Was bedeuten negative Zinsen?

Negative Zinsen – was tun

Geht es in den Finanzmärkten weiter so wie bisher, dann werden demnächst die als das Horrorszenario  gerne gemalten negativen Zinsen Realität. Laut der FAZ vom Samstag liegt die Rendite für die zweijährige Schuldanweisung bereits unter null. Die Zehnjährige wird spätestens dann folgen, wenn der Bund Future über 160 steht.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Zustand auch länger anhalten wird. Ein Kreditnehmer wird also unter Umständen Zinszahlungen bekommen, dafür aber muss er für sein Tagesgeld zahlen.

Ein bizarres Szenario! Warum fallen die Zinsen. Die Antwort ist auf den ersten Blick einfach. Weil viele Großinvestoren deutsche Anleihen kaufen, koste es was es wolle. Andererseits ist diese Hausse  durch Käufe der europäischen Zentralbanken zumindest verstärkt wenn auch nicht sogar ausgelöst worden.

Dieser fragwürden Entwicklung könnte eine Verstärkte Nachfrage nach Geld in der Realwirtschaft entgegensteuern. Dies passiert aber nicht Warum? Erstens zögern Banken mit der Kreditvergabe. Verschärfte regulatorische Anforderungen an das Eigenkapital (Basel) zwingen die Kreditinstitute zur Vorsicht bei neuen Engagements. Zweitens scheint auch die Nachfrage nach Geld nicht drastisch zugenommen zu haben.

Was mich jedoch besonders interessiert, ist die Nachfrage nach Baukrediten. In meiner Nachbarschaft besteht seit 2006 ein neues Baugebiet. Es hat fast 5 Jahre gedauert, bis die Hälfte aller Grundstücke verkauft war. Nun wurden 30% innerhalb eines Jahres veräußert. Ich frage mich, ob es vielleicht an den tiefen Zinsen liege. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sagen jedoch etwas anders. Demnach ist zwar die Anzahl der Baugenehmigungen seit 2006 signifikant gestiegen. Sie hat jedoch die analoge Zahl aus dem Jahre 2003 bei weitem nicht übertroffen, wie unter folgendem Link des Bundesamtes zu sehen ist.

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bauen/Querschnitt/Bauwirtschaft1020210121024.pdf?__blob=publicationFile

Folgender Link von Statista zeigt den Trend deutlich

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/73432/umfrage/baugenehmigungen-fuer-wohnungen-in-deutschland/

Und wir sind noch gute 50% von den Zahlen der späten 1990er entfernt!

Unfassbar, oder? Damals lagen die Bauzinsen bei über 6% und galten als günstig.

Mit anderen Worten ist die Nachfrage immer noch sehr schwach, wenn man bedenkt, dass die Bauzinsen für einen fünfjährigen Kredit bald unter 1% liegen werden.

Offensichtlich hat sich manches in der Gesellschaft verändert. Die Menschen legen nicht so viel Wert auf das Eigentum wie auf die persönliche Flexibilität, die uns von der globalisierten und pragmatisch –asiatischen Arbeitswelt aufgezwungen worden ist.

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