Verdient man in Polen so viel? Griechische Impressionen

Anzahl der polnischen Gäste war unverhältnismäßig hoch. Früher waren es die Russen, die man in Fünfsterne-Hotels traf, heute sind es halt Polen. Mich  überrascht es. Als kleiner Unternehmensberater, dessen Einkommen statistisch nachzuvollziehen ist kann ich es mir nicht so richtig erklären, wie die polnischen Touristen ihre Reisen finanzieren.
Das durchschnittliche Bruttoeinkommen in Polen beträgt knappe 4000 PLN oder 1000,00 Euro Quelle virtualpolen.de.
Eine Reise mit vier Personen kostet etwa 4500 Euro für zwei Wochen Vollverpflegung. Damit müsste der durchschnittliche Pole sein Jahresgehalt für die Reise abgeben. Sind es also keine „Durchschnittspolen“? Da bin ich mir nicht sicher. Ich habe die polnischen Gäste in folgende Kategorien eingeordnet:
1.    Der klassische Neureiche Er gehört zu den Pionieren der frühen 1990er. Meist ungebildet da keine Zeit für die Schule  trotzdem intelligent aber auch aggressiv. Zum Reichtum  sind diese Menschen meistens durch glückliche Umstände und hohe Risikobereitschaft gekommen. Aber auch durch die Fähigkeit, die Rechtslücken in Polen nach der Wende auszunutzen. Oder sind es manchmal die wahren Profiteure der Währungsunion nach der Wende in der DDR. Jedenfalls kamen sie irgendwann zum Kapital und besitzen jetzt Kasinos und Restaurants. Man erkennt sie durch auffälliges prolliges Auftreten, u.a. durch das Vieltelefonieren. Sehr familienorientiert. Raucher, keine Alkohol-Trinker. Für mich eine Vorstufe der Mafia. Gäste dieser Kategorie waren jedoch im Hotel eine verschwindende Minderheit.

2.    Der bürgerliche Neureiche. Diese Gäste gehören der polnischen Oberschicht und sind Bankmanager, seriöse Industrielle, Prominente. Da Vertreter dieser Einkommensgruppe sehr viel Wert auf Statussymbole legen, geben sie noch mehr Geld für den Konsum aus und waren deshalb in meinem Hotel sehr seltene Gäste.

3.    Einfache Kleinangestellte, die ihr regelmäßiges Einkommen durch Nebenjobs aufbessern und auch gerne mit Krediten ihren Konsum finanzieren.  Ich kann mir vorstellen, dass deren Anteil weit größer als in Deutschland ist, aber eher gering im Vergleich zu  der Gruppe unten.

4.    Der größte Anteil der polnischen zahlungskräftigen Gäste in meinem Rhodos-Hotel scheint doch der grauen durchschnittsverdienenden Mittelschicht anzugehören. Allerdings, so meine Recherchen, sagt das mittlere Einkommen wenig über die wahren Vermögensverhältnisse in diesen polnischen Familien aus. Erstens arbeiten inzwischen mehr oder weniger regulär 2.000.000 Polen im Ausland (Quelle virtualpolen.de). Oft melden sich ihre Familienangehörige  unterjährig bei ihrem Arbeitgeber ab, um dann für drei Monate in der Landwirtschaft oder Altenpflege auszuhelfen.  Der Zusatzeffekt ist der Fachkräftemangel und steigende Löhne in Polen aber auch die steigende Inflation. Eine weitere Aufbesserung der Gehälter sind die in  Polen zum Teil sehr hohen variablen Einkommen. Kommst Du mit Deinem Chef gut aus, dann verdienst Du halt viel mehr als der kompetentere Kollege. Beziehungen sind nach wie vor für den Erfolg in Polen entscheidend.  Die größten polnischen Unternehmen wie PKN Orlen  verdienen Milliarden und bei den schwachen Gehältern bleibt einiges für die variablen Zahlungen an die „besten“ Mitarbeiter hängen.
Ich bin sicher, dass dieser Kategorie die meisten gut zahlenden Polen angehören.

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