Und schon wieder fiel mir in der heutigen Mittagspause das Frankfurter Blatt in die Hand – die FAZ.
Und wie immer schlug ich zuerst den Teil Finanzen auf. Ich lese die FAZ höchstens einmal die Woche samstags. Ich versuche grundsätzlich nicht zu viel Presse zu lesen. Das peramnente Rauschen der Information vernebelt den Gesamtblick. Auch zu der Bildzeitung habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits verachte die die Geschmacklosigkeit, Übertreibung, Rücksichtlichlosigkeit in Bezug auf menschliches Leiden aber auch die undurchschaubare Vernetzung mit den Sponsoren. Die Bildzeitung bringt es aber oft auf den sprichwörtlichen Punkt. Auf acht Seiten erfährt man so etwa alles, was das Volk bewegt. Alles andere ist eher uninteressant. Und natürlich die hübschen Frauen darf man nicht vergessen.
Die anderen Blätter behandeln aber die Wirklichkeit auch sehr einseitig, zum Beispiel der „Spiegel“. An jedem Thema hat man etwas auszusetzen. Diese Denke ist mir genauso fremd wie die schwarz-weiß Malerei der Bildzeitung.
Zurück zur Börse. Eine der sinnvollsten Aufgaben eines Wirtschaftsblogs ist die Zurückverfolgung der Prognosen und ihrer Treffsichheit. Deshalb versuche ich, sooft ich kann, die veröffentlichten Vorhersagen aufzuschreiben, um in ein paar Monaten darüber lachen zu können.
Heute geht es um die technische Analyse. Insbesondere beschäftigt sich die FAZ mit dem Coppock – Indikator. Hier der Artikel
Im Artikel wird ein baldiger Zusammenbruch der Aktienmärkte in den USA prophezeit eben u.a. aufgrund der Indikatoranzeige. Ein „Techniker“ würde anhand des Coppock-Indikators den Rückfall des S & P 500 Indexes unter die seit Oktober 2008 etablierten Aufwärtslinie befürchten.
Jetzt lesen Sie bitte meine Meinung. Was ist der Coppock – Indikator. Es ist ein Produkt technischer Analyse – Trendfolger alter Generation. Hier die Definition ( nach tradesignalonline.com)
Die Coppock – Line (CPI) wurde 1962 im Barrons Magazine vorgestellt. Ihr Entwickler, E. S. COPPOCK, wollte die emotionale Beschaffenheit der Märkte in einem Indikator abbilden, indem er die prozentualen Kursveränderungen verschiedener langfristiger Periodeneinstellungen miteinander verglich. Da die Marktbewegungen in dieser Zeit und den folgenden 20 Jahren noch relativ ruhig und gerichtet verliefen, bewährte sich der Indikator lange Zeit als grundlegendes Barometer für die Trendbestimmung.
Zur Interpretation – das Durchschneiden der Nulllinie von oben nach unten ist ein bärisches und von unten nach oben ein bullisches Signal. Es ist bekannt, dass der Coppock viel besser in Baisse als in der Hausse funktioniert.
Ich habe mir den S&P 500 Chart unter dem Aspekt des Anwendbarkeit des Coppock Indikators angeschaut. Wie aussagekräftig war die Anzeige bis jetzt?
Unten im Chart sehen wir den S&P 500 und den Coppock.
Quelle http://www.tradesignalonline.com
Sorry liebe Redakteure der FAZ. Ich sehe seit 2007 keine Regelmäßigkeit und keine eindeutige Korrelation zwischen der Anzeige des Coppock-Indikators und dem darauf folgenden Kursverlauf des S&P 500. Oft kam es direkt nach dem negativen Signal zur Wende nach oben. Immer wieder fiel der Index noch ein wenig, um dann eine Weile zu steigen. Klar, zu Beginn der Finanzkrise 2007 kam es immer wieder zu Verkaufssignalen, auf die aber schnell Kaufsignale folgten.
Fazit: Der Coppock Indikator alleine betrachtet scheint statistisch betrachtet kein zuverlässiger Trendfolger in Bezug auf den US-amerikanischen Markt zu sein.
Ob die von der FAZ zitierte skeptische Prognose eintreten wird, bleibt abzuwarten ( ich glaube , ich benutze gerne diesen Ausdruck), wahrscheinlich nicht, bzw. nicht jetzt.
