Ratschläge an EM-Touristen in Polen

Ratschläge für EM-Touristen in Polen

Der Spiegelartikel über die Benimmregeln „Knigge für EM-Touristen“ erschien zum richtigen Zeitpunkt. Damit aber hört das Positive auf. Denn der Inhalt enttäuscht. Nur alte Slogans (trinkfest müsse man sein und ähnlicher Unsinn). Und vor allem nichts Positives, Einladendes. Auch keine hilfreichen Ratschläge, die einem helfen, sich vor Ort zu Recht zu finden.

Deshalb lesen Sie es gar nicht! Stattdessen bitte den folgenden Beitrag ernst nehmen, wenn Sie die EM vor Ort erleben wollen. Übrigens arbeite ich zurzeit an einem Buch, welches das Thema Deutsche-Polen etwas genauer und analytischer unter die Lupe nimmt. Fragen und Anregungen sind willkommen!!!

Hier der wahre „Knigge“ für die EM-Touristen in Polen. Und einige hoffentlich brauchbare Tipps.

Der große Teil des geplanten Autobahnnetzes ist inzwischen fertig. Man überquert die Grenze, ohne es zu merken.  Die ersten  50 Kilometer hinter Görlitz sehen noch so aus, wie bei uns. Danach wird etwas schlechter, aber bei Weitem nicht so schlimm wie vor 25 Jahren.

1. Verkehrsregeln. Meistens gilt auf den Autobahnen 110 km/h. Aber keiner achtet darauf. Dass die Leute dennoch langsamer fahren, liegt eher an der Sparsamkeit, langsameren Autos und der fehlender Erfahrung mit hohen Geschwindigkeiten.  Es fällt auch auf, dass die Polen viel Respekt vor Autos mit deutschen Kfz-Kennzeichen haben.  Freie Fahrt  also für uns? Naja, solange man nicht erwischt wird. Die Kontrollen finden selten statt, trotz der vielen Hinweise auf die angeblichen Radaranlagen. Fahren Sie dennoch vorsichtig. Denn die polnischen Autobahnen sind voller verkannter Gefahren. Hier erscheint ohne Warnung eine Baustelle. Da mal ein Gegenstand, der nur bei viel Phantasie folgenlos mit Ihrem Auto zusammenknallen könnte. Ansonsten rechnen Sie mit hoher Volatilität bei der Anzahl der Raststätte und, WCs. Entweder fehlen diese oder kommen sie inflationär und überdimensioniert vor. Geld können Sie übrigens in sogenannten Kantoren wechseln. Tun Sie es dennoch nur, wenn es anders nicht geht. In großen Städten finden Sie stets Geldautomaten. Wenn diese noch von Ihrer Hausbank betrieben werden, etwa von der Deutschen, dann zahlen Sie nichts für den Umtausch, vom Spread mal abgesehen. Die Preise für den Kraftstoff sind etwas günstiger als bei uns.  Und noch eine wichtige Info – die Polen drängeln nicht! Das aggressive neurotische  Verhalten  gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern kenne ich ohnehin nur aus Deutschland.

  1. Sprache

Na also. Bei meinem letzten Besuch höre ich im Radio, dass nun die Bahnangestellten im Crashkurs Englisch lernen werden. In der Tat eine sinnvolle Maßnahme. Die meisten Polen der Generation 40+ sprechen kaum Fremdsprachen.  Russisch haben sie leider in ihren Schuljahren gelernt. Englisch nur halbherzig, später. Deutsch nur in Ausnahmefällen. Deutsche Sprache bleibt bei unseren Nachbarn unbeliebt. Zu stark sind die Assoziationen  mit den Nazis, Preußen Kreuzrittern  und anderen bösen Deutschen.   Unsere Sprache gilt außerdem als schwierig, und  klingt sehr fremd.  Bei jungen Menschen kann man dennoch vom passablen Englisch ausgehen.

  1. Öffentliche Verkehrsmittel

Sie sind günstig und zuverlässig. Erwarten Sie trotzdem nicht immer einen freundlichen Fahrer.

