Über den neuesten Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften liest man wenig.
Blick Log stellt einige Pressebeiträge zusammen
Wie oft zeigt man sich enttäuscht, dass dem Wunsch eniger Intellektueller nicht entsprochen worden ist. Warum nicht die Finanzkrise sondern der Arbeirsmarkt. Ich weiss es nicht. Nobelpreise werden nicht für kurzfristige Forschungsaktivitäten vergeben. Es geht mehr um das Lebenswerk oder einen bahnbrechnenden Beitrag zur Wissenschaft. Und vor allem muss dieses Werk eine multinationale, grenzüberschreitende Bedeutung haben. Beispiel aus der Literatur. Es gab viele gute polnische Lyriker und Schriftsteller, aber nur wenige von Ihnen haben einen weltweiten Ruhm erlangt. Dieser galt dann jedoch nicht den patriotischen sondern jenen Arbeiten die auch jenseits des polnischen Kulturkreises von Bedeutung waren. Henryk Sienkiewicz bekam seinen Noblepreis für Literatur für Quo Vadis, das viele kennen , nicht aber für unzähliche Tausende Seiten der sog. Trilogie, die von zahlreichen Kriegen Polens mit den Nachbarn im 15-17 Jahrunhudert handelt.
Ähnlich scheint das Nobelpreiskomitee bei der Ökonomie zu entscheiden.
Finanzkrise mag gigantische Auswirkungen auf das Weltgeschehen gehabt haben. Analog jedoch der Dotcom Krise 2000 sind ihre Ursachen verstanden und man davon ausgehen muss, dass sich diese Krise nicht in der alten Form wiederholen wird. Sogar ein Laie verstehen schnell, was zu der Krise 2007-2008 geführt hat:
– Hohe Liquidität gespendet durch die FED. Diese Liquidität konnte faktisch außer in den Immobilienmarkt niergendwo ausweichen, da die Unternehmen kaum investieren wollten
– Staatliche Eigenheimförderung um jeden Preis
– Leichtsinnige Kreditvergabe durch Banken an wenig solvente Eigenheimkäufer, quasi ohne Bonitätsprüfung
– Verbriefung von drittklassigen Hypotheken, hier haben aber auch die Rating -Agenturen einen großen Teil der Schuld zu tragen. Sie hätten es sehen müssen, was hinter den Papieren steckt. Dann würden wohl ausländische Banken nicht so leichtsinnig einsteigen.
Wie auch immer, die Ursachen mögen komplex sein. Eine Diskussion darüber müsste jedoch eher in die Richtung führen- wie vemeide ich Blasen in Kapitalmärkten. Oder noch besser – wie bringe ich Menschen davon ab, gierig und unvernünftig zu sein.
Hingegen ist das Thema von Peter Diamond und Co. für die US-amerikanische Ökonomie eher ungewöhnlich. Diese Behauptung wird dadurch unterstützt, dass Peter Diamond offenbar in der FED unerwünscht ist…
Wie finden sich Jobsuchende und Arbeitgeber zusammen? Offenbar geschieht es, wie vieles auf der Welt, zufällig. Nicht das Verhältnis Nachfrage/Angebot bestimmt automatisch die Arbeitslosigkeit oder das Lohnniveau.
Vielmehr ist es der zeitliche und finanzielle Druck, den beide Seiten bei der Suche verspüren.
Dazu fallen mir viele Beispiele aus dem persönlichen Umfeld ein. Als ich mit der Promotion fertig wurde, beschloss ich mich, mit dem Thema Börse/Banken zu befassen. Neben den persönlichen Interessen waren hier auch rein monetäre Faktoren entscheidend. Das Leben als wissenschaftlicher Mitarbeier an der Uni hatte ich satt. Die dauerhafte Diskussion über die Stellenverlängerungen, Kürzungen konnte ich mir nicht noch bis zur Professur vorstellen. Dafür bedarf es eines Idealismus, den ich nicht hatte. Deshalb fiel dier Entscheidung schnell.
Bank und dazu am besten gleich die größte. Es hat zuvor ein paar Bewerbungen gegegben. Diese war die vierte und das zweite Vorstellungsgespräch. Ich fuhr nach Frankfurt, der neue Chef gefiel mir nicht, die HR-Frau auch nicht. Mit dem Thema konnte ich nichts anfangen.
Nach zwei Tagen kam die Zusage und ich nahm den Job an. Jahrelang später bereute ich es. Ich wollte in die Beratung. Nun aber hatte ich keine große Wahl. Und der Arbeitgeber auch nicht. Sie mussten in drei Wochen diverse Migrationsprojekte über die Bühne bringen und so weiter. ICh hatte ein kleines Kind und eine Frau, die im Mutterschaftsurlaub war. Da zögert man nicht, wenn man ds Gehalt vervierfachen kann.
So kam eine 12-jährige Beschäftigungsperiode zustande.
Hätte ich mehr Zeit, würde ich mir einen Job aussuchen, den ich wirklich haben wollte. Hätte der Arbeitgeber mehr Zeit, hätte er verstanden, das sich wohl den Job gar nicht machen will.
Manchmal passierte jedoch das Umgekehrte. Der Arbeitgeber und ich fanden uns, wussten intuitiv, wir würden zueinander passen. Ich konnte jedoch nicht harausfinden, was meine künftige Aufgabe werden sollte. Und so sagte ich ein schönes und gut dotiertes Angebot ab.
Mein Gott, mir fallen so viele Beispiele ein. Ein Bekannter sollte von der Bank in DWS wechseln und hatte wochenlang verhandelt, bis er ein salär im guten sechsstelligen Bereich bekam. Als Manager sollte er für den neuen Arbeitgaber viel in Europa reisen. Nach drei Monaten blieb nichts ausser dem Gehalt übrig. Er saß beschäftigungslos und war ein gewöhnlicher IT-Fuzzie ( Konzepte schreiben, testen usw.). Er hatte schlicht die Intransparenz des Marktes aus ausgenutzt.
Die Aufgabe der Politik ist es also, die besten Voraussetzungen zu schaffen, damit sich beide Seiten finden und die Möglichkeit haben, ein objektives Bild über die Gegenseite zu bekommen.
So verstehe ich den Sinn und Zweck des Nobelpreises 2010 in der Ökonomie.
Jetzt folgen ein paar Links zu dem Thema:
Kurze Zusammenfassung
Zusammenstellung der bisherigen Nobelpreise seit 1970
http://www.wissen-news.de/nobelpreis-wirtschaft.php
Interview mit Peter Diamond
http://econ-www.mit.edu/files/1573
Their work resulted in the so-called Diamond-Mortensen-Pissarides model, a frequently used tool to estimate how unemployment benefits, interest rates, the efficiency of employment agencies and other factors can affect the labor market.
http://news.yahoo.com/s/ap/20101011/ap_on_bi_ge/nobel_economics
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Ein Kommentar zu “Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften 2010- wie ich es verstehe”