Das Jahr beginnt mit der Hoffnung auf den großen Schwarzen Schwan

 

Das Besondere an der Börse ist ihre Eigenschaft, stets die Richtung zu wählen, dass möglichst viele Marktteilnehmer enttäuscht werden. Das berühmte „Minority Game“ scheint das einzige Dogma zu sein, welches über Jahrhunderte überdauert hat.

So bestimmt diese Faustregel auch das Geschehen an den Märkten seit Jahresbeginn. Objektiv gesehen müsste man nur das Beste für 2020 erwarten. Das Jahr begann mit einem fulminanten Sprung im DAX auf über 13418, was aber das Hoch vom Dezember nicht übertraf. Der DAX bleibt also seit November im Bereich 12800-13400 wie ich mehrmals schrieb. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht das Unberechenbare. Dass die Lage im Nahen Osten eskalieren kann, stand bereits seit Wochen fest, spätestens seit den Angriff auf die US-Botschaft. Trotzdem tröstete sich man, dass auch diesmal passiere nichts. Nun kommt es offenbar zu Blutrache. Erstaunlicherweise wird die deutsche Öffentlichkeit kaum über das Geschehen im Nahen Osten objektiv informiert, so dass sie nicht in der Lage ist zu beurteilen, wer wegen was angegriffen wurde. Ich bin mich auch sicher die meisten Deutschen werden auch nicht wissen, warum Iran im Irak angegriffen werden sollte. Dafür muss man etwas mehr über die politischen Strukturen und die Zusammensetzung der dortigen Koalitionen wissen, Diese Nachrichten werden in den deutschen Medien kaum vermitteln. Stattdessen Tratsch und Klatsch…

Ein Kombination aus extremer niedrigen Volatilität und eine politischen Unsicherheit kann durchaus für den Ausverkauf auf den Börsen sorgen. Wird sie das auch diesmal tun?

Ich wage es zu bezweifeln. Zwar wird die Volatilität zuerst höher bleiben, an einen starken Rückgang des DAX glaube ich im Moment nicht. Mir scheint die aktuelle Entwicklung das Wunschszenario vieler zu sein, und wird deshalb nicht in Erfüllung gehen.

Ich schaue wie immer in einer solchen Situation zuerst auf den Optionsmarkt an d er Deutschen Terminbörse EUREX,

https://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/100!onlineStats?productGroupId=13394&productId=70044&viewType=3&cp=Put&month=03&year=2020&busDate=20200103

und betrachtete dort das Put-Call Verhältnis und die offenen Kontrakte sowie die Implizite Volatilität (Skew). Das Ergebnis ist gemischt:

  1. Das Put/Call Ratio ist für Januar Kontrakte sehr niedrig. Es wurden fast doppelt so viele Calls denn Puts gehandelt. Das spricht zu erst nicht unbedingt für einen großen Pessimismus.
  2. Die Open Interests lbei den Calls sind sogar gestiegen, dass heißt, die stark gehandelten Calls haben neue Positionen eröffnet. Es waren offensichtlich neue Stillhaltergeschäfte, die die Market Maker bedienten. So müssen sie zur Verbilligung der OTM Calls geführt haben.
  3. Tatsächlich ist die Implizite Volatilität der Calls am Geld etwa 12%. Währenddessen liegt die IV für Calls bei 13700 bei 11%. Man sieht den Abgabedruck. Calls werden rege verkauft, und zwar durch die Stillhalter. Offensichtlich hat sich bei ihnen herumgesprochen, dass das beste Vorgehen in einem solchen Markt ist, den Zeitwert zu verkaufen, anstatt Puts zu rollen.
  4. Die Puts zeigen ein anderes Verhalten. Die Januar-Kontrakte sind bei den Serien aus dem Geld etwas bei 12600 teurer als am Geld. Die IV liegt hier bei 18%. Das bedeutet für mich, dass Puts doch als Absicherungsinstrument nachgefragt werden und hier eher ein Preisdruck entsteht und kaum Stillhaltergeschäfte getätigt werden.
  5. Die anderen Monate März und spätere zeigen weiterhin eine höhere Implizite Volatilität.

