Stillhalter Fonds und der Traum von Seitwärtsbewegung

Zufällig geriet in meine Hände wenige  Wochen alter Artikel der FAZ Finanzen über einen Spezialfonds (DE 000A0LERW5).

http://tiny.cc/vnrym

Der Artikel ist der nächste Beweis, dass Optionen bei uns kaum bekannt sind. Die Investoren stecken Ihr Geld viel lieber in komplexe Zinsprodukte, die zum Teil ein wesentlich komplexeres Auszahlungsprofil haben als in die klassischen Optionen, die gehandelt an der Deutschen Terminbörse EUREX ein liquides und kalkulierbares Finanzinstrument sein können.

Ich arbeite zurzeit als Unternehmensberater bei der Firma TriSolutions GmbH (www.trisolutions.de), die auf finanzmathematische Themen (Treasury, Risikocontrolling) aber auch auf Kapitalmärkte spezialisiert ist.  In einem Projekt ging es um Abgeltungsteuer. Ich fragte eine Kollegin, wie die Optionsgeschäfte steuerlich behandelt werden. Sie wusste offenbar gar nichts über Optionen (freiberufliche ausgewiesene Expertin).

Optionen scheinen in Deutschland ähnlicher Phobie wie die Kernkraft zu begegnen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dieser Fonds investiert das Anlegergeld hauptsächlich in sog. Stillhaltergeschäfte. Viel Text und relativ wenig neuen Inhalt fand ich dazu im Artikel. Das Investment wird als besonders gut in den Seitwärtsmärkten beschrieben. Um was geht es? Es werden offensichtlich Verkaufsoptionen auf Aktien verkauft, falls diese steigen, vereinnahmt man die Prämie, falls nicht wird man ausgeübt, kauft die Aktien und verkauft Kaufoptionen. Wie die Fondsmanager diese Strategie in Praxis einsetzen, bleibt natürlich ihr Geheimnis. Offenbar funktioniert die Methode kaum besser als ein Direktinvestment. Wie man in Chart unten sieht

http://www.comdirect.de/inf/fonds/detail/chart.html?ID_NOTATION=16617748&timeSpan=6M

fiel der Preis für die Fondsanteile fast genauso stark wie der DAX und erholte sich nicht mehr als der DAX in den Jahren 2009-2010. Wozu also soll ich Optionen handeln, wenn ich damit im Schnitt nicht besser fahre, von Gebühren mal abgesehen, die diese Investment sogar gegenüber den ETF unattraktiv machen?

Was mich enttäuscht, ist die alte Leier, die man oft im Zusammenhang mit Optionsgeschäften hört. Sie seien gut für die Seitwärtsmärkte. Das suggeriert, es gäbe Marktphasen, in denen der Preis sich im Schnitt wenig ändert. Dadurch können feste Prämieneinnahmen eine sehr lukrative Geldquelle sein.

Das stimmt leider nur bedingt. Optionsgeschäft ist ein Nullsummenspiel. Wenn sich ein Kurs eine Zeitlang seitwärts bewegt, dann gewinnt man dann etwas so viel, wie viel man verliert, wenn dieser Seitwärtstrend nach 2 Jahren verlassen wird und die Kurse plötzlich ausreißen.

Ich habe historische Kursreihen diverser DAX-Unternehmen analysiert unter dem Aspekt, wie profitabel Stillhaltergeschäfte gewesen wären. Ich fand kaum eine Aktie, wo es sich gelohnt hätte, Kaufoptionen nackt zu verkaufen. Bei Verkaufsoptionen sah es etwas besser aus aber nur wenn der Preis stimmte und ich den maximalen Verlust begrenzt habe. Ansonsten gab es oft längere gegenläufige Phasen,

Es ist kein einfaches Geschäft, liebe Redaktion von FAZ Finanzen.

Übrigens auf Wunsch kann ich die historischen Zeitreihen mit der entsprechenden Auswertung auf Wunsch gegen einen Unkostenbeitrag zur Verfügung stellen.

