Rally oder Absturz? Wahrscheinlich etwas dazwischen. Stillhalterportfolio

 

Turbulente zwei Wochen liegen hinter uns. Es kam ein wenig wie erwartet. Die Nervosität vor der US-Wahl stieg auf über 40% gemessen an den gängigen Volatilitätsindizes. Danach begann ihr schneller Absturz. Nun steht sie mit 23% etwa an der unteren Begrenzung der Corona-Range. Zu Deutsch – alles beim Alten. Die Nervosität ist offenbar nicht ganz verschwunden. Viele gute Nachrichten hörte man in den letzten Tagen. Ob der Biontech-Impfstoff oder insgesamt positive makroökonomische Daten, sogar waren die Unternehmensdaten besser als oft erwartet. Den Markt hat das kaum beeinflusst. Die US-Wahl gilt inzwischen als erledigt und im Markt verarbeitet, obwohl hier eine gewisse Unsicherheit in der Luft schwebt.

Ja, die Rally könnte jetzt beginnen, wie von mir avisiert. Sie zögert.

Und es wird sich bis zum nächsten Freitag, an welchem der großer Verfall an der EUREX erwartet wird, nicht viel ändern. Denn die Open Interests der offenen Call-Kontrakte sind zwischen 13000-13200 am stärksten verdichtet. Die Börsianer rechnen also nicht mit einem DAX deutliche darüber. Oder besser gesagt werden sie mit anderen Instrumenten nachhelfen, wenn er versucht auszureißen.

Für die Puts gilt eine ähnliche Regel im Bereich um 12500.

Die Charts sagen wenig aus. Das Hoch der Corona-Rally im September bei 13500 liegt noch recht weit. Eine etwaige Korrektur würde den DAX bis auf 12000 drücken. Aber der Markt wird wahrscheinlich das tun, was er immer tut. Er wird die meisten Erwartungen enttäuschen, das heißt nichts tun, mit leich steigender Tendenz.

Das Letztere gefällt mir, da ich gerne Stillhalter in DAX-Optionen bin. Mein Stillhalterportfolio läuft auf ein gutes Resultat hinaus. Dieses ist jedoch etwas durch die SAP getrübt. Ich werde hier wohl einen recht großen Verlust hinnehmen müssen. Vermutlich werden ich die Put Option auf einen späteren Monat rollen. Oder ich erwerbe die Aktien und schreibe Calls.

Die anderen Positionen laufen gut. Bei der Telekom eröffnete ich bereits einen Diagonalen Spread Dez/März. Und ich eröffnete eine neue Position in der Aktienoption von Total SA, analog als Diagonal-Spread. Ich will den günstigen Ölpreis ausnutzen.

Fast alle restigen Positionen werde ich auf 2021 rollen.

Die Tetsphase der Musterportfolien läuft noch bis Ende 2020. Danach wird entweder einen kostenpflichtigen Brief geben oder etwas anderes. Ich werde voraussichtlich ein positves Resümme ziehen. Bisher ist das Ergebnis gemessen am Risiko sehr gut. Einzelne Verluste verändern nicht das Gesamtbild.

Etwas kritischer muss ich wohl das Black-Swan-Portfolio hinterfragen. Zwar werde ich auch hier mit einem Gewinn herauskommen. Dieser ist aber in erster Linie auf hohe Gewinne im Corona-Crash zurückzuführen. Der Hedge-Aufwand steht vielleicht im ungünstigen Verhältnis zum Profit.

 

 

Steht die große Korrektur bevor? Versuch einer Elliott Analyse

Nun ist das passiert, womit wenige rechneten. Das Szenario nach der US-Wahlen entspricht der Erwartung der wenigsten von uns. Wie immer an der Börse passiert das Unerwartete. Ich rechnete zwar mit einem Unentschieden, erwartete dennoch eine andere Reaktion der Märkte. In den Prognosen gab es entweder steil hoch oder rasant nach unten. Und nun? Die Indizes sind zwar gut gestiegen. Immerhin 1000 Punkte innerhalb einer Woche. Aber sollte das nicht die Reaktion auf den Sieg Trumps sein, mit welchem man bereits nach der Wahlnacht nicht mehr rechnen konnte.

Sollte es nicht heftige Reaktion auf eine Zitterpartie bzw. den Sieg Bidens geben?

Alles kommt immer anders. Ich habe in diesem Blog schob öfter darauf hingewiesen, weiß aber nicht, wie ich aus dieser Erkenntnis Kohle machen kann.

Die Volatilität fällt, sie ist aber nicht zusammengebrochen, wie schon oft nach solchen Events. OK, sie sank in der Woche von 35% auf 25% gemessen am VSTOXX.

War’s das schon? Jetzt beginnt das alte Polittheater mit Diplomatie, undeutlichen Aussagen, mit der Untätigkeit und Vorsicht, etwas Falsches zu sagen. Abgesehen davon ist bald der neue Präsident fast 80.

Aber zurück zu den Märkten, Ich schaute mir heute den DAX genauer an und bekam dabei ein sehr ungutes Gefühl.

Ich bin kein Chartist und halte Charts lediglich für eine kleine Hilfe, um die Stimmungen unter den Börsianer und ihren Computern einzuschätzen. Heute machte ich eine Ausnahme. Der Vergleich des aktuellen DAX-Verlaufs mit dem von 2018 machte mich unruhig. Das charttechnische Muster sieht sehr ähnlich aus. Bloß jetzt kommt es viel schlimmer als damals.

Ich verwendete die sog. Elliott-Wellen-Analyse. Um es vorweg zu nehmen, an alle Profis unter Euch, ich bin ein Laie in puncto Elliot-Wellen, kenne mich mit Details nicht aus. Aber ich habe das Prinzip verstanden.

Jede Bewegung verläuft in fünf Wellen. Drei sind Trendwellen und zwei Korrekturwellen. Die einzelnen Wellen enthalten eine ähnliche Substruktur und so weiter. Das Tief der dritten Welle muss im Abwärtstrend unterhalb des Tiefs der ersten Welle. Alle klar? Das wäre zu einfach, der springende Punkt ist die Zuordnung der Wellen. Hier versucht jeder seine Phantasie spielen zu lassen. Ich beschäftige mich deshalb seit Jahren mit dieser Methodik nicht mehr.

Aber heute machen wir eine Ausnahme. Unten im Chart habe ich die fünf Wellen im Jahr 2018 gemalt. Auf der Basis versuchte ich nun den aktuellen DAX-Verlauf in die Elliott-Wellen einzuordnen.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Es verläuft bisher so wie damals. Zuerst ein Hoch aller Zeiten. Danach ein Absturz, quasi aus dem Nichts, wie Anfangs 2018. Danach eine Erholung und dann ein richtiger Absturz.

Kommt es auch jetzt so? Demnach würden wir den DAX unter 8500 sehen und wenige Wochen später sogar noch einmal so tief. Damit rechnen wohl die wenigsten von uns. Was schrieb ich nochmal am Anfang…?

Mein Stillhalterportfolio hat sich sehr gut entwickelt, bis auf die SAP natürlich. Deisen Verlust muss ich wohl abschreiben. Das Black-Swan Portoflio brachte natürlich wenig, Ich verdiente etwas an verkauften Puts. Profitiert habe ich von spontan gekauften Calls. Diese sind aber nicht Bestandteil meines Berichts, weil sie durch kurzfristige Ereignisse gesteuert werden.