaison die Gewinne mitzunehmen.

Und heute?

Ich habe die letzten 9 Jahre unter dem sell in may Kontext unter die Lupe genommen und analysiert, inwiefern es sich gelohnt hätte, den Deutschen Leitindex DAX im Mai zu verkaufen.

Und das sind die Ergebnisse:

1999 NEIN Rückgang um 300 Punkte auf 5000. Danach kam es zu der Jahr 2000 Rally.

2000 Bedingt NEIN Rückgang von 7477 auf 7109 . In den drei Monaten danach stiegen die Kurse immer wider auf über 7500 , bevor es im September richtig bergab ging.

2001 JA, wobei man hätte schon viele früher aussteigen sollen. Im Mai 2001 kam es nicht zu großen Kursänderungen

2002  JA Nach der Zwischenrally nach 11.09.2001 drehte der Trend im April 2002. Der Verkauf hätte also spätestens im Juni erfolgen müssen.

2003  NEIN. Die Situation war ähnlich wie heute. nach einem starken April zogen die Kurse weiter an.

2004. NEIN. Das erste halbe Jahr 2004 tendierte der DAX seitwärts und im September kam es zu Jahresendrally.

2005  NEIN. Starker Monat mit einer folgenden Hausse

2006 NEIN. Der Monat war zwar schwach. Später kam es jedoch zur Fortsetzung der Hausse. Die Verkäufe wären absolut fehl am Platz.

2007 Bedingt JA, wobei man noch ein halbes Jahr Zeit hatte, um bei vergleichbaren Kursen zu verkaufen.

2008 JA, wobei der Crash noch bis Oktober auf sich warten liess.

2009 ?

Zusammenfassend ist der Mai kein zuverlässiger Indikator.  Börsen durchlaufen langfristige Trends und achten nur selten auf die Monate. Nur einmal im 2002 lieferte der Mai die beste Verkaufsgelegenheit.  Ansonsten ist dieser Monat sogar ein guter Kontraindikator, der zum Kauf animiert, wenn ein langfristiger positiver Trend plötzlich durch eine Maikorrektur unterbrochen wird.

Im Mai 2009 erwarte ich keine spektakulären Bewegungen. Auf einen Anstieg über das Aprilhoch wird wohl eine schwache Korrektur folgen. Mehr nicht.

Veröffentlicht von Option_Basil

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3 Kommentare zu „Sell in may and go away- oder doch nicht?

  1. Erst wenn der S&P unter 820 Indexpunkte fällt bzw. der DAX unter 4500 Indexpunkte,würde ich den Satz anwenden: „Sell on may and go away“. Bis dahin sind die Aktien auch in Osteuropa noch gute Haltepositionen. Eine Fortsetzung der Bärmarktrallye und sogar ein DAX von 5000 Indexpunkten ist durchaus möglich. Erst dann kommt die eigentliche“ Stunde der Wahrheit“ (Trendwechsel oder Fortsetzung des Bärmarktes), weil dann der DAX auf die 200-Tgaeslinie trifft, die immer noch im Fallen begriffen ist.

    Hier noch mehr dazu gefunden:

    http://www.sharewise.com/news_articles/5677-Boerse-Schweinegrippe-Mai

    1. Stimmt, wobei ich bei der 200 Linie etwas vorsichtiger wäre. Man schaue nur auf die Vergangenheit. Es kam häufig zu Fehlsignalen ausgelöst durch die 200 Tage Linie. Bei deren Überschreitung kommt es für mich darauf an, ob der DAX ausreichend lange darüber bleibt, oder beginnt hektisch zu „zucken“.

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