Wie viele Zertifikate brauchen eigentlich die Deutschen

Beim Blättern in einer Derivate-Broschüre einer großen deutschen Bank fiel mir auf, dass diese  deutlich schlanker geworden ist. Das X-Press („Die Börse kann so einfach sein“) der Deutschen Bank behandelt die verbrieften Derivate auf sehr kompetente und fröhliche Weise. Alles dreht sich um Produkte mit Kapitalschutz , Produkte mit Puffer, Diskont Zertifikate, Aktienanleihen und so weiter. Es werden dort die aktuellen Neuemissionen beschrieben, und eine generelle grundsätzlich immer positive Markteinschätzung zum Ausdruck gebracht. Da wie gesagt die Zeitschrift gefühlt dünner geworden ist, schaute ich mit die adäquaten Zahlen zum Derivate-Handel an, um dort die eventuellen Gründe für das Anlegerverhalten zu finden.

Der Dachverband heißt der Deutsche Derivate Verband. Diesem gehören Vertreter diverser Emittenten an. Die Seite des Verbandes ist informativ und höchst professionell. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass es hie rim Gegensatz etwa zu meiner Seite um Eigeninteressen der Emittenten der verbrieften Derivate geht. Im Übrigen reden wir hier nicht über Derivate im eigentlichen Sinne, also nicht etwa über Leerverkauf von Optionen auch Stillhaltergeschäfte genannt. Nein, der Begriff Derivate wurde für eigene Zwecke sozusagen vom Verein vereinnahmt und gilt nur den Zertifikatenfrüher Optionsscheine genannt.

Ich will aber nicht lästern sondern über ein anderes Thema schreiben.

Mich interessieren Statistiken. Ich wollte wissen, wieviel die Deutschen kaufen und vor allem was sie kaufen. In der Finanzkrise 2007-2009 wurde viel über Zertifikate geredet. Der Eindruck entstand, dass hinter der sparsamen Fassade des Spießbürgers, der sein Geld am liebsten zuhause halten würde, ein Zocker steckt.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir Deutschen tatsächlich diese Produkte so gerne kaufen.

Und hier die Ergebnisse ( Quelle http://www.derivateverband.de/DE/MediaLibrary/Document/PM/01%20PM%20Marktvolumen%20Januar%202011.pdf )

Das Marktvolumen der Anlagezertifikate und Hebelprodukte ist zu Anfang des Jahres um 0,7 Prozent bzw. 639 Mio. Euro gestiegen. Das Gesamtvolumen des deutschen Zertifikatemarkts betrug damit 107,2 Mrd. Euro.

Was ist Marktvolumen? Es ist das Produkt der ausstehenden Stückzahl mit dem Marktpreis. Ich verstehe es als der Gesamtwert aller im Markt befindlichen Zertifikate.

Interessanter ist die Aufteilung mach Segmenten. Welche Produkte kaufen die Deutschen am liebsten? Nun an vorderster Stelle scheinen die strukturierten Anleihen zu sein (z.B. fetser Zinsatz wenn Aktien in einem jahr nicht zu stark gefallen sind).

In 98,4 Prozent des Gesamtvolumens entfiel im Januar
auf Anlageprodukte. Der Anteil der Hebelprodukte betrug
1,6 Prozent.

Im Klartext heißt es, das nur 1,6% des Emissionsvolumens auf die in der Presse so präsenten Zocker-Produkte entfällt.  Man hatte doch oft das Gefühl, dass wir alle blöd sind und Geld in komplexe Hebel-Produkte stecken, die wie in der Spielbank mit weniger als 50% Wahrscheinlichkeit  gewinnen können.  Oder?

Die Wahrheit sieht anders aus.

KategorieMarktvolumen Anteil T€  %
Kapitalschutz-Zertifikate 19.976.815 21,0%
Strukturierte Anleihen 38.256.279 40,3%
Aktienanleihen 4.366.229 4,5%
Discount-Zertifikate 6.777.091 7,1%
Express-Zertifikate 9.427.995 9,9%
Bonus-Zertifikate 5.427.188 5,7%
Index- / Partizipations-Zertifikate 5.995.297 6,3%
Outperformance- und Sprint-Zertifikate 215.170 0,2%
Weitere Anlageprodukte ohne Kapitalschutz 4.530.907 4,8%
Anlageprodukte gesamt 94.972.970 98,4%
Optionsscheine 787.014 52,1%
Knock-Out Produkte 723.702 47,9%
Hebelprodukte gesamt 1.510.717 1,6%
Gesamt 96.483.687 100,0%

Erstaunlich hoch ist der Anteil der Aktienanleihen. Hier wären die meisten Anleger besser mit Eurex-Optionen bedient, die sie leerverkaufen würden. Die Rendite wäre u.u. sogar höher und der Markt transparenter beim exakt gleichen Risiko.

Damit war aber meine Frage noch nicht beantwortet- warum ist da sBlatt dünner geworden im Vergleich zur alten „guten“ Zeit vor fünf Jahren. Dazu musste ich auf die Seite der Deutschen Börse gehen http://www.deutsche-boerse.de. Dort fand ich Statistiken, die mehr aussagten als das Marktvolumen.

Der Orderbuchumsatz mit Hebel an einem Tag im September 2007 betrug um die 40 Milliarden und am 31.03.2011 ca. 24 Milliarden. Wir liegen offenscihtlich immer och deutlich unter Zahlen vom 2007 und das trotz des steigenden Emissionsvolumens.

Ich würde sagen, geht lieber gleich an die Eurex.

 

Quelle X-Press Deutsche Bank

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Kommentare

  • Martin Hark  On Oktober 6, 2013 at 1:29 pm

    Der Artikel ist wirklich sehr interessant. Ich habe mit in jüngster Vergangenheit ebenfalls mit dieser Thematik, vor allem mit den Zertifkaten beschäftigt. Aufgrund ihrer Beschaffenheit, können Zertifikate eine günstige und renditestärke Alternative zu den herkömmlichen Möglichkeiten der Geldanlage darstellen. Je nach Risikotyp kann auf unterschiedliche Zertifikatarten zurück greifen. Dieser Vorteil macht sie vor allem im Bereich der Retail-Produkte sehr beliebt. Im Gegensatz zu anderen Produkten, hier vor allem Fonds, darf man jedoch auf gewisse Risiken nicht vergessen. Die grundsätzlichen Risiken sind maßgeblich vom Zertifikatetyp abhängig. Ein Risiko betrifft jedoch alle – das Emittentenrisiko. Wenn man sich dessen Risiko bewusst ist, können Zertifikate als sehr gutes sowie auch renditestarkes Anlageinstrument dienen.

    • Adrian Gohla  On Oktober 6, 2013 at 5:22 pm

      In Ihrer Seite verwenden Sie abwechselnd die Begriffe Optionsschein und Option. Zwischen beiden Instrumenten gibt es aber einen großen Unterschied, worauf ich in meinem Beitrag hinweisen wollte.

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