Aufklärungsphase im Devisenhandel für Kleininvestoren

Meine ersten Erfahrungen mit dem Devisenhandel machte ich noch während der Studienzeit. Damals in den 1990er gab es keine CFDs und nur langsames und teures Internet. Und der Devisenmarkt war grundsätzlich den institutionellen Investoren vorbehalten. Ich kann mich noch erinnern, als ich einmal mit der Sparkasse über einen Yen-Kredit sprach, um für das Geld USD zu kaufen. Ich wollte vom Zinsunterschied profitieren. Sie sahen mich wie einen Besucher aus dem Mars an.

In der Zwischenzeit ist der Handel mit Währungen bei den Privattradern so populär geworden, dass ich den Eindruck habe, die meisten wissen gar nicht mehr, wie der Mark eigentlich funktioniert, da sie ständig nur mit einen Kontrahenten zu tun haben – dem Broker.

Der Devisenmarkt ist eigentlich nichts neues. Es gibt vier Geschäftsarten:

– Direkter Austausch der Devisen mit Erfüllung innerhalb von 2 Tagen , sog. Devisenkassageschäfte

– Devisentermingeschäfte, forwards mit Erfüllung zwischen 2 Tagen bis mehreren Monaten

– Swaps – Tauschgeschäfte

– Optionsgeschäfte

Der Markt , auch FOREX genannt, ist sehr liquide,, fast 7 Tage die Woche rund um die Uhr verfügbar und grundsätzlich nur kapitalstarken Kontrahenten vorbehalten. So war es zumindest früher.

Nun entdeckten vor mehr als 10 Jahren Finanzdienstleister eine Möglichkeit, den Devisenhandel auch für Privatinvestoren anzubieten. Diese sog. Devisenbroker waren schon in den 1990er aktiv. Oanda oder FXCM war einer von ihnen. Ich hatte das Modell nur grob verstanden. Es waren Termingeschäfte, die mit der Margin besichert waren. Somit waren sie oft hoch gehebelt. Man war jedoch im Markt aktiv und verfügte über zwei Konten, wo beide gehandelte Währungen gehalten wurden. Ich lernte in den 1990er einen Mann kennen, der damals den Job an den Nagel hängte und lebte vom Devisentauschgeschäften. Er entwickelte ein automatisches Handelssystem zusammen mit einem Broker. Ich glaube, er tut es bis heute. Vielleicht weil er rechtzeitig anfing.

Wie gesagt damals waren es typische Termingeschäfte. Dieses Trading war anscheinend zu kompliziert für viele Investoren. Genauso wie Devisenoptionen, die nur kurz an der Deutschen Terminbörse handelbar waren.

In den 2000er kamen die Contracts for Difference – CFDs. Die Erfüllungspflicht reduzierte sich zu einer Ausgleichzahlung. Man handelte gegen den Broker und musste nur ein Konto eröffnen. Mit diesen innovativen Finanzprodukten konnte man alles handeln, von Kaffee bis Silber, vom DAX bis Polnisch Zloty.

Das große Spekulieren für kleine Geldbeutel konnte losgehen.

Diese Erfindung brachte den Durchbruch für Devisenhandel für Privat. Die zahlreichen sog. FX-Broker boten CFDs auf viele Devisenpaare. Oft war eine Besicherung ( Margin)von 1% ausreichend. Das heißt, Sie kaufen 1.000.000 USD und müssen lediglich 10.000 USD vorhalten. Fällt der Dollar nur um zwei Cent, verlieren Sie 20.000 USD also mehr als Sie als Sicherheit zur Verfügung gestellt haben.

Jahre vergingen. Ich interessierte mich zunehmend für Optionen und bekam nur am Rande mit, dass das FX-Trading immer beliebter wäre. Prompt tauchten geniale FX-Trader auf, die anscheinend im Gegensatz zu Großbanken geschafft haben, das FX-Trading zum profitablem Beruf zu machen.

Nun konsolidiert die Branche , nachdem einerseits eine Übersättigung spürbar wurde und viele Teilnehmer sich verabschiedeten.

Aber die Branche hat gelernt. Es gibt zahlreiche Informationsportale, die allgemeine Infos präsentieren und FX-Broker vergleichen, Testen und bewerten, zum Beispiel http://www.forexhandel.org/plus500 .

