Die Tage der Entscheidung

Die kommenden Tage könnten spannend werden. Vieles hängt davon ab, ob das normale Leben wider zurückkommt. Dass es kommen muss, steht außer Frage. Auch wenn die Mehrheit der Deutschen offensichtlich kein Problem mit dem Fortdauern der Kontaktsperre hat, so in den heutigen Medien. Mich wundert es nicht. Seit 32 Jahren lebe ich in Deutschland, als ethnisch deutscher Staatsbürger wohlgemerkt, auch wenn man es heute fast nicht mehr sagen darf.

Dennoch fallen einem, der hierzulande nicht geboren ist, die Zurückhaltung und das freundlich unterkühltes Verhältnis untereinander auf. Man stört sich nicht und das muss für die Kontaktpflege unter „fremden“ ausreichen,

Daher bin ich gar nicht überrascht, dass man gerne auf Distanz zueinander geht und die schwache Offenheit noch mehr einschränkt. Die deutschen wollen in Ruhe gelassen werden. Die vielen Bedürfnisse der Vor-Corona-Zeit wie Sport, Vereine, Musik,  Reisen, Kurzurlaube, Museen vermissen die Menschen offenbar wenig. Alles überflüssig. Außer vielleicht den Baumärkten. Und die Gottesdienste fehlen einem auch. Überhaupt, so viel über Religion wie in den letzten tagen habe ich in Deutschland noch nie in den Medien gesehen.

Als weiter so, in Ruhe lassen und gelassen werden…

Aber dieser Zustand muss sich ändern. Die Wirtschaft muss wieder produzieren. Ansonsten rollt auf uns eine Pleitewelle unbeschreiblichen Ausmaßes. Ich meine dabei Sportstudios, Friseursalons, Kleingewerbe und nicht etwas Zahnärzte, wo die Anzahl der Einkommensmillionäre sehr hoch ist. Auch wenn sich die gut vernetzte Letztere Berufsgruppe sehr hilfsbedürftig darstellt.

Das sog. Lockdown wird also in den nächsten Tagen beginnen müssen. Ich bin dann auf die Reaktion der Märkte gespannt. Im Moment herrscht Euphorie. Wie ich im letzten Beitrag schrieb, wird der DAX im Extremfall bis auf 10800-11000 steigen. Die sog. Maximalkorrektur liegt bei 11000. Allerdings würde das Antasten dieser Marke für mich eher auf die Fortsetzung der Rally hindeuten, was wiederum von der oben beschriebenen Gesamtlage abhängt.

Ich selbst rechne eher mit einem DAX von 10500 bis zum Verfall am kommenden Freitag. Dafür sprechen inzwischen auch die Open Interests an der EUREX ( www.eurexchange.com) . Nach einer längeren chaotischen Phase haben sich die Händler mittlerweile klarer positioniert und setzen auf bestimmte Basispreise zum Verfall. 10500 sticht ganz prominent hervor.

Erwähnenswert ist auch das Put-Call Ratio

https://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/100!onlineStats?productGroupId=13394&productId=70044&viewType=3&busDate=20200409

Diese Verhältnis ist klein, fast extrem klein, was sehr optimistisch heißt.

Jetzt ein kurzer Blick auf den Chart, s. unten m. f. G. Tradesignalonline.com

Wie gesagt die erste Fibonacci -Korrektur bei 10300 wurde überschritten, die zweite liegt bei 11000. Die historische Volatilität bleibt hoch, die implizite knapp unter 45%, verharrt aber und fällt nicht mehr weiter. Die Bollinger Bänder sprechen für eine kleine Korrektur in den nächsten Tagen, da die obere Bandbegrenzung berührt wird. Die 200-Tage ist immer noch ziemlich entfernt, sie wird ab 11000 greifbarer.

Zusammenfassung:

Ein weiterer Anstieg bis auf 10800 ist denkbar. Darüber eher unwahrscheinlich. Für einen Kurssturz spricht im Moment wenig. Dies kann sich im laufe der Woche spätestens am Freitag ändern. Ich selbst gehe ab nächster Woche von einer Korrektur aus. Für eine dauerhafte Euphorie fehlt mir im Moment die Phantasie.

