Warum deutsche Options-Experten scheitern

 

Seit 20 Jahren beschäftige mich mit Optionen auf Aktien und Indizes vor allem im deutschen Markt.

Nach einem langen leidensvollen Weg glaube ich, meine Mitte gefunden zu haben. Ich habe vieles probiert, viele Bücher gelesen und auch viel Geld verloren, nennen wir es Lehrgeld. Eine Zeitlang publizierte ich meine Geschäfte im Blog, Stichwort 1 Million Projekt. Viele dumme Ideen mussten zuerst durch meinen Kopf gehen und dann umgesetzt werden, bevor ich reifer wurde Zeitweise bot ich einen Börsenbrief an und redete mir ein, dass ich meine Ergebnisse dadurch verbessere.

Alles Schnapsideen, wenn ich aus heutiger Sicht auf mein Treiben schaue. Es brauchte einfach seine Zeit. Ich bildete mich weiter, las vor allem erfolgreiche aber ach gescheiterte US-amerikanische Options-Enthusiasten. Hierzu können Sie gerne über meinen Twitter-Account auf die entsprechenden Namen dieser Personen kommen. Ja, die meisten von ihnen wollten ach ihre Schulungsmaßnahmen verkaufen, aber sie handelten ebenso und machten die eigene Performance transparent.

Den Durchbruch erreichte ich, nachdem ich mich von dogmatischen Ansätzen wie „regelmäßiges Einkommen an der Börse“ verabschiedet hatte. Ich wurde ein überzeugter Opportunist. Einmal bin ich gegen den Markt, aber nur wenn ich nicht viel dabei verlieren kann. Ein anders Mal laufe ich mit dem Markt, ebenfalls kosten- und risikoarm. Ich riskiere soviel, dass ich auch am Jüngsten Tag nicht pleite gehe. Wenn über Nacht der DAX um 10000 Punkte fällt oder steigt, dann will ich erst recht verdienen und nicht Insolvenz anmelden. Mit diesem „Gute Nacht“ – Ansatz fahre ich seit Jahren gut. Meine Ergebnisse publiziere ich inzwischen selten, ich werde es wieder zur Jahreshälfte tun. Im Moment liege ich bei ca. 40% auf das Risikokapital, was vor allem auf Corona-Crash zu rückzuführen ist.

Optionen sind ein asymmetrisches Finanzprodukt, die Auszahlung ist quasi unbestimmt bei einer großen Veränderung des Basiswerts. Große Veränderungen sind häufiger als man denkt, Stichwort „Schwarzer Schwan“.

Das scheint den Deutschen nicht zu liegen. Wir mögen Sicherheit und nicht eine Unbestimmtheit.

Optionen interessieren uns nur, als eine Variante von Anleihen, nur mehr sexy und mit dem Touch einer echten Börse. Man gewinnt die deutschen Sparer für Optionsgeschäfte, wenn man ihnen nicht hohe Gewinne sondern regelmäßige kleine Einnahmen verspricht. Dann buchen sie gerne überteuerte Seminare bei charismatischen „Experten“ und sie träumen. Spätestens wenn es kracht, gehen sie enttäuscht, neue Tagträumer kommen wieder.

Ich selbst kenne inzwischen niemanden, der erfolgreich Optionen in Deutschland handelt und das auch bekannt macht. Logisch existieren solche Exoten, aber offensichtlich wirken sie im verborgenen.

Dafür wollen die Seminar- und Coaching-Anbieter nicht verschwinden. Und sie suchen weiterhin nach der Kundschaft für ihre 3-Tage Seminare für 1999 Euro. Aber versuchen Sie ihre langfristige Performance zu erfahren! Nichts davon ist auf dem professionellen Webseiten zu finden. Dabei ist das doch die normalste Sache der Welt. Wenn ich jemanden beibringen will, sein Geld zu vermehren, muss ich es doch selber können, oder?

Einige von den Experten bieten auch sog. Managed Accounts. Zu Deutsch, sie verwalten mein Geld bei einer Bank mit ihren mehr oder weniger transparenten Strategie.

Zum Beispiel bei Captrader

https://www.captrader.com/de/produkte/managed-accounts/

Schauen Sie sich die Ergebnisse an. Da fällt mir nicht nur das „Außer Spesen nichts gewesen“ ein, sondern ich sehe dort einen reinen Dilettantismus. Im März haben offenbar alle Experten Geld verloren. Dabei war es doch die beste Zeit, Geld zu gewinnen. Auch wenn man spät Puts kaufen würde, wäre man noch auf der Gewinner-Seite. Nein, sie alle waren short mit den Puts und konnten sie ihre Positionen schließen oder hedgen, sprich den Verlust begrenzen. Warum zum Teufel?! Will man unbedingt beweisen, dass ein Regelwerk quasi automatisch funktioniert und man immer beim Verkauf von Optionen Geld verdient? Die Gegenseite besteht aus Deppen, die immer meine Optionen kaufen. Schöne Traumwelt.

Im April wurde ebenfalls keine Performance mit den Optionen bei CapTrader erzielt. Warum? Einfach, weil die Positionen abgesichert waren, also neutralisiert. Somit profitierten die Kunden keineswegs von fast 30% Zuwachs in den Hauptindizes. Also zwei Mal falsch gehandelt und eine Jahrhundertchance verpasst.

Alles höchst unprofessionell. Schade, eine Werbung für den Optionshandel als Investment ist diese Performance nicht.

Dafür wirbt man bereits für die Herbstseminare mit der Hoffnung, dass die Hotels wieder normal buchbar sind. Und dass sich die Märkte eine Weile beruhigen. Dann erzählt man Märchen von Butterflies auf US-amerikanische Indizes und glaubt die Volatilität wiedermal im Griff zu haben.

