Die Wahrheit über das polnische Wirtschaftswunder

Diese Wahrheit finden Sie im vorliegenden Beitrag nur mit einer Unschärfe. Ich fühle mich natürlich vom Thema betroffen, immerhin lebte ich bis zum Abitur im im Land der Schlesier. Die Mentalität, ökonomisches Denken, Sprache und die Geschichte des Landes sind mir wohl bekannt. Die Wende habe ich nur noch von Deutschland aus und von zahlreichen Besuchen in Polen gesehen. Der polnische Boom unterscheidet sich meines Erachtens nicht zu sehr vom russischen. Nur fällt es dort positiver auf.

Es gibt ein paar Rahmenbedingungen, die die Entwicklung in Polen für einen aussenstehenden nachvollziehbarer machen.

1. Die Polen sind ein europäisches Land. Es wollte immer nach Europa und trotz diverser Kriege war es immer sehr an deutsche Kultur und Wirtschaft angelehnt. Daran hat sich bis jetzt wenig verändert.

2. Polen sind Individualisten, dadurch unterscheiden sie sich auch erheblich von uns Deutschen. Während es bei uns die Pflicht ist, sozial kompetent und möglichst angepasst seine Aufgaben in der Gemeinschaft t zu tun, ist in Polen ein Einzelkäpfer der Held. Hier findet jedoch inzwischen eine kontinuierliche Veränderung statt, weil zahlreiche westliche Unternehmen die notwendigen sozialen Anpassungen bereits von der jungen Generation mit Geld abverlangt haben. Ich war vor einem Jahr im Auftrag einer großen deutschen Bank in Warschau unterwegs und staunte nicht schlecht, als ich die neuen polnsichen Bänker sah. Aus Einzelkämpfern werden langsam Teamplayer.

3. Polen denken unternehmerisch. Der Übergang 1990 vom „Sozialismus “ zum brutalen Kapitalismus fiel ihnen deshalb viel einfacher als den Menschen in der DDR.

4. Polen reisen gerne, allerdings meistens in geschäftlichen Absichten. Früher fuhr man nach Bulgarien, um dort etwas Kitsch zu verkaufen, um mit dem Erlös den Urlaub zu finanzieren.

5. Polen sind risikofreudig – und sie nehmen gerne Kredite auf, auch wenn die Tilgung 40 Jahre dauern sollte.

Diese Rahmenbedingungen haben zum  heutigen Wohlstand beigetragen. Dieser baut in erster Linie auf den Gelegenheitsjobs im Westen. Das Geld wird in die Heimat geschickt, man nimmt Kredit in Schweizer Franken, gründet eine Firma gegründet und verfolgt damit ein Ziel, seiner Familie ( diese zählt noch in Polen) einen sichtbaren Wohlstand zu sichern. Dabei geizt man nicht so sehr mit den Informationen über das eigene Einkommen in der Öffentlichkeit wie bei uns.

Warum schreibe ich das ?

Ich kann die Euphorie der deutschen Medien im Zusammenhang mit der Öffnung des Arbeitsmarktes für die Osteuropäer nicht nachvollziehen.

Hier ein Beispiel au sder FTD.

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:die-neuen-aus-dem-osten-die-neue-polnische-wirtschaft/60045348.html

Ist es wirklich alles so rosig? Nein, das glaube ich nicht. Arbeitsplätze werden in Polen seit Jahren abgebaut. Viele arbeistlosen Polen lassen sich gar nicht registrieren. Ich arbeistlos – never. Ich bin ein Siegertyp, Individualist und erfolgreich und außerdem fahre ich für zwei Monate nach Deutschland , um 4.000 Euro für irgendeine Arbeit zu verdienen. Erstmal reicht das. Was bringt mit die AL -meldung – 150 Euro ( angeblich).

Ist Ihnen aufgafallen, dass es keine verlässlichen Quellen zur Arbeitslosigkeit in Polen gibt?

Was nützt mir die Info, dass in Breslau Vollbeschäftigung herrsche, während in Masuren 50%  der erwarbsfähigen arbeitslos sind?

Ich kenne kein weltweit bekanntes Produkt, welches aus Polen der letzten 20 Jahre stammt, von Vodka und Weihnachtsgans mal abgesehen. Ähnlich wie in Russland – dort gibt es zumindest Rohstoffe. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis die erste Autobahnen einigermaßen befahrbar waren.

Klar, dass man in Polen viel Geld machen konnte. Es hätte gereicht, Immobilien in guter Lage zu kaufen. Freilich haben viele Menschen dort Geld und sie geben es auch aus.

Ich bin jedoch der Überzeugung, dass dieser Wohlstand auf sehr wackligen Füssen im Ausland steht.

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Kommentare

  • Marcus  On Juli 26, 2011 at 6:31 am

    Polskaweb ist ein Nazi und NPD nahestehender Internetportal in Deutschland regiestriert, also mit Vorsicht genießen.