Fazit: Der Optionsmarkt liefert noch keine Verkaufssignale. Dafür müsste die kurzfristige Implizite Volatilität stärker gestiegen sein, als die langfristige. Und es müssten viel mehr Puts gehandelt werden, unter anderem um die bedrohten Short-Positionen zu rollen oder zu hedgen. Diesen Druck spüren die Händler noch nicht.

Charttechnisch bleibt es bei der Einschätzung, DAX oberhalb 13600 bedeutet aufwärts und unter 12800 lautet das Signal verkaufen.

 

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Nachdenken zum Ende 2019 und der nicht-Versuch 2020 zu prognostizieren

 

Das Börsenjahr hat den DAX dorthin zurückgebracht, wo er bereits vor zwei Jahren war, nämlich bei knapp über 13500. Und die Stimmung damals? Vor zwei Jahren war sie gut, die Märkte korrigieren dann stark und vor einem Jahr war sie wieder gut, bis durchwachsen und die Märkte erholten sich.

Und jetzt? Die Stimmung ist sehr gut, was für klassischen Börsenbären, wie ich es bin, ein gutes Zeichen ist. Vielleicht wird das kommende Jahr doch noch zum Crash-Jahr. Immerhin bestehen einige Faktoren, die auch negative Impulse geben können. Aber wo?

Das Trump gewählt wird, steht, es sei denn dass irgendetwas kurzfristig passiert. Zum Beispiel eine Affäre, die ihn das Amt kosten könnte. Daran glaube ich nicht. Die Nervosität wird sicherlich vor den Wahlen steigen und danach könnte die ersehnte Korrektur eintreten. Wirtschaftlich spricht einfach zu viel für die Fortsetzung der Rally. Der BREXIT ist zwar eine beschlossene Sache, er bleibt dennoch potenziell nicht ungefährlich. Wobei ich im Moment eher eine Belebung der britischen Wirtschaft erwarte.

Die Handelskriege bleiben ein Thema, jedoch zurzeit ohne negative Impulse. Und die Notenbanken werden weiterhin Geld drucken.

Ich muss deshalb positiv bleiben und auch für 2020 optimistische Prognosen abgeben.

Der DAX könnte im Januar einen regelrechten Schub bekommen. Die Open Interests an der Deutschen Terminbörse EUREX sprechen eindeutig dafür.

Die meisten Kontrakte in Kaufoptionen mit dem Verfall im Januar befinden sich bei den Basispreisen 13700-13900. Und es könnten tatsächlich Geschäfte sein, die Käufer initiiert haben. Der Optimismus scheint unbegrenzt. Es sind viel mehr offene Calls als Puts.

https://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/100!onlineStats?productGroupId=13394&productId=70044&viewType=3&cp=Call&month=01&year=2020&busDate=20191227

Es kann eigentlich nur noch nah oben gehen. Das wiederum spricht für eine Abkühlung. Denn jede hysterische Phase ging mal zu Ende und wurde davor immer wieder durch heftigere Korrekturen unterbrochen.

Es ist schwer vorherzusagen, aber wenn die aktuelle Anstiegsrate bleibt, dann sehen wir zum Jahresende 17000 im DAX. Sollte es wider Erwarten beim Antasten der Marke 13600 zu einer Korrektur kommen, dann ist diese nur schwer einzuschätzen. Ich würde sagen, die 10000 Marke ist für den DAX ausschlaggebend. Es sei denn, die Gründe liegen tiefer. Das wäre aus heutiger Sicht ein Schwarzer Schwan. Solange der Index oberhalb der 200-Tage Linie steht, sehe ich keinen Grund, Aktien zu verkaufen.

Welche Branchen bevorzuge ich ? Ich habe den Eindruck, dass Gesundheit zurückkommt sowie die gesamte Biotechnologiebranche. Hier sehe ich ein riesiges Potenzial. Auch Energie und Rohstoffe könnten erwachen.

Ich warte zuerst auf den Januar und überlege dann die weitere Strategie. Vielleicht kommt doch alles anders.

 

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