Ich stelle die Frage erst einmal so, ohne auf die kommende Antwort bloß nur hinzudeuten. Denn diese kenne ich genauso wenig wie die meisten Analysten und Wirtschaftsjournalisten, die seit Monaten die kommende Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung prognostizieren, obwohl diese nicht eintreten will.
Denn wenn wir auf den Chart Euro/Dollar schauen (s. angehängtes Bild von http://www.tradesignalonline.com) , dann stellen wir schnell fest, dass naiv betrachtet eine starke Korrektur erkennbar nicht jedoch ein Absturz, wie viele erwarteten bzw. sogar wollten, warum auch immer. Ein Rückgang von 1,5 auf 1,35 ist für mich immer noch eine Fibonacci-Korrektur der Flanke von 1,26 – 1,5.
Griechenland und die sog. PIIGS Staaten (Portugal, Irland Italien, Griechenland, Spanien) bzw. ihre Verschuldung werden oft als Ursache genannt, potenziell wohlgemerkt. In der Tat bringt die griechische Schwarzmalerei wenig. Die neulich emittierte Anleihe bringt 4,85% im Jahr Rendite, was natürlich auf die hohe Nachfrage zurückzuführen ist. Was die hohe Nachfrage wiederum auslöste, bleibt letzten Endes ein Objekt der Spekulation. Die klassische Ökonomie würde wohl von einer realistischen marktgerechten Risikoeinschätzung sprechen. Die neueren spieltheoretischen Ansätze liegen der Wahrheit etwas näher. Ich behaupte, dass in erster Linie der Renditedruck, der auf die großen Investoren lastet, der wahre Grund ist. Sobald die öffentliche Information über die „Griechenland-Krise“ auf eine Entspannung hoffen lässt, wird gekauft, damit man nicht zu spät und damit zu kurz kommt. Diese Grundregel- eine Art Reise nach Jerusalem bestimmt meines Erachtens das kollektive Verhalten in allen liquiden Kapitalmärkten.
Was soll also der „einfache“ Leser über die Krise denken? Ist sie vorüber oder nicht?
Ja, sie ist vorerst vorüber und basta. Die Hypothekenkrise war ja schließlich bereits im Sommer 2007 nur ein Randthema und Anfang 2008 sahen manche den Beginn vom Ende der Krise. Problematisch wird es, wenn Griechenland die Schulden nicht tilgen kann, trotz großzügiger Hilfe der EU. Dann haben wir ein zweites Argentinien. Gut dort ist die Welt auch nicht untergegangen.
Deshalb fällt mir schwer, nur aufgrund der fundamentalen Wirtschaftsnachrichten an die aufkommende Schwäche des Euro zu glauben.
Ich bin letzten Endes ein Zahlenmensch, der am Ende Beweise sehen will.
Bei der Europroblematik fällt mir als eine mögliche Ursache für seine Schwäche wieder die Spekulation ein. In der heutigen Ausgabe der FAZ (Finanzteil, Kommentar) war für mich zum ersten Mal von den sog. Carry- Trades die Rede. Aufgrund der relativ großen Zinsdifferenzen zwischen dem Euroraum und der $-zone, kann man Geld in Euro leihen und in Dollar anlegen. Das hört sich auf den ersten Blick ziemlich gefährlich an, sagen Sie. Schließlich kennen wir die Euro/Dollar Kursentwicklung nicht. Ja, aber wenn die Spekulation aufgeht, dann wird der verstärkte Dollarkauf einen Druck auf den Euro ausüben. Der Euro-Kurs fällt dann weiter, was der Carry-Trades noch mehr attraktiv macht und so weiter.
Dieses Szenario könnte insofern eintreten, dass große Investoren tatsächlich solche Carry-Trades tätigen werden. Mir fiel ein, oft in den letzten Wochen von einer „Wette gegen den Euro“ der Banken und Großinvestoren gelesen zu haben. Das spräche dafür.
Wenn die Spekulation aufgeht, dann werden wir den Absturz der Gemeinschaftswährung sehen, ähnlich wie den Fall und Ausschluss des Pfund in den Neunziger Jahren.