  • nowacki  On August 30, 2011 at 3:20 pm

    Was bist Du denn fuer einer? _Bis zum Abitur lebte ich im Land der Schlesier…“ Du hast also auch in Polen gelebt, und zwar bis zu Deinem Abitur und dann fanden Deine Eltern es waere wohl einfacher nach Deutschland auszuwandern, weil ja der Opa bei der Wehrmacht war und man dort gleich einen deutschen Pass dafuer bekommt. Es waren nicht die Polen, die ausgewandert sind, die das wirtschaftswunder in Polen geschafft haben sondern die die da geblieben sind. Und es waren auch die, die da geblieben sind die eine Menge dazu beigetragen haben dass die Mauer in Deutschland gefallen ist. Ohne die Jahrzehnte dauernde wiederstandsbewegung gegen den Sozialismus in Polen haette es den Mauerfall so schnell nicht gegeben. Die jungen Polen sind heute sehr gut ausgebildet, sind unternehmerisch und wollen arbeiten und verantwortung uebernehmen. Und wenn nicht wieder irgend ein Deutscher preussischer toller Hengst wieder mal auf die Idee kommt Detshland brauche mehr lebnsraum und Polen sei auf der Landkarte ueberfluessig, dann wird dieses Land auch weiter wachsen. Polen hat ein gutes Recht darauf ein Teil von Europa zu sein, und nicht ein Teil von Deutshland sondern ein Teil von EUROPA!

    • Adrian Gohla  On August 30, 2011 at 3:55 pm

      Hallo,

      zunächst ein Lob für Ihr Deutsch. Ich habe es leider nicht geschafft, auch nach 22 Jahren akzentfrei zu sprechen. Zu verdanken habe ich es unter anderem dem polnischen Staat, der bis 1989 verboten hatte, in ehemaligen. deutschen Gebieten Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten bzw. zu lernen. Hinzu kommt noch die Politik der Einschüchterung, die insbesondere in Schulen üblich war, sodass man auch zuhause kein Deutsch sprach, um nicht aufzufallen. Es gab schließlich keine deutsche Minderheit in Polen, oder? Autochtonen gab es ja, aber bloss keine Deutschen. Ihre emotionale Reaktiion, die ja auch die Meinung der Mehrheit in Polen widerspiegeln dürfte, beweist aber das Gegenteil.
      Die Entscheidung, nach Deutschland auszureisen fiel in den 1970-er, also in der Zeit des polnischen Wirtschaftswunders ( „Cud gospodarczy nie na miare NRFu ba Japoni…“) Leider weigerte sich der Staat, fast zwei Jahrzehnte, uns ausreisen zu lassen. Es hatte wenig mit materiellen Vorteilen zu tun, eher wollten wir das Gefühl haben, im „eigenen Vaterland“ zu leben. Dieser Wunsch ist jedoch auch nach der Ausreise nicht in Erfüllung gegangen. Für das Gastland Deutschland bin ich ein Pole und Schluß. Was geht einen die Vergangenheit an. Die Schlesier waren leider oft zu naiv und zu konformistisch, und passten sich immer wieder neuen Besatzern an, ohne im besetzten Land Karriere anzustreben.
      Faktisch aber bin ich in Polen sozialisiert worden und so wird es auch bleiben. Ich kann kaum mit Gleichaltrigen über die Musik und Filme meiner Kindheit reden, es sei denn sie haben auch „Podroz za jeden usmiech“, „Mis Uszatek“, „Potop“ oder „Czerdziestolatek “ gesehen.
      Deshalb kann ich auch zwangsläufig keine negativen Gefühle den Polen gegenüber haben. Es wäre lächerlich. Wenn ich kritisch über die Wirtschaft schreibe, dann habe ich keinen persönlichen Bezug zum Thema oder Land. Ich suche mir themen aus, wo ich den Eindruck habe, die offizielle Berichtserstattung naiv und unwahr ist.
      Jetzt aber ehrlich, Polen sind sehr gut ausgeildet, weltoffen unternehmerisch, das habe ich nie angezweifelt. Ich habe selbst 2010 ein halbes Jahr für eine große Bank in Warschau gearbeitet. Kam mit den Leuten viel besser zurecht als mit den deutschen Kollegen. Ja, das polnische Volk lehnte aktiv den nicht existierenden Sozialismus ab, im Gegensatz zu den DDR-Bürgern, die in großer Mehrheit die neuen Besatzer akzeptierten. Alle Achtung! Aber bitte keine Selbstverherrlichung.
      Welcher Nobelpreisträger kam zuletzt aus Polen? Welches Produkt aus Polen hat sich weltweit etabliert? Wie lange hat es gedauert, bis die erste Autobahn befahrbar war? Wie lange wird es dauern, bis die Fussballstadien zur Verfügung stehen? Wie lange werden die polnischen Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen? Wieviele polnische Bürger müssen noch auswandern – nach Norwegen, nach Irland, nach GB und notfalls nach Deutschland?

      Jemand wie ich sieht vielleicht beide Nationen etwas kritischer. Und da rate ich auch Ihnen.
      Gruss
      AG

      Wir werden sehen, wie lange das Wirtschaftswunder in Polen hält, vielleicht länger als in Südeuropa.

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