Doomsday an den Börsen W. Buffet, Softbank, Hertz, wer ist der nächste?

Langsam häufen sich Meldungen über Finanzschieflagen oder Pleiten. Es bestätigt sich meine mehrfach geäußerte Erwartung, dass die Weltwirtschaft auf dem Weg in einen ganz neuen Zustand ist. Der Boom der letzten Jahrzehnte, geprägt durch die Globalisierung, ist vorbei, da sollen wir uns nichts vormachen. Ja, es wird weiter geflogen aber nicht nach Laune in sieben Tagen um die Welt. Maskenpflicht mag nicht auf Dauer bleiben, aber die Angst, sie wird nicht so schnell verschwinden. Inzwischen tauchen fast täglich neue Meldungen über Ausbrüche der Infektionen nach einem Gottesdienst oder Restaurantbesuch auf. Und man wundert sich, die Gastronomiebranche hätte doch für eine hohe Sicherheit gesorgt.

Der Mensch flüchtet in Illusionen. Als Physiker weiß ich, dass nur Masken einen effektiveren Schutz bieten und dass der Abstand nicht 1,5 sondern 8-9 m. betragen müsste. So geht zumindest aus der Dynamik des Virus-Tröpfchens hervor. Der 1,5 m Abstand ist ein Missverständnis und geht auf ein älteres Modell aus den 1930er zurück, in welchem es in erster Linie um die Ausbreitung der Tuberkulose ging.

Wie auch immer, das Leben ist gefährlicher geworden.

Es wird weniger produziert. Bestimmte Dienstleistungen wie Coaching müssen sich neu definieren und ins Internet ziehen. Wie sieht die neue Kultur aus? Volle Kinos gehören wohl der Vergangenheit. Verstummt die Musik? Nein, das Leben wird zurückkommen, aber nicht so schnell, wie wir alle anfangs dachten.

Da sind wir uns also einig, es wird Nachwehen geben, ich weiß dennoch nicht, ob der Mensch sich treu bleibt und danach bleibt alles beim Alten. Die Beobachtungen der letzten Jahre lassen eher dieses Szenario erwarten.

Wirtschaftlich bleiben uns einige Hiobsbotschaften nicht erspart.

Zum Beispiel bedrohlich klingende Nachrichten über Insolvenzen, wie etwas heute über Hertz.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Autovermieter-Hertz-meldet-Insolvenz-an-article21798767.html

Mir bereiten andere Gerüchte mehr Sorgen. Die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway

soll sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden.

https://wahre-werte-depot.de/irre-buffett-in-geldnot/?fbclid=IwAR1f0zEpY1_v5uWSDXlEy5rcJA7sbaLUfDg587WtRrmOxZACLmeGEDAb5pI

Ich zitiere hier indirekt den Börsenbrief Actien Börse. Unseriös ist der nicht. Den Autor bzw. Gründer Bernecker schätze ich seit Jahrzehnten.

Auffällig ist in der Tat die große Zurückhaltung von W. Buffet in der Coronkrise. Keine Käufe der sehr verbilligten Firmen werden bekannt. Es fehlt die typische Buffet-Rhetorik zu den Zukunftsaussichten nach dem Motto „ Wir sind gierig“. Offenbar muss die Gesellschaft Aktien zu Tiefstpreisen verkaufen, weil die Liquidität aus den Tochtergesellschaften ist schwer zu bekommen.

Ich rechne mit einer langen andauernden Welle von ungünstigen Nachrichten. Die Panikmache hat erst begonnen. Wie soll man die Börsenindizes in diesem Kontext bewerten?

Der DAX folgt im Prinzip den US-amerikanischen Märkten und der allgemeinen Hoffnung, das viele staatliche Geld wir einen ähnlichen Effekt wie einst Zinssenkungen nach der Finanzkrise 2008/2009 – nämlich eine neue Rally steht bevor.

Wo keine Kunden um die Ecke stehen, wird auch automatisch weniger umgesetzt. Hmm, wie auch immer, der DAX bleibt im Aufwärtsmodus. Meine charttechnische Einschätzung bleibt bestehen, die Zone 10800-11000 wurde erobert, das nächste Ziel ist 11600-11800. Natürlich ist eine Korrektur denkbar. Die Volatilität ist etwas gefallen und liegt aber mit 32% immer noch relativ hoch. Gleichzeitig hat man den Eindruck, ihr Rückgang ist bereits gestoppt. Historisch gesehen kann jetzt eine sehr lange Phase des weiteren Anstiegs kommen, unterbrochen durch kurze Korrekturen.

Das wäre ein seltsames Szenario…

Jetzt ein Blick auf die EUREX. Das Put-Call-Ratio ist weiter gefallen und liegt mittlerweile knapp über 1, was sehr bullisch ist. Die Analyse der offenen Optionspositionen – sog. Open Interest, zeigt eine Verdichtung der Calls zwischen 11800-12000, was ebenfalls die positive Grundstimmung bestätigt. Die Puts sind weit gestreut, da ist man sich nicht einig. Es sind meistens runde Zahlen wie 1000, 10500 …

Zusammenfassend befinden wir uns immer im Aufwärtsmodus, zumindest für die kommenden 4 Wochen. Danach werden auch die Dividenden ausgezahlt sein und die Unsicherheiten könnten zunehmen. Man darf nicht vergessen, dass der DAX immer noch deutlich unterhalb der 200-Tage Linie steht, es ist also weiterhin ein Bärenmarkt. Ein plötzliche Preissturz kann immer passieren und zu einer heftigen Welle in Richtung 8000 führen. Aber ob und wann das passiert, das weiß nicht einmal ich.

 

DAX-20200523