Binäre Optionen drei Jahre später

Als begeisterter und lernwilliger Optionshändler komme ich an den binären Optionen einfach nicht vorbei. Wie auch an anderen exotischen Optionen. Die Digitalen sind nichts Ungewöhnliches, sie interessierten jedoch lange Zeit nur institutionelle Investoren. Irgendwann vor drei Jahren erreichte plötzlich eine Marketingwelle Deutschland. Aus Mangel an Alternativen – die Zertifikate waren nach der Finanzkrise in die Hölle geschickt, entstand nun die Idee, ein einfacheres Produkt anzubieten, statt komplizierte Bonuszertifikate, die so gut wie illiquide waren, lange Laufzeiten hatten und ein unverständliches Auszahlungsprofil auch noch.

Ich wurde direkt neugierig und beschäftigte mich eine Weile mit diesem Produkt und dem Leistungsspektrum einiger Broker. Meine erste Reaktion war skeptisch bis ablehnend. Einige ältere Blogbeiträge belegen dies. Übrigens lösche ich meine Posts auch nach Jahren nur in den seltensten Fällen.

Warum fand ich binäre Optionen nicht gut? Für mich war es der nächste verzweifelte Versuch, Privatanleger für Kapitalmärkte zu gewinnen. Ich sah außerdem keinen Vorteil gegenüber den klassischen Optionen und den CFDs. Hingegen fand ich in den Binären Optionen einen großen Spielraum für unfaires Verhalten der Anbieter gegenüber dem Kunden, die das Konzept möglicherweise gar nicht verstanden haben.

Die Tatsache, dass die meisten Anbieter auf Zypern ansässig waren und sie bestenfalls Briefkastenfirmen in Deutschland unterhalten, machte das Produkt auch nicht gerade vertrauenswürdig.

Nach meinen kritischen Artikeln bekam ich sogar Telefonate, die mich sozusagen umzustimmen versuchten. Gut, das Thema stand bei mir nicht mehr im Fokus.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen und ich kam wieder auf die Binären. Mittlerweile sind einige Broker auf dem Markt, die durchaus als seriös gelten könnten. Eine gute Übersicht fand ich unter dem folgenden Link http://www.60sekunden.com/60-sekunden-optionen-broker-vergleich/.

Es war für mich eine gute Gelegenheit, das Thema unter die Blogger-Luppe zu nehmen.

Wie funktionieren binäre Optionen? Generell gehört dieses Finanzprodukt zu den sog. exotischen Optionen, sie können trotzdem mit Hilfe bekannter Optionsmodelle geschätzt werden.

Die Funktionsweise reduziert sich auf die folgenden Regeln.

Der Käufer zahlt eine Prämie für eine Option, mit welcher er auf fallenden (Put) oder steigenden (Call) Basiswert wettet. Die Laufzeit der Option ist meist kurz bis sehr kurz, wie schon der Name der oben zitierten Plattform sagt ( 60sekunden.com). Tritt das Szenario während dieser Zeit ein, dann bekommt der Käufer einen festgelegten Betrag als Gewinn ausgezahlt, in der Regel 170%-190% des Einsatzes. Das heißt, der Gewinn beträgt 70-90%. Entwickelt sich der Basiswert anders, dann geht der Einsatz verloren. Im Klartext bedeutet das, Sie riskieren z. B. 100 Euro, und können 80 gewinnen. Die Gegenseite ist der Anbieter und er riskiert stets 80, kann dafür 100 gewinnen. Ein klares Konzept, die Bank kann somit nicht verlieren, ähnlich wie im Casino, es sei denn alle anderen würden auf den richtigen Trend simultan setzen. Andererseits gewinnt der Käufer stets nur 100 Euro, auch wenn der Basiswert sich sehr weit in die korrekt geschätzte Richtung bewegt hat. Dieser Profit bleibt konstant, wenn es nur eine minimale Bewegung die diese Richtung gegeben hat.

Beispiel (Zahlen völlig frei erfunden):

Sie setzen 100 Euro auf den DAX um 14:00 Uhr für 1 Stunde. Der Index steht bei 10600. Steht der Index um 14:59 Uhr bei 10601, gewinnen Sie 80 Euro. Steigt der Index aufgrund der US-Nachrichten auf 10750, verdienen Sie ebenfalls 80 Euro. Steht der DAX jedoch bei 10599, sind die 100 Euro weg.

Das Modell ist also auf den ersten Blick klar. Ich verwarf die Binären am Anfang nicht wegen des Modells, sondern, um ganz ehrlich zu sein, wegen der fehlenden Transparenz und des aggressiven Marketings. Auch die Regulierung war damals ein unbekannter Begriff bei den Binären.

Zeiten ändern sich und binäre Optionen werden an einigen US-amerikanischen Börsen wie Amex oder CBOE gehandelt. Dort hat der Händler auch die Möglichkeit, die Optionen zu verkaufen. Das macht sie natürlich spannend und mit den klassischen Optionen vergleichbar.

In Europa sehe ich ebenfalls einen kleinen Fortschritt, Denn zahlreiche Broker haben ihren Service standardisiert und bieten sehr umfangreiches Informations- und Trainingsmaterial an. Anbieter wie 24Option.com sind als Partner und Sponsoren in zahlreichen Sportereignissen zu sehen. Die Handelsplattformen haben mehr Kundschaft bekommen und das macht sie insgesamt liquider. Was mir gefällt, ist das umfangreiche Schulungsmaterial, welches mit angeboten wird. Ich habe mir z. B. das unten angeschaut

http://www.60sekunden.com/60-sekunden-optionen-strategie/. Klar, es wird nicht um sonst getan. Aber seien wir uns ehrlich, als die CFD – Welle nach Deutschland kam, konnte ich gerade ein Konto eröffnen und Geld einzahlen. Aufklärung und zusätzliche Infos musste man lange in der Webseite suchen. Bei einem Anbieter wusste ich lange nicht, dass dort Nachschusspflicht besteht.

