Doomsday an den Börsen W. Buffet, Softbank, Hertz, wer ist der nächste?

Langsam häufen sich Meldungen über Finanzschieflagen oder Pleiten. Es bestätigt sich meine mehrfach geäußerte Erwartung, dass die Weltwirtschaft auf dem Weg in einen ganz neuen Zustand ist. Der Boom der letzten Jahrzehnte, geprägt durch die Globalisierung, ist vorbei, da sollen wir uns nichts vormachen. Ja, es wird weiter geflogen aber nicht nach Laune in sieben Tagen um die Welt. Maskenpflicht mag nicht auf Dauer bleiben, aber die Angst, sie wird nicht so schnell verschwinden. Inzwischen tauchen fast täglich neue Meldungen über Ausbrüche der Infektionen nach einem Gottesdienst oder Restaurantbesuch auf. Und man wundert sich, die Gastronomiebranche hätte doch für eine hohe Sicherheit gesorgt.

Der Mensch flüchtet in Illusionen. Als Physiker weiß ich, dass nur Masken einen effektiveren Schutz bieten und dass der Abstand nicht 1,5 sondern 8-9 m. betragen müsste. So geht zumindest aus der Dynamik des Virus-Tröpfchens hervor. Der 1,5 m Abstand ist ein Missverständnis und geht auf ein älteres Modell aus den 1930er zurück, in welchem es in erster Linie um die Ausbreitung der Tuberkulose ging.

Wie auch immer, das Leben ist gefährlicher geworden.

Es wird weniger produziert. Bestimmte Dienstleistungen wie Coaching müssen sich neu definieren und ins Internet ziehen. Wie sieht die neue Kultur aus? Volle Kinos gehören wohl der Vergangenheit. Verstummt die Musik? Nein, das Leben wird zurückkommen, aber nicht so schnell, wie wir alle anfangs dachten.

Da sind wir uns also einig, es wird Nachwehen geben, ich weiß dennoch nicht, ob der Mensch sich treu bleibt und danach bleibt alles beim Alten. Die Beobachtungen der letzten Jahre lassen eher dieses Szenario erwarten.

Wirtschaftlich bleiben uns einige Hiobsbotschaften nicht erspart.

Zum Beispiel bedrohlich klingende Nachrichten über Insolvenzen, wie etwas heute über Hertz.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Autovermieter-Hertz-meldet-Insolvenz-an-article21798767.html

Mir bereiten andere Gerüchte mehr Sorgen. Die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway

soll sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden.

https://wahre-werte-depot.de/irre-buffett-in-geldnot/?fbclid=IwAR1f0zEpY1_v5uWSDXlEy5rcJA7sbaLUfDg587WtRrmOxZACLmeGEDAb5pI

Ich zitiere hier indirekt den Börsenbrief Actien Börse. Unseriös ist der nicht. Den Autor bzw. Gründer Bernecker schätze ich seit Jahrzehnten.

Auffällig ist in der Tat die große Zurückhaltung von W. Buffet in der Coronkrise. Keine Käufe der sehr verbilligten Firmen werden bekannt. Es fehlt die typische Buffet-Rhetorik zu den Zukunftsaussichten nach dem Motto „ Wir sind gierig“. Offenbar muss die Gesellschaft Aktien zu Tiefstpreisen verkaufen, weil die Liquidität aus den Tochtergesellschaften ist schwer zu bekommen.

Ich rechne mit einer langen andauernden Welle von ungünstigen Nachrichten. Die Panikmache hat erst begonnen. Wie soll man die Börsenindizes in diesem Kontext bewerten?

Der DAX folgt im Prinzip den US-amerikanischen Märkten und der allgemeinen Hoffnung, das viele staatliche Geld wir einen ähnlichen Effekt wie einst Zinssenkungen nach der Finanzkrise 2008/2009 – nämlich eine neue Rally steht bevor.

Wo keine Kunden um die Ecke stehen, wird auch automatisch weniger umgesetzt. Hmm, wie auch immer, der DAX bleibt im Aufwärtsmodus. Meine charttechnische Einschätzung bleibt bestehen, die Zone 10800-11000 wurde erobert, das nächste Ziel ist 11600-11800. Natürlich ist eine Korrektur denkbar. Die Volatilität ist etwas gefallen und liegt aber mit 32% immer noch relativ hoch. Gleichzeitig hat man den Eindruck, ihr Rückgang ist bereits gestoppt. Historisch gesehen kann jetzt eine sehr lange Phase des weiteren Anstiegs kommen, unterbrochen durch kurze Korrekturen.

