Warum Prokon symptomatisch für deutsche Anleger ist

Zu diesem Thema wollte ich mich eigentlich gar nicht äußern. Ich habe mich auch nicht mit allen Details dieser neusten Affäre der deutschen Finanzszene befasst, so dass mein Wissen an manchen Stellen lückenhaft ist. Dennoch fand ich diesen Fall derart symptomatisch und musste am Ende ein paar Bemerkungen abgeben. Ich bin übrigens nicht der Meinung, das böse Staaten, die die Banken überregulierten und innovative Produkte in eine Schattenwelt verjagten,  an der Affäre schuld sind

Das Prospekt zu den Genussrechten von Prokon habe ich vor Jahren einmal gelesen und fand es aberwitzig, in einem schwierigen Marktumfeld, bei fallenden Zinsen, eine 8% -Rendite zu versprechen. Ich hatte damals einfach nicht verstanden, warum ich dort und nicht in normale Kapitalmärkte mein Geld  bringen sollte. Wenn ich so viel sicher verdienen will, dann habe ich andere Möglichkeiten, die ich besser verstehe. Ich kann eine Unternehmensanleihe  von einem schlecht gerateten Emittenten kaufen und hoffen, dass das Rating nicht die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit wiederspiegelt. Ich kann eine Aktienanleihe kaufen und hoffen, dass der Aktienkurs sich halten wird, was ohnehin in den Aktienmärkten eine utopische Annahme ist. Deshalb sichere ich mich gleich lieber ab. Ich kann Aktien oder Optionen kaufen. In allen Fällen bleibt das Risiko zumindest  zum jeden Zeitpunkt berechenbar und ich nur selten mit dem Totalverslust rechnen muss.

Genussrechte sind aber ein kompliziertes Produkt, das zwischen Eigenkapital und Fremdkapital liegt. Wikipedia sagt Folgendes dazu:

Genussrecht ist ein juristischer Begriff aus dem deutschen Schuldrecht. Ein Genussschein ist eine Anlageform, die z. B. Rechte am Reingewinn einer Gesellschaft übergibt. Das Stimmrecht ist dabei immer ausgeschlossen. Die Rendite ist oft recht hoch, bei einer Insolvenz oder einer Liquidation erfolgt die Rückzahlung der Einlage des Genussscheininhabers aber erst nach vollständiger Befriedigung aller anderen Gläubiger. Der Totalverlust der Einlage ist also möglich.

OK, ich gebe mein Geld einem Unternehmen, partizipiere voll am Gewinn und Verlust. Und es gibt keinen Markt, im Gegensatz zu den Anleihen .

Ich frage mich wie einst 2009 warum das viele in unserem Lande tun. Es sind die gleichen Menschen, die trotz des sechsstelligen Einkommens bei Aldi einkaufen und nie eine Gaststättenrechnung  für andere übernehmen.  Die so sorgfältig mit dem Geld umgehen, sie trauen sich die Genussrechte zu.

Warum kaufen sie nicht einfach einen deutschen Aktienfonds, oder einzelne Aktien. Ja, man kann verlieren, wie heute, mehrere Prozentpunkte  am Tag. Auf Jahre umgerechnet lohnt sich ein Aktieninvestment immer. Die Anlage ist zumindest in ihrer Durchführung transparent, liquide und bringt oft Dividenden. Wenn zusätzlich Optionen kombiniert, dann ist der Gewinn fast sicher.

Nein, wir Deutschen erliegen gerne der Illusion, in Sachwerte, solide und sichere Anlagen zu investieren und verlassen uns zu oft auf Empfehlungen. Wenn der Berater ordentlich aussieht, am besten noch meinen Dialekt spricht, dann kann ich nichts falsch machen, wenn ich seine Produkte kaufe.

Es ist das gleiche Spiel wie mit geschlossenen Immobilienfonds und ähnlichem Zeug. Solide Werte, regelmäßige Einnahmen, greifbar. Am Ende verliert der Anleger. Es sind die gleichen wie damals Zertifikate von Lehman Brothers kauften.

Nicht falsch verstehen, natürlich mache ich auch Fehler und Verluste mit meinen Anlagen. Aber immer habe ich das Gefühl, selber die Schuld zu tragen und nicht etwa Opfer des Kleingedruckten zu sein.

So eben lese ich, dass Hedgefonds Interesse an den Genussrechten von Prokon haben. Genau, das ist die richtige Branche, von wegen Sicherheit.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-pleite-lockt-hedgefonds-an-a-945370.html

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