Ich denke, die Spekulation wird nicht aufgehen, wenn keine gravierenden News aus der Wirtschaft schnell auftauchen und wir werden eher eine Entwicklung sehen, die wir bereits 2006 auf der Schiene Yen/Dollar sahen. Damals kam es plötzlich zu massiven Schließungen der Carry-Trades Positionen, nachdem die Zinsen in Japan gestiegen waren. Im Endeffekt wurden Aktienpositionen in USD aufgelöst und wir sahen einen Minicrash oder eher eine „unerklärbare“ und unerwartete Korrektur in den globalen Märkte.
Kommt es auch jetzt so. Gut möglich.
Ich bin leider mangels Fachwissen nicht in der Lage, diese Ausführung im Detail analytisch zu verstehen, aber was ich verstanden habe, erscheint mir recht plausibel. Allerdings halte ich mittelfristig den Gedanken an Griechenland als Auslöser von inflationärem Euro-Verfall für steuernder. Lassen sie die 150 Mrd. Euro summarum für Griechenland noch ein paarmal durch die Presse spuken, da spielen doch ein paar Millionen von Großinvestoren eine eher untergeordnete Rolle, oder? Ich verstehe auch nicht, warum Investoren für geringwertigere Euro teure Dollar kaufen sollten, wenn das erstmal angeregt ist.
Danke für den Hinweis. Ich glaube nicht, dass aufgrund des Fachwissens manches umplausibel erscheint, sondern weil ich es nicht richtig erklärt habe.
Nun, in meinem Blog versuche ich immer auf der Seite des schlecht informierten Presse-Lesers zu stehen und zu beschreiben, wie der denkt…
Zur Sache- ich wollte nur sagen, dass wenn der Euro tatsächlich weiter fällt, dann könnte es an der Spekulation gegen Euro liegen. Noch ist der Euro nicht geringwertig. Deshalb ist der Kauf von Dollar einigermassen rentabel, zumal man von der Zinsdifferenz profitiert. Setzt jedoch dieser Trend ein dann folgen andere und kaufen den bereits gestiegen Dollar weiter. Diejenigen, die es zuerst getan haben, freuen sich dann natürlich und verkaufen irgendwann den Dollar spätestens wenn die Zinsen in der Euro-Zone steigen.
Der Effekt wird anfangs noch durch die mit dem steigenden Dolalr zurückgehenden Margin ( Absicherungs-) – Anforderungen beim Leihen des Euro verstärkt, da die Konten in der Regel in Dollar geführt werden.
Zu Ihrer Anmerkung über die Rolle der Großinvestoren- diese würde ich nicht unterschätzen. Wenn man bedenkt, dass sogar ein Privatmann mit lediglich 1% des geliehenen Betrages als Sicherheit spekulieren kann, und Devisen mit dem Hundertfachen Hebel zu handeln.
Wenn also Dr. Spekulations heute 1 000 000 $ hat, dann reicht es um den Euro-Gegenwert von 100 000 000 $ zu beleihen und dafür die $ zu kaufen. Die dann gekauften 100 000 000 $ werden erneut als Margin eingesetzt und ermöglichen den Leih von 100 x 100 000 000 € also 10 Milliarden. Ist der Dolalr in der Zwischenzeit gestiegen, dann kann es sogar mehr werden.
Einige solcher Spekulationen gingen auch mal schief, enige waren sehr erfolgreich.
Über weitere Fragen würde ich mich freuen.
Vielen Dank, ich fand das recht erhellend. Solange sie meine Fragen so effizient beantworten, dürfen Sie gerne die angenehme Art der „populärwirtschaftlichen“ Darstellung beibehalten. 😉
Inzwischen nehme ich meine Versuche wieder auf, Hebelprodukte wirklich zu verstehen.
Kleine Korrektur. Der Hinweis auf die 1% Absicherung gilt für die sog. FX -spot- Termingeschäfte, die man z.B. bei CFD Brokern handeln kann.
Welche Margin bei Carry Trades gilt , weiss ich nicht. Sie dürfte höher liegen und hängt generell von der Bonität des Kontrahenten ab, da der gegenüber dem Markt haftet, im Gegensatz zu CFDs , wo der Broker i.d.R. in Verantwortung steht.