Auch wenn auch hier ein kommerzielles Interesse im Vordergrund steht, ist es ein guter Beginn einer Aufklärungsphase im Devisenhandel. Vor allem, weil zahlreiche Broker und deren Leistungen verglichen werden.

Denn einiges schuldet die Branche den Privatinvestoren. Erstens wäre es nicht schlecht, wenn man schwarz auf weiß sagen würde, wie die gehandelten Produkte funktionieren.

Es ist ähnlich, wie ein Zertifikate – Trader, der nicht weiß wie eine klassische Option funktioniert und wundert sich dass seine Kaufoption, Call, fällt obwohl der Basispreis steigt.

Aber auch die potenziellen Kunden sollten Fragen stellen, bevor sie das Geld auf ein fremdes Konto überweisen, denn nur in den wenigsten Fällen bieten die FX-Broker ein Girokonto an.

Wenn ich Euro gegen USD verkaufe, dann zahle ich einerseits Überziehungszinsen in USD und bekomme Guthabenzinsen für Euro andererseits. Bei Glattstellung wird beides abgerechnet. Wird es von Ihrem Devisenbroker angeboten?

Zweite wichtige Frage, die Sie unbedingt an Ihren Broker stellen müssen lautet – „Wie sieht es mit der Nachschusspflicht aus? Damit meine ich die Pflicht, Differenzbeträge zu begleichen, auch wenn das Konto ins Soll gerutscht ist?“.

Und Stopp-Loss? Jeder lernt inzwischen in der Grundschule, dass man niemals eine Position ohne die Stopp-Loss Marke eröffnen darf. Bedeutet dieser Schritt jedoch wirklich die 100%ige Sicherheit?

Natürlich nicht! SL-Order bedeutet nur, dass wenn ein SL-Preis einmal zustande gekommen ist, verwandelt sich Ihre Order zu einer unlimitierten Verkaufsorder bei Longpositionen. Zu welchem Kurs Ihre Position glattgestellt wird und ob das überhaupt geschieht, steht in den Sternen.

Angenommen, Sie kauften 100.000 Euro zu 1,1 USD/Euro und stellten eine Margin von 2000 Euro zur Besicherung. Der Depotbestand beträgt 5.000 Euro.

Sie setzten eine SL-Marke von 1,09 . Das heißt, Sie wollen nur einen Cent riskieren und dann sollte die Position geschlossen werden.

Wenn aber plötzlich um 12:00 Uhr die FED und die EZB beschließen, eine EURO/USD Parität, dann steht der Kurs sofort bei 1,00. Ihre SL-Order wurde zwar zu einer unlimitierten Order umgewandelt, diese konnte jedoch mangels Nachfrage nicht gefüllt werden. Erst bei 1,00 gab es Käufer.

Sie verlieren 10.000 Euro und Ihr Konto rutscht mit 5000 Euro ins Minus, die Sie innerhalb von wenigen Tagen nachschießen müssen.

Manche Broker vereinbaren mit dem Kunden eine Befreiung von der Nachschusspflicht. Ich tradete früher oft den sog. Marketindex über Abnamro später RBS und dort wusste ich dass ich nur den Depotbestand verlieren darf. Aber es war wohl eher eine Ausnahme.

Welche Folgen das fehlende Verständnis des FX-Geschäfts haben kann, sahen wir vor ein paar Wochen, als der Schweizer Franken durch das Eingreifen der Zentralbank sprunghaft gestiegen war. Die Leidtragenden waren nicht nur die Kunden, sondern auch die Broker. Nicht wenige in finanzielle Not geraten und manche mussten sogar Insolvenz anmelden.

Auch in dem o. g. Link finden Sie immer noch einen Verweis auf Alpari. Klicken Sie bitte darauf. Nichts da.

Fazit: FX-Broker ist eine Investment-Alternative wegen hoher Liquidität und ständiger Verfügbarkeit. Das Geschäft dahinter ist aber sehr wettbewerbsintensiv. Bedenken Sie, Deutsche Bank verdient an der vierten Stelle des Devisenkurses Forex-Geschäft und zwar trotz des hohen Kapital-Polsters und der intelligenten und gierigen Händler.

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