Sowohl das Leistungsspektrum als auch die Kosten und Risiken sind auf den Seiten der BO-Anbieter klar und offen formuliert und ich würde mir wünschen, viele CFD-Anbieter würden sich davon ein Stück abschneiden. Vielleicht gäbe es dann nicht so viel Jammern nach dem Schweizer Franken Crash. Denn dann hätten sie gewusst, dass die SL-Marke nur eine unlimitierte Order eröffnet und bei vielen Brokern eine Nachschusspflicht besteht. Leider verstecken sich CFD-Broker oft hinter großen Namen der europäischen Banken und glauben, dass damit alles erlaubt ist.

Hingegen erklärt uns der Broker der Binären dreimal alles. Und meistens fehlerfrei. Nur einen Fehler habe ich in der oben genannten Einführung gefunden. Die Behauptung, dass Märkte “ nur steigen oder fallen könnten“ ist falsch, da die Börsenkurse auch hartnäckig auf der Stelle bleiben könnten, trotz Schwankungen. Das muss man den potenziellen Kunden sagen. Denn dann verstehen sie auch, wann die Binären am besten einzusetzen sind. Nämlich dann, wenn kurzfristig ein starker Trend erkennbar ist. Das ist eigentlich nicht so schwer. Sobald ein typischer Ausbruch erfolgt ist, weil eine Kursmarke gehandelt wurde, bewegt sich der Basiswert, etwa der DAX, noch eine Weile in der einmal festgelegten Richtung. Wenn man diesen Moment erwischt hat, ist der Gewinn mit den Binären Optionen sicher.

Problematisch wird es, und wahrscheinlich deshalb werden viele Händler ihr Geld verlieren, wenn man einfach versucht, permanent im Markt zu bleiben. Andererseits besteht dieses Problem auch in den anderen Märkten. Sonst gäbe es nicht so viele Verlierer und so wenige Gewinner …

Eine weitere Steigerung der Attraktivität von Binären wäre die Einführung der Verkaufsmöglichkeit – des Stillhaltergeschäfts. Ein Kunde würde zur Eröffnung verkaufen und müsste dann ev. nach Ablauf der Laufzeit den Gewinn auszahlen. Aber das steht in Europa nicht auf der Agenda.

Ich habe mich noch nicht für einen Broker entschieden, aber viele bieten auch Demokonten an. Die Mindestdepotgrößen sind human und oft deutlich unter 500 Euro.

Fazit? Wenn Sie selten nur Ausbrüche handeln, dann sind die Binären eine gute Alternative zu den CFDs. Ich weiß noch nicht, welche Qualität die angezeigten Preise haben. Bei den CFDs hatte ich mir früher die Mühe gemacht und verglich die Kurse untereinander. Das Ergebnis war zufriedenstellend, ich konnte keine Unterschiede weder unter den Anbietern noch zwischen CFD und den Basiswerten feststellen. Diese Seriosität ist die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Markt für die Binären.

Ein weiteres Thema bleibt die Regulierung. Hierzu habe ich einen Artikel gefunden.

http://forexmagnates.com/gaming-or-trading-that-is-the-question-mfsa-to-regulate-binary-options-as-a-financial-product/

Der Mittelmeerstaat Zypern war das erste Land in der EU, welches eine Binäre Optionen Regulierung, sprich eine Lizensierung der Broker durch die dortige Börsenaufsicht CySEC eingeführt hatte.

Nach Auskunft der deutschen Börsenaufsicht BaFin reicht vielen der Anbieter bereits eine EU-weite Notifikation aus, um in Deutschland tätig zu werden. Dabei wird auf der Basis einer Erlaubnis im Ursprungsland eine bloße Zulassung des Geschäfts in einem beliebigen anderen Land der Gemeinschaft beantragt. Eine Regulierung im eigentlichen Sinne ist damit jedoch nicht verbunden, wie BaFin-Sprecher Ben Fischer gegenüber boerse.ARD.de erklärt. Rechtlich strittig sei es sogar, ob der Handel mit Börsenwetten wie binären Optionen überhaupt anmeldepflichtig ist. Das Kreditwesengesetz (KWG) macht hier nur schwammige Vorgaben.

Die BaFin hat Listen der bei ihr registrierten Finanzanbieter auf ihrer Internet-Seite zugänglich gemacht. Regulierung schützt aber nicht vor schwarzen Schafen, wie das Beispiel des deutschen CFD-Brokers FXdirekt zeigt. Dessen Geschäftstätigkeit wurde von der BaFin Ende Dezember kurzerhand untersagt. Das Unternehmen war überschuldet. Immerhin können die Kunden zum Großteil entschädigt werden, da die FXdirekt Bank AG der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) angehört.

Wie dem auch sei, das Geschäft wird immer mehr überwacht und reguliert. Und das weckt vertrauen. Auch wenn mich immer noch stört, dass man im Internet auf den ersten Ausgabeseiten der Suchmaschinen alle Infos über binäre Optionen fast ausschließlich von den Anbietern der Handelsplattformen erhält. Diese Konkurrenz im Bildungsangebot kann zumindest nicht schaden.

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Kommentare

  • Vesna  On April 29, 2015 at 5:51 pm

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Es ist richtig, dass sich vieles getan hat bei den binären Optionen Brokern. Diese sind insgesamt transparenter geworden. Man sollte jedoch Erfahrung haben, wenn man mit binären Optionen handelt, denn ohne eine Strategie ist es eher eine Finanzwette.

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