Schwarzer Montag und danach Erholung – meine Analyse

 

Aktuelle Stimmung

Gewagte Prognosen stelle ich nicht selten im Blog. Das wissen diejenigen, die mich seit 2007 lesen. Und es sind nicht weniger. Ich tue es, um vor allem den Blick des durchschnittlichen Börsenbeobachters zu schärfen, der auch gelegentlich in den Markt eingreift. Der aber weder über Spezialkenntnisse noch über Insiderwissen verfügt. Ich schreibe, was mir mein gesunder Menschenverstand sagt. Und ich beachte dabei die Grundregel. Versuche immer gegen den vorherrschenden Trend zu wetten. Denn die meisten Börsianer liegen falsch. Diejenigen die den meisten folgen, verlieren erst recht. Ich bin so menschlich wie die meisten und reagiere dementsprechend wie die anderen. Ich empfinde Angst und Gier und ich neige dazu, so zu handeln, wie die anderen. Der Unterschied ist jedoch, dass ich anderes handle, als meine Intuition mich zu täuschen versucht. Diese andere Meinung, die mich letzten Endes erfolgreich gemacht hat, lesen Sie oft in diesem Blog und deshalb klingt sie auch so befremdlich.

Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Seit Jahresanfang steigen die Märkte und die meisten von uns haben irgendwann angefangen, an den immer währenden Aufstieg der Märkte zu glauben. Allen Unsicherheiten und schlechteren Unternehmenszahlen zum Trotz. Und gegen den gesunden Menschenverstand, der sagt, auf Dauer wird eine durch Notenbanken getriebene Rally nicht laufen.

Nach und nach haben sie die Bären zurückgezogen. Die letzten Skeptiker unter den Hedgefonds Manager wechselten die Seiten. Und die Volatilität war am Boden.

DAX und Charts

Gerade dann schien sich etwas im Markt getan zu haben, was der breiten Öffentlichkeit völlig entgangen ist. Nämlich, dass seit Anfang Mai die Märkte im Abwärtstrend sind. Und das Ende ist nicht absehbar. Nach kurzen Erholungen sackt der DAX wieder ab.

Im Chart unten haben ich die aktuelle Situation dargestellt. Kurzfristig kann es durchaus zur Erholung kommen, da die Bollinger Bänder von unten angefasst worden sind und das wird oft als Wende interpretiert. Aber Vorsicht, es kann noch 1-2 schlechte Tage geben. Deshalb habe ich vom schwarzen Montag im Titel gesprochen. Die anderen Indikatoren sind negativ. Der MACD eindeutig im Baisse – Modus. Zwei DOWN-Gaps sprechen für sich.

Insgesamt wird sich in den nächsten Tagen einiges entscheiden. Erstens, war der Anstieg seit Januar lediglich die Korrektur des Abschwungs Es ist denkbar, weil die maximale Fibonacci-Korrektur nicht überschritten worden ist. Das würde bedeuten, dass die DAX-Hochs von 13600 zu Beginn 2018 den Beginn der Baisse markieren.

Denkbar ist auch, dass wie seit Januar 2019 eine neue Aufwärtswelle haben, die nun korrigiert wird. Dann gäbe es noch Potenzial bis auf 11.000. Sollte der DAX unter 11000 fallen, dann sieht es schlecht aus und dies würde heißen, dass eben die Aufwärtsbewegung seit Januar bis Mai lediglich eine Gegenbewegung der Abwärtswelle im 2018 wäre.

Und umgekehrt, sollte der DAX über 12500 steigen, dann ist der Aufwärtstrend im Jahr 2018 komplett korrigiert und der Weg zu 13600 ist wieder frei.

Im zweiten Chart habe ich auch die historische Volatilität eingefügt und die Standardabweichung. Dort sehe ich seltsames Verhalten. Jedenfalls scheint der große Krach noch bevor stehen. Die Schwankungen haben noch lange den Höhepunkt nicht erreicht.

Indikation aus dem Optionshandel – Open Interest

Mein Spezialthema seit Jahren ist die Analyse der offenen Optionspositionen an der Deutschen Terminbörse EUREX. Daraus lässt sich mit etwas Erfahrung einiges auf die Stimmung im Markt schließen. Die Interpretation ist nicht immer trivial. So wie jetzt.

Unten sehen wir die Verteilung der Calls im Juni und im zweiten Bild sind es die Puts im Juni.

Ihc habe die Verteilungen im gestenr und vor einer Woche verglichen.

Was sehen wir dort?

