Kein Aktien-Blogger-Volk

„Aktien sind derzeit noch immer günstig bewertet, viele Leute sind noch immer unterinvestiert. Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Hausse sind gegeben, und wir werden ein weiteres gutes Aktienjahr haben.“

So lautete die Prognose von Gottfried Heller dem bekannten Depotverwalter von Fiduka am 5.01.2011 in finanzen.net. Damals stand der DAX bei 7000 Punkten.

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Telefonaktion-Teil-1-Heller-DAX-kann-auf-8400-Punkte-steigen-997141

Die übrigen Teilnehmer der zitierten Telefonaktion waren ebenfalls sehr optimistisch.

Der gleiche Herr Heller sagt kürzlich dem Handelsblatt “ Es gibt noch viel Gift im Finanz-System“.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/aktien/aktien-im-fokus/aktien-fuer-den-naechsten-crash/v_detail_tab_dossier,4305532.html

Diese widersprüchlichen Aussagen eines erfahrenen Börsianers, den ich gerne sehe, weil er mich an die „alte gute“ Zeit der Börse der 1990-er Jahre erinnert, beweist im Grunde genommen drei Dinge:

1. Als eine öffentlich bekannte Person muss man immer etwas sagen.

2. Sogar die wahren Profis haben meist keine Ahnung, wo es lang geht, da die Zusammenhänge zu komplex geworden sind. Das gibt er übrigens im neusten Kommentar auch zu.

3. Die Fonds sind meistens erfolglos. Konsequenterweise hat der Fonds Fiduka  die fehlerhafte Einschätzung vom Jahresanfang umgesetzt und dementsprechend sieht auch die Performance aus.

http://www.universal-investment.de/Publikumsfonds/Fonds-Selektor/fondsDetails.aspx?tabID=0&fundid=1171217378094088614

Ich will aber nicht lästern und die letzten Keime der Aktienkultur erdrücken. Mittlerweile soll die Hälfte der börsengehandelten Vermögenswerte in ausländischer Hand sein. Die Aktienbörse scheint also niemanden mehr zu interessieren. Oder kennen Sie einen privaten Aktienhändler?

Man sieht diesen traurigen Trend auch in den Blogs.

Der Blick Log ( http://www.blicklog.com)  listet viele Blogs auf., die sich mit den Finanzen  und Börse beschäftigen. Besuchen Sie eine verlinkte Seite, die der Kategorie Finanzmarkt gehört. Und Sie werden in nicht wenigen Fällen feststellen, dass die letzten Einträge sogar Monate zurückliegen. Mit dem Ausverkauf kam das Desinteresse und das Sterben der Finanzblogs. Intuitiv spüren die Menschen hierzulande, das die aktuelle Krise rein politischer Natur ist und lassen deshalb Finger davon. Warum sollen sei noch darüber lesen. Die Blogger wissen auch nicht mehr vielleicht sogar weniger als ein schweigender aber erfolgreicher Intradaytrader. Vielleicht sind die Wirtschaftsblogger etwas mutiger und offener und sagen auch, was die anderen wissen aber sich nicht zu sagen trauen. Oft tun sie es auch nicht, weil sie aus Angst um ihren Kunden /Arbeitsplatz  bestimmte Themen vermeiden. Oder was noch schlimmer ist, verfolgen Blogger lediglich Eigeninteressen und vermarkten eigene Finanzprodukte ( Börsenbriefe und Systeme) und die eigene Expertise als Berater.

Ich denke, und vertrete diese Meinung schon seit Jahren, dass der wahre Wert des Wirtschaftsbloggens nicht nur in der soliden Recherche aber vor allem in der Offenheit liegt.Und in der Innovation. Hier liegt aber ein weiteres Problem. Wenn ein Finanzinstitut innovativer wird, neue Themen erforscht und interessante Ideen für Finanzmärkte hat, dann wird es  diese nur ungerne veröffentlichen. Dann aber überlässt man die Berichte über Innovation den Amateuren.

Ich kenne einen Devisenhändler,  der seit vielen Jahren automatisches Handelssystem betreibt, mit dem er offenbar gut verdient. Ich bat um Interview und bekam eine Absage, bei aller Sympathie. Gemäß dem Prinzip – über erfolgreiche Finanzaktivitäten redet man nicht.

Ich sehe es anders.

Wir Deutschen neigen zu einer gewissen Harmonie, wenn es um die Äußerung einer kritischen Meinung geht. Vielleicht interessiert uns der ganze Mist überhaupt nicht und wenn schon, dann lieber die etablierten Medien lesen. Wenn deutsche Presse einen Quotenanteil der Papst-kritischen Nachrichten in täglicher Auflage ihrer Zeitungen vereinbart hat, dann akzeptieren wir es als selbstverständlich. Aber uns wenn in wirtschaftlichen Fragen vieles verheimlicht wird und wir durch eine Mainstream-Harmonie in der Presse lediglich die Meinung der eigennützigen Lobbyisten erfahren dürfen, dann stört es uns nicht.

Deshalb sehen und hören wir weiterhin die gleichen Menschen wie vor Jahrzehnten, egal ob sie uns etwas zu sagen haben oder nicht.

Ist jemandem aufgefallen, dass man fast nie auf die Meinung der Wirtschaftsblogs verweist?

 

 

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