Investment:

Solange die Vola noch etwas fällt, empfiehlt es sich, Call-Spreads zu kaufen. Auf der Putseite könnte man auf den Anstieg der Skew setzen. Und nicht vergessen, die Tail-Risiken absichern! Dafür ist jetzt ein guter Zeitpunkt.

 

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Nach den Euphorikern kommen die nächsten Schwarzen Schwäne

 

Bemerkenswert ist das letzte Interview von Nassim Taleb in Bloomberg TV

https://www.bloomberg.com/news/videos/2020-03-30/nassim-taleb-says-white-swan-coronavirus-pandemic-was-preventable-video

Demnach, so der eigentliche Schöpfer des Schwarzen Schwans der Börsen, ist der Corona-Crash kein Schwarzer Schwan, denn er war vorhersagbar und vermeidbar. Anders als 09/11. Ich bin da anderer Meinung. 09/11 war für mich eine logische Fortsetzung vieler politischer und sozialer Ereignisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Aber sei es drum. Fakt ist, dass der Absturz viel Kapital vernichtet hat und die Wirtschaft erst einmal still gelegt hat. Jetzt kann man nur spekulieren, ob die Erholung nach dem Exit alles wieder gut machen wird oder nicht. Eine Verschuldung des Staates ist eine der harmlosesten Folgen.

Börsen leben von der Hoffnung. Es ist manchmal die Hoffnung zweiten oder höheren Grades. Also Hoffnung auf Hoffnung und so weiter. Wir befinden uns in einem solchen Modus und warten auf erste Hoffnungszeichen. Die Abschwächung der Neuinfektionsrate versetzt anscheinend aller in eine Euphorie. Positive Nachrichten aus bestimmten Industriebranchen legen noch einmal einen darauf. Dabei ist der Grund für die nicht so steil steigenden Fallzahlen in erster Linie zurückgehende Bereitschaft der Menschen, sich testen zu lassen.

Egal, die Märkte wollen steigende Aktienpreise. Und so geschehe es!

Unten habe ich wie immer den DAX-Chart angehängt. Die aktuelle (Bären)Rally dürfte den DAX bis auf 10300-10800 hieven. Danach müsste langsam eine Gegenbewegung einsetzen. Ich gehe immer noch von einem Pendelverkehr zwischen 8000-10000. Wobei ein Anstieg auf 10800 wäre für mich ein Zeichen, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung noch eine Weile andauern kann.

Zwar hat die Dynamik des Anstiegs im Laufe der letzten Woche etwas abgenommen, dennoch blieb der Index im positiven Modus, was mich etwas verwunderte. Besonders aufregend könnte es werden, wenn der DAX in die Nähe der 200-Tage Linie kommt. Sie befindet sich zurzeit bei 12400.

Von der EUREX kommen auch eher positive Impulse, das Put-Call -Ratio bleibt erstaunlich klein. Die implizite Volatilität fällt deutlich unter 40% und die Skew hat ebenfalls abgenommen.

Der Volatilitäsfuture z. B. VSTOXX befindet sich nicht mehr in Backwardation.

Am 19.03 sieht man unten, war die langfristige Volatilität deutlich höher als die kurze: 60 zu 27

https://www.eurexchange.com/exchange-en/market-data/statistics/market-statistics-online/100!onlineStats?viewType=4&productGroupId=48872&productId=34702&cp=&month=&year=&busDate=20200319

Bereits am Freitag sah die Welt schon ganz anders aus. Die lange Vola hat kaum abgenommen, die kurze dagegen liegt unter 45. Es war eine gute Gelegenheit, mit einfachen Spreads Geld z machen.

Im Moment lohnt es sich, allmählich auf größere Bewegungen zu setzen. Eventuell als Mischung aus Debit und Credit-Spreads. Die Prämien bleiben relativ hoch, dennoch ist mit einer heftigeren Bewegung in eine Richtung zu rechnen. Aber wie Taleb sagte, Schwarze Schwäne haben nur eine Eigenschaft, die sie eindeutig von allen anderen Investement-Produkten unterscheidet. Es gibt keinen richtigen Einstiegszeitpunkt. Solche Ereignisse bleiben völlig zufällig. Man muss schon das Risiko eingehen und eine Portfolio-Versicherung ohne Grund zu kaufen.

 

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