Das wäre ein seltsames Szenario…

Jetzt ein Blick auf die EUREX. Das Put-Call-Ratio ist weiter gefallen und liegt mittlerweile knapp über 1, was sehr bullisch ist. Die Analyse der offenen Optionspositionen – sog. Open Interest, zeigt eine Verdichtung der Calls zwischen 11800-12000, was ebenfalls die positive Grundstimmung bestätigt. Die Puts sind weit gestreut, da ist man sich nicht einig. Es sind meistens runde Zahlen wie 1000, 10500 …

Zusammenfassend befinden wir uns immer im Aufwärtsmodus, zumindest für die kommenden 4 Wochen. Danach werden auch die Dividenden ausgezahlt sein und die Unsicherheiten könnten zunehmen. Man darf nicht vergessen, dass der DAX immer noch deutlich unterhalb der 200-Tage Linie steht, es ist also weiterhin ein Bärenmarkt. Ein plötzliche Preissturz kann immer passieren und zu einer heftigen Welle in Richtung 8000 führen. Aber ob und wann das passiert, das weiß nicht einmal ich.

 

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Volatilität wird interessant

 

Noch ist die Hoffnung auf als dauerhafte Vergessen nicht gestorben. Heute öffnete die Gastronomie. Ich selbst,d er eher selten ins Restaurant geht, reagierte erstaunlich euphorisch auf dieses Ereignis. Es bringt ein Stück Freiheit zurück. Die Lebensfreud ist auch genießen und zusammen sein. Das wird keine bestreiten.

Nun müssen wir dennoch den wirtschaftlichen und noch nicht ganz absehbaren Schaden berücksichtigen, wenn über die weiteren Aussichten gesprochen wird. Dieser ist immens. Ich weiß nicht, wie das neue Leben aussehen wird. Bis das weltweite Reisen wird möglich ist, werden viele pleite gehen. Viele Berufe, die als cool und ein Garant für den Wohlstand galten, wie Trainer werden nun auf Dauer ins Internet umziehen müssen. Aber ist das noch die alte Dienstleistung? Die Kultur ist ein weiteres Opfer der Covid-Krise. Brauchen wir sie überhaupt noch? Es geht auch ohne. Ich glaube, es wird etwas Neues entstehen, aber das habe ich bereits letzte Woche geschrieben.

Jetzt zur Börse.

Gefühlslage:

Ich erwarte entweder eine langweilige Seitwärtsbewegung mit kleinen Schwankungen. Man kann es ein Aufwärtstrend nennen, jedoch ohne Dynamik.

Oder wir werden immer öfter Rückschläge sehen, Der Markt wird immer öfter getestet, sich danach aber stets erholen, noch… Die Notierungen unterhalb 9600 dürften dann nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Faktenlage:

Charttechnisch sahen wir in der letzten Woche eine Korrektur, die den DAX auf das Niveau der minimalen Fibonacci-Korrektur knapp unter 10100 brachte. Danach setzte eine Erholung. Der Weg nach oben könnte bis auf 10700 reichen. Sollte der Index auf 10900 steigen, geht es dann schnell auf über 11000. Darunter sind Schwankungen bis auf 9600 denkbar. Fällt der Indes tiefer, dann sehen wir schnell 8200.

Interessant wird es, wenn wir auf die Volatilität schauen, ausgedrückt durch den europäischen Index VSTOXX. Hier wurden Niveaus erreicht, wo ein Anstieg wesentlich wahrscheinlicher erscheint, als ein weiterer Rückgang. Am Donnerstag hatten wir die erste bessere Kaufgelegenheit, sprich Vola-Verkauf, als der Index VSTOXX auf fast 40% stieg. Ja, es war noch ein Kauf. Denn tendenziell deuten die Indikatoren auf die Fortsetzung der aktuellen Phase mit fallender Impliziten Volatilität.

Der Verfall am letzten Freitag hat mehr oder weniger meine Erwartungen bestätigt. Der DAX endete die Periode bei knapp 10500.

Für die beginnende Juni-Periode rechnen die EUREX-Händler mit einem DAX-Schluss zwischen 11000 und 10000, also nichts Neues. Bei 11000 liegen die meisten offenen Call-Kontrakte. Bei 10000 die meisten Put-Kontrakte.

Das Put-Call Ratio bleibt im bullischen Bereich mit fallender Tendenz.

Zusammenfassend besteht kein Grund, um einen schnellen Kursrückgang zu erwarten, die Credit-Spreads würde ich langsam absichern, da der Anstieg der Volatilität liegt nicht mehr in weiter Zukunft.

 

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