 

 

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Kommentare

  • Lars  On April 7, 2011 at 9:29 pm

    Hallo Adrian,

    mal wieder ein interessanter Beitrag von Dir. Sehe es auch so, dass das Optionsgeschäft in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Wenn einer was weiß, dann ist es das Optionen „Teufelszeugs“ sind. Möglicherweise steckt da ja auch System dahinter. Für eine ganze Branche ist der Verkauf von eigenen Optionsscheinen ein lukratives Geschäft. Wenn die Mehrheit dieser Käufer dahinter käme, das Optionen oft fairer bepreist sind und auch den direkten Verkauf (Stillhalten) ermöglichen, würde dieses Geschäft kräftig einbrechen.

    Ich habe mir auch immer mal wieder Fonds mit dem Thema Stillhaltergescchäfte angeschaut. Habe damit ja auch beruflich zu tun. Aber bisher sind das meist Strategien mit m.E. viel zu langen Laufzeiten. Wenn Optionen mit mindestens 1 Jahr Restlaufzeit verkauft werden, ist zwar der Prämienertrag relativ hoch aber es dauert eben auch entsprechend lange bis der Zeitwert auf null gefallen ist. Wir kennen ja die Zeitwertkurve nach der erst ab ca. 3 Monaten Restlaufzeit der Zeitwertverlust stark zunimmt.
    Der in Deinem Beitrag beschriebene Fonds hat zumindest dieses Problem erkannt. Ich denke aber durch die Vielzahl der Einzelwerte werden die Risiken und Chancen der im Fonds angewandten Strategie gut verteilt, was wiederum zu einer „normalen“ Entwicklung führt und keinen echten Mehrwert darstellt. Als aktiv gemanagter Fonds muss ja auch die entsprechend höhere Verwaltungsgebühr erwirtschaftet werden.
    Du kennst ja mein Projekt auf savestrax.de, wo ich aus gutem Grund eine Stillhalterstrategie auf Indexoptionen teste. In gut einer Woche ist das erste Halbjahr um und ich werde ein für mich durchaus positives Fazit ziehen können, obwohl ich den gesteckten Ertragsplan bis jetzt nicht einhalten konnte.
    Aber eine vordergründig auf den Verkauf von Kaufoptionen ausgerichtete Strategie die nach einem Daxanstieg von über 10% selber (nach Abzug von Abgeltungssteuer und Handelsgebühren) auf über 7% Plus kommt, kann sich durchaus sehen lassen.
    Es wäre schön wenn man die deutschen Anleger verstärkt von den guten Seiten des Optionsgeschäftes überzeugen könnte. Diese könnten sich so einen kleinen stetigen Ertragslieferanten ins Depot legen. 😉

    Gruß Lars

    • Adrian Gohla  On April 8, 2011 at 9:12 am

      Hallo Lars,

      danke für den sehr kompetenten Beitrag! Ich beobachte mit Bewunderung und nicht ganz ohne ein wenig Neid Dein Depot. Selbst
      konznetriere mich im Moment auf Aktienoptionen gemischt mit Aktien und nur wenige Indexoptionen. Seit ich das gefahrene Risiko stark heruntergefahren habe, trade ich seltener und bin deutlich profitabler. Langläufer haben wenig Sinn, sehe ich auch. Eigentlich lohnt es sich Optionen, so meine Erfahrung zwei bis drei Wochen vor dem Verfall zu verkaufen. Es gibt auch Baiswerte, wo es sich gar nicht lohnt zu verkaufen, z. B. Lufthansa. Da hätte man mit dem Kauf von Optionen meist besser gelegen.

      Adrian

  • Maximilian  On April 8, 2011 at 7:24 am

    Hallo Adrian,

    zu diesem Fond sei noch bemerkt, daß er eine deftige Performance-Gebühr on-top kassiert:
    …15,00% des relativen Performanceunterschieds zwischen der Wertentwicklung der Anteile und einer Hurdle-Rate von 8% p.a. (High Watermark)…
    Also lieber selber schreiben, am besten mit wenigen Aktien/Indizes, die man gut kennt und einschätzen kann und still halten.If not hilft konsequentes Money/Risk Management.
    Allzeit ein gutes Händchen wünscht

    Maximilian

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