Optionen mit Strangles – Rückblick auf eigene Erfahrungen

Eine besondere Strategie im Optionshandel verfolgt mich seit fast zwei Jahrzehnten. Ich habe in diesem Jahrhundert viele Strategien, taktische Lösungen, und programmierte Regelwerke für privates Optionsinvestment angewandt. Strangles – der gleichzeitige Kauf oder Verkauf von Call und Put mit gleicher Laufzeit und in einem ähnlichen Abstand der Strikes vom aktuellen Preis – ist eine von ihnen. Und irgendwie liebe ich sie am meisten. Die größten Gewinne und Verluste kamen durch die Anwendung der Strangles auf Indexoptionen zustande. Obwohl ich inzwischen meistens andere profitablere Techniken einsetze, schlägt mein Herz immer noch für Strangles.

Warum? Hm, wahrscheinlich weil ich die stärksten Emotionen damit verbinde.

Zu den größten Gewinnen gehört mein Corona-Deal mit DAX-Indexoptionen. Ich war im März 2020 mit einigen Put-Optionen short. Nun sah ich, was sich anbahnt und dass ich womöglich eine große Chance verpasse. Ich kaufte einfach DAX-Puts und Calls, die noch halbwegs einen normalen Preis hatten, also nicht zu nahe am Geld. Danach ging es los. Es wurden in den ersten drei tagen fast 8.000 Reingewinn realisiert. Ähnliche Erlebnisse gab es schon früher, auch mit Aktienoptionen. Immer wieder zeigt sich, dass wenn Sie Optionen in beide Richtungen nicht zum schlechtesten Zeitpunkt kaufen, dann werden Sie nur selten einen Verlust erzielen. Natürlich gibt es Rahmenbedingungen, Laufzeit, Liquidität, Dividenden usw. Aber es wird sich eher lohnen, wenn:

  • Sie nicht Puts mitten im Crash kaufen
  • Die Restlaufzeit ist nicht kleine 20 Tage
  • Sie den Gewinn bringen, sobald er einen festen Betrag übersteigt.

Trotz der Gewinne mit dem Kauf von Strangles hat mich die Stillhaltervariante – der Verkauf von Strangles am meisten beschäftigt. Der Mensch träumt von kostenloser Sicherheit. Regelmäßiges Einkommen aus dem Optionshandel, ohne viel Risiko – das war doch der Reiz. Dieser Illusion war ich einst 2007 verfallen, ohne eine Ahnung zu haben, was ich da tue. Ich verkaufte zum Teil 10 Puts und Calls, bei einer Kapitaldeckung von 15.000 Euro. So gab es täglich Anrufe vom Broker. Zeitweise ging es gut ( „Projekt 1 Million“). Ich wollte ursprünglich getestete leg mit Futures hedgen. Diese Idee oft als Gamma-Scalping genannt ist werde neu noch grundsätzlich immer profitabel. Auch damit hatte ich jedoch keine Erfahrungen.

Es lief gut bis zum jenen Donnerstag im Oktober 2008. Am nächsten Morgen erreichte der DAX seinen tiefsten Kurs in der Finanzkrise. Ich war die Put-Kontrakte los und zwar zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Ab jenem Tag ging es nur noch aufwärts.

Ich habe seitdem vieles gelernt, vor allem, wie man auf Dauer im Geschäft bleibt und am Jahresende eine positive Rendite erzielt.

Der Verkauf von Strangles kann durchaus profitabel sein. Nicht jedoch, wenn die Positionen mechanisch jeden Monat einfach eröffnet werden, in Erwartung eines regelmäßigen Einkommens. Zwar sind die Puts die mehr befürchteten Zeitbomben, aber für mich waren die Calls auf der Shortseite fast immer das größere Problem.

Die Calls sind tendenziell günstiger als Puts, man sieht es an der Strukturkurve der Volatilität, und das macht sie für den Stillhalter eigentlich ungeeignet. Durch das hohe Gamma der Position besteht eine weitere Gefahr, wenn kleine Rallies auftreten. Das Rollen der Calls in einer Rally ist völlig unbrauchbar. Anders als bei Puts, die in einem Abwärtstrend über alle Serien zulegen, steigen die Call-Preis sehr selektiv. Die atm Calls steigen extrem schnell an, die otm eher zögerlich. Die Preise spiegeln die Risikoeinschätzung des Marktes wider. Wenn Sie Calls nach oben rollen, dann verschenken Sie viel Zeitwert, weil Sie oft weit in die Zukunft gehen müssen, um die gleiche Prämie einzunehmen. Es lohnt sich einfach nicht. Es gibt sicherlich bessere Strategien für einen Markt mit fallender Vola.

Heute verfolgt mich dennoch der Gedanke, mit den Strangles anzufangen und zwar in einer etwas risikoärmeren Varianten als Iron Condor, das heißt mit einer Absicherung …

Darüber existieren zahlreiche Publikationen. Sie sichern den verkauften Strangle durch den kauf von Call und Put weiter au dem Geld. Somit wird zumindest der Maximalverlust festgelegt. Das Charmante dabei ist die Tatsache, dass man viel weniger Margin beansprucht und stets auf einen beliebigen Monat rollen kann.

Damit fahre ich am besten. Aber ja, der Traum, mal wieder nackt zu verkaufen steckt in mir. Ich weiß aber inzwischen, dass die statistischen Untersuchungen (Quelle auf Nachfrage) eindeutig zeigten, dass:

  • Der Verkauf von nackten Strangles weit weniger profitabel ist, als der Verkauf von nackten Straddles.- Optionen zum gleichen Strike.
  • Der Zeitpunkt spielt natürlich eine große Rolle, Sie müssen auf Ihren Vorteil achten. Dazu habe ich selbst das Variance Risk Premium System begonnen und ich arbeite weiter daran.

Es bleibt also beim Traum, zumal ich sehe, dass meine long Stragles doch wieder einen schönen Pfingstertrag generieren.

Veröffentlicht von Option_Basil

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