  1. Alkohol

Er kostet meist mehr als bei uns. Das Bier ist oft süß und stark. Die Polen trinken nicht jeden Tag, wie viele Deutsche. Dafür trinken sie aber richtig. Im Schnitt kommt also ein Pole auf eine vergleichbare Alkoholmenge im Jahr wie ein Deutscher. Wenn Sie also z.B. Ihrem Gastgeber anbieten, mal zusammen Bier zu trinken, dann wird er möglicherweise absagen, weil er nicht unbedingt mit nur einem Bier rechnet.

  1. Unterkünfte

Ein Mangel. Die Großstädte verfügen zwar über völlig überteuerte Hotels, in denen es fast wie Frankfurter oder Londoner  Domizilen aussieht. Die niedrigere Kategorie ist rar.

Tipp – immer vorher anrufen und Übernachtung reservieren und nicht erst vor Ort suchen. Sie  müssen Sie stets zwischen den Polen als Hotelangestellte und Polen als Gastgeber unterscheiden. Die Ersten sind leider manchmal nur aufgesetzt gastfreundlich. Die meisten Polen sind als Privatpersonen sehr gastfreundlich und im Gegensatz zu den Deutschen unkompliziert. Sie müssen also nicht den Nachbar fürchten, wenn Sie etwas lauter nachts werden.

  1. Frau Mann

Seien Sie nicht erschrocken. In Polen werden Sie sehr viele schlanke hübsche Frauen mit sehr knappen Röcken sehen. Das hat nichts zu sagen, außer dass sie ihrer Weiblichkeit mehr als manche andere Europäer betonen. Höfflich sein, Vortritt vorlassen gehört in Polen einfach dazu. Mit dem Handkuss ist es nicht ganz so, wie der Spiegel schreibt. Ja, man kennt es, aber die meisten reichen nur die Hand bzw. umarmen sich  dreimal Küsschen geben nicht vergessen!)

  1. Gespräche

Die Polen reden gerne über die Welt. Aber erstens Religion ist immer noch ein Tabu. Der durchschnittliche Pole, egal welchen Alters, Bildung und mit welchen Vermögensverhältnissen auch immer, wird wohl katholisch sein und geht regelmäßig in die Kirche. Seien Sie also vorsichtig. Zweitens über Russen wird ungerne und sehr zurückhaltend gesprochen. Mit den folgenden Ausländern haben die Polen grundsätzlich kein Problem: Ungarn,  Slowaken, Italienern, US-Amerikanern, Griechen, Japanern und auch mit den Arabern. Da können Sie auch politisch inkorrekt scherzen. Fußball ist zwar beliebt, hat aber lange nicht den gleichen Kultstatus wie bei uns.

  1. Familie

Familie hat für die Polen immer noch die größte Bedeutung, und kommt noch vor dem beruflichen oder finanziellen Erfolg. Kinder haben ist nicht wie bei uns eine Alternative, sondern selbstverständlich.

  1. Zu Gast sein

Wenn man Sie nach dem Nachschlag fragt, dann ist es höfflich, sich vorerst zu bedanken und absagen. Meist kommt eine Nachfrage. Dann können Sie immer noch zusagen.

Und überhaupt, lassen Sie sich niemals durch eine oft mürriscche und  gleichgültige Haltung der polnischen Angestellten abschrecken. Oft reich ein persönliches Wort und schon tauen sie auf. Manchmal ist man zu ehrlich, um freundlich zu sein und manchmal umgekehrt.

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Kommentare

  • gmarg  On Mai 27, 2012 at 7:23 pm

    Achtung Biltzer, auf der A2 aus Polen kommend. Da ist 40 wer dort durchhämmert, fährt bei nicht vorhandenen Geld mit Geleit zum Automaten. Unbedingt drauf achten. Da stehen sie immer. Allgemein bei 40 auf Autobahn immer 40 fahren. Spreche aus Erfahrung 😉

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