Warum Cash Secured Puts und WHEEL nichts bringen

Heute geht es um meine Einschätzung einer der beliebtesten und als sicher geltenden Optionsstrategie – Cash Secured Puts (CSP) bzw. ihrer Modifikation WHEEL. Sie besteht einfach ausgedrückt aus folgenden Schritten:

  • Zuerst werden Puts aus dem Geld auf eine Aktie leerverkauft.
  • Auf dem Verrechnungskonto liegt bereits der Betrag, der notwendig wäre, die eventuell angedienten Aktien zu kaufen.
  • Am Ende der Periode gibt es zwei Möglichkeiten, Entweder verfallen die Puts wertlos und man wird um die Prämie reicher. Oder der Aktienkuss liegt unterhalb des Basiswerts der verkauften Puts und wir bekommen die Aktien ins Depot. Ab dem Moment verabschiede ich mich von Optionen und bin ein Aktieninvestor. In der Variante WHEEL (Rad) passiert zusätzlich Folgendes:
  • Im zweiten Fall verkaufen wir gleich Covered Calls und vielleicht noch einmal Puts oder nicht.
  • Steigt der Aktienpreis dann über dem Strike der Covered Calls, verkaufen wir die Aktien durch die Ausübung. Fällt der Preis, dann lassen wir die Calls verfallen und wir verkaufen neue Covered Calls.

Details sind unter

Optionsstrategien (Übersicht) + Erklärung [Ratgeber] (fomo-finance.com)

zu finden, wo auch viele andere Strategien gut beschrieben sind,

Alles klingt einfach und vor allem ist unser Einsatz für Anpassungen während der Laufzeit kaum nötig. Man wartet halt auf das Ende der Periode, der perfekte Job für einen Stillhalter.

Es ist leider zu einfach, um wahr zu sein. Der Schlüssel liegt im Wort „Covered“. Dazu später mehr.

Ich höre jetzt schon Euren lauten Widerspruch. Die Community der Freunde dieser Strategien um CSP und Wheel ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Ich bin bekanntlich in diversen Foren präsent, eher passiv aber sichtbar. Ob in FB , TW oder wo auch immer außer INSTA, meistens drehen sich die Diskussionen um die Börse und dort in der Regel mit dem Schwerpunkt Optionshandel. Deutsche sind bodenständig und glauben an Immobilien sowie an solide dividenenstarke Aktien, Sie wollen keine Spekulanten sondern Investoren sein. Die mühsame Suche nach einem Vorteil im Markt ist ihnen gleichermaßen zuwider wie das Glücksspiel.

Deshalb werden solche angeblich renditesicheren Strategien angepriesen.

Ich selbst setze CSP nicht ein, Und zwar aus einem einfachen Grund, den ich hier erläutern will.

Dazu eine einfache Kalkulation.

Nehmen wir die Aktie der Deutschen Telekom.

Aktueller Kurs 17,4

Strike Oktober Put 16,8

Prämie 0,22 Euro

Angenommen wir wollen Liquidität für 10 Kontrakte sprich 1000 Aktien vorhalten.Es liegen demnach 16800 Euro auf dem Konto

Betrachten wir das beste Szenario.

Wir gewinnen stets die Prämie weil der Schlusskurs zum Verfall immer oberhalb des Strikes liegt.

Im Oktober sind es 0,22. Danach ändert sich der Kurs in den folgenden 12 Monaten nicht und wir immer 0,31 Euro pro Periode verdienen. Im Oktober sind es nur noch 3 Wochen deshalb ist die Prämie etwas kleiner. Die Dividende und die damit verbundene Korrektur lasse ich erst einmal ungeachtet.

Das Ergebnis nach einem Jahr

0,22 + 11*0,31 Euro = 3,62 Euro pro Aktie. Umgerechnet sind es 3620 Euro . Die Transaktionsgebühren betragen ca. 300 Euro.

Es sind also 3320 Euro, die hier im besten Fall zu verdienen sind

Das entspricht ca. 20% p. a. Das ist nicht schlecht aber äußerst unwahrscheinlich. Denn das Delta beträgt ca. 30% und das liegt nicht weit von der erwarteten Ausübungswahrscheinlichkeit.

In drei Fällen werden wir also das Geld nicht verdienen, sondern müssen auf den nächsten Monat rollen. Somit müssten wir ca. 1100 Euro erwarten und sind dann bei

6% p.a.

Lohnt sich aber das Geschäft, was viele Risiken enthält, überhaupt noch? Die Zinsen für risikofreie Anlagen (Tagesgeld) sind inzwischen deutlich gestiegen und fast konkurrenzfähig.

Wir können das Risiko etwas senken, indem wir auf einen niedrigeren Strike gehen.

Zum Beispiel 16. Hier beträgt die Prämie 0,1 und Delta 0,12

grob geschätzt sind betragen die Einnahmen 1000 Euro im Jahr. Bei einem Ausfall sind es sogar weniger.

Auch so sind mit dieser Strategie gerade 4-6% im Jahr zu erzielen.

Wir sprachen gerade vom besten Szenario. Komplizierter wird es, wenn wir die Aktie tatsächlich erwarben und deren Kurs weiter fällt. Für solche Entwicklungen kann man durchaus vorsorgen, indem man Absicherungen kauft. Diese reduzieren zwar die Rendite auf den ersten Blick deutlich. Aber, so meine Erfahrung langfristig zahlt sie sich aus.Insbesondere wenn ich vorhabe, die Aktie zu halten und darauf Calls zu verkaufen, also die WHEEL-Methode anzuwenden. Diese Kombination wird in einer Variante auch als Corral bezeichnet. Ich kaufe Aktie, schreibe Calls und kaufe protective Put.

Zusammenfassung und Pointe

Cash Secured Puts bringt eine recht bescheidene Rendite, wenn ich solide nicht zu volatile Aktien veroptioniere. Unter besten Bedingungen sind es weniger als 10% p. a. Ich habe hier allerdings nicht den Fall betrachtet dass ich die Aktie behalte, sondern dass ich entweder die WHEEL Methode anwende oder vorher die Optionen rolle.

Der eigentliche Grund für die bescheidene relative Rendite ist der hohe Cash-Betrag, den ich hinterlegen muss.

Der Kerngedanke des Optionshandels ist eine Spekulation auf Kredit über eine Margin-Besicherung. In unserem Falle würde es bedeuten, dass nur ein fünftel der Gesamtsumme zur Besicherung des Optionsgeschäfts benötigt wird. Auf dem Konto sind es dann 3360 Euro. Bezogen auf diese Besicherung hätten wir ca. 30% im Jahr gemacht.

Das ist die Realität. Die meisten Amateure im Optionshandel setzen offenbar auf die Hebelwirkung des kreditfinanzierten Geschäfts und können so hohe Renditen erzielen, Aber bereits 1-3 Verluste im Jahr können einen großen Teil der Margin auffressen und Dich aus dem Handel auswerfen.

Es war eine interessante Erkenntnis jenseits der Charttechnik und der finanzmathematischen Überlegungen über einen Vorteil im Markt oder nicht.