Bei Calls scheint der Optimismus nicht wirklich nachgegeben zu haben. Die meisten offenenen Kontrakte liegen bei 12800 und 13000 und mittlerweile auch bei 12500. Gegenüber der letzten Woche hat sich kaum etwas geändert. Keine Verschiebung nach unten.

Die Puts sind relativ beliebig verteilt. Die Schwerpunkte liegen bei 11500, 11000, 10500 und auch darunter. Hier ist eine kleine Verschiebung nach unten zu beobachten aber eigentlich auch kaum.

Anscheinend hat die aktuelle Lage die Händler nicht wirklich beeinflusst.

Zusammenfassung

Zwischen 11000 und 12500 liegt das Niemandsland. Darunter sind wir in der Baisse und darüber winken die alten Hochs im DAX.

Der DAX befindet sich im Abwärtstrend. Es herrscht immer noch zu viel Optimismus. Deshalb ist ein kurzer aber heftiger Ausverkauf möglich und danach eine Erholung, die ebenfalls heftig ausfallen könnte. Und danach sehen wir es weiter. Den Beginn einer langen Abwärtswelle kann niemand ausschließen, da jedoch die Zinsen faktisch gleich Null sind, haben die Anleger weiterhin keine Optionen mehr.

So war also der Mai, der wahrscheinlich, wie schont oft, eine gute Gelegenheit zum Kauf geboten hat.

 

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DAX_Call_OI

 

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Europawahl und Märkte – alles Quatsch

 

Und es geht wieder los. Mit der Hoffnung, dass die morgen bevorstehende Europawahl Bewegung in die Märkte bringt. Zeitungen wie die FAZ übertreffen sich in Statistiken, wie es damals war. Die heutige FAZ stellt in ihrem Finanzen-Teil die Ergebnisse der Auswertung seit 1999 in Bezug auf die Auswirkung der Europawahlen auf die Märkte. Ergebnis – natürlich gäbe es eine langfristige Korrelation. Wie kann man einen solchen Schwachsinn schreiben?

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/wie-wirkt-sich-die-europawahl-auf-die-maerkte-aus-16204782.html

Im Jahr 1999 war bereits die Überhitzung der seit 1982 andauernden Rally zu spüren. In 2009 haben sich die Märkte angefangen zu erholen. Und in 2014 passierte einfach wenig. Das, was in den ersten 6 Monaten nach der Wahl geschah, war nur durch die Gesamtlage an den Märkten bestimmt.

Außerdem entscheidet wie immer die Stimmung des US und asiatischen Kapitals über alles. Was soll denn in der EU passieren, was die Wirtschaft nachträglich nach den Wahlen beeinträchtigen könnte? Nothing! Keine der ernstzunehmenden Parteien will einen Systemwechsel. Und nur das könnte die Märkte nach unten schicken. So viel zum Thema.

Der DAX bleibt im Wartemodus, bevor er wahrscheinlich in den kommenden Tagen ausbrechen wird. Aber wohin? Naja, genau weiß ich es nicht, ich tippe nach oben, weil es die meisten erwarten und weil inzwischen die Bären unter uns langsam die Lager wechseln und fangen an, auf steigende Kurse zu wetten.

Die Charts sprechen aber eine andere Sprache. Der MSACD ist angeschlagen und die Volatilität nicht wirklich gesunken.

An der EUREx hart keine signifikante Verschiebung. Nach wie vor wetten die meisten auf einen DAX zwischen 12800-13000 zum Juniverfall, was mich wundert, denn das würde einen Anstieg um fast 800 Punkte in 4 Wochen bedeuten. Man erkennt dennoch etwas mehr Pessimismus. Der Strike 12500 wird bei den Open Interest immer mehr besetzt. Es wird demnach rein rechnerisch mit einem Kurs bei 12500 immer mehr gerechnet. Und es werden immer mehr Puts gekauft. Das Put/Call Verhältnis wird immer gerne und immer widersprüchlich zitiert. Denn was heißt das schon? Puts werden gekauft, weil sie günstiger werden und weil man im Falle einer Korrektur profitieren will. Aber das kann man auch als einen bullischen Indikator interpretieren. Viele gekaufte Puts das bedeutet, wenn sich eine Korrektur anbahnt, werden keine Puts mehr gekauft, ihre Preise steigen nicht, und die Korrektur ist gleich zu Ende. Alles also ist unklar.

Um zusammenzufassen, ich rechne mir mehr Bewegung aber mit einem relevanten Einfluss der Wahl auf die Märkte, lasse mich trotzdem gerne überraschen!

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