Stillhaltergeschäfte und Bernoullis Irrtum

Stillhaltergeschäfte und Bernoullis Irrtum

Als Urlaubslektüre habe ich mir diesmal das Werk von Daniel Kahneman „Langsames Denken, Schnelles Denken“ genehmigt. Und ich bereute es nicht.  Daniel Kahneman, ein Psychologe,  ist 2002  mit dem Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden.

Um Psychologie, kognitive Verzerrungen, intuitives Denken und die neue Entscheidungstheorie geht es auch in diesem recht anspruchsvollen Buch, das auch zu den Bestsellern zählt.

Ich will hier jedoch nur auf einen interessanten Aspekt eingehen, welcher auch für einen Optionshändler von Bedeutung ist.

In mehreren Kapiteln geht es zum Beispiel um den berühmten Aufsatz Bernoullis zu dem Entscheidungsprozess bei den Menschen. Grundsätzlich sind die Menschen scheu und entscheiden nach dem Prinzip des erwarteten Nutzens und nicht nach dem Erwartungswert. Der psychologische Wert ist alles. Deswegen geben arme Leute reichen Leuten Geld für Versicherungen.

Oder  anders gesagt ist für die Entscheidung stets der Referenzwert wichtig. Wie viel  Vermögen hatte ich zum Zeitpunkt der Entscheidung. Jemand mit 1000 Euro wird sicherlich einen Gewinn von 1000 Euro anders bewerten als jemand mit 1.000.000 Euro.

OK, für den Rest empfehle ich das Buch (bitte bei Amazon meinen Namen unbedingt nennen).

Wann war ich denn als Optionshändler erfolgreich?

Ich habe die letzten Jahre analysiert und stellte tatsächlich eine Übereinstimmung mit der Behauptung von Kahneman. Nämlich, ich habe immer in den Phasen viel Geld verdient, wenn ich selbst relativ hohe Bestände an freien liquiden Mitteln hatte. Das war vor dem Kauf meiner ersten Wohnung, und vor dem Hauskauf sowie als Berufsanfänger ohne Kinder.

Dagegen war ich in den Phasen ohne viel Liqui bzw. nach dem kreditfinanzierten Immobilienkauf eher erfolglos.

Die Ursache ist mir klar geworden. In allen Fällen hatte ich offenbar gleich hohe Gewinnerwartungen. Somit ging ich stets gleich hohe Risiken ein. Diese aber hatten einen ganz anderen psychologischen Wert, wenn ich wenig Geld auf dem Konto hatte als umgekehrt. Deshalb beendete ich die Verlusttrades viel früher im ersten Fall und nahm auch gerne kleine Gewinne mit. Ich produzierte  Kosten und sonst nichts. Dagegen mit mehr Geld auf dem Konto blieb ich lange gelassen.

Was folgt daraus. Zuerst einfach die Gewinnerwartungen auf das verfügbare Vermögen reduzieren. Erwartete ich mit 30.000 Euro etwa 800 im Monat, so sind es bei 10.000 maximal 250 Euro und bei 500 vielleicht 150 Euro. Kommen noch Gebühren für 10 Trades hinzu, dann lohnt sich das Geschäft bei dieser Vermögensgröße nicht mehr.

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