Short selling mit (echten) Optionen

Auf die Idee, darüber zu schreiben brachte ich ein kurzer Besuch in einer großen Buchhandlung in Frankfurt. Der Besuch einer Bibliothek oder Buchhandlung war für mich schon immer ein Event, Erlebnis besonderer Art, eine Form Shopping die mir Spaß macht, im Gegensatz zum Kauf einer neuen Hose. Ich gehe gerne hin, ohne ein konkretes Ziel zu haben. OK, ich brauche ein paar Bücher für den Urlaub. In der Regel komme ich mit mehreren raus. Nach einem Besuch in einem Kleidungsladen gehe ich entwder mit dem geplanten Stück oder ohne oft jedoch genervt heraus.

Diesmal war ich kurz davor, ein Buch von Harald Weygand „Short Selling“ zu kaufen. Der Titel kommt in deutschsprachiger Literatur selten vor. Nach einer kurzen Durchsicht kam ich doch zum Schluß,  es nicht zu kaufen. Über das Buch wollte ich jedoch nicht reden, sondern über das Short selling.

Warum finde ich in einem Werk über Leerverkauf kein Kapitel über Optionen? Vielleicht habe ich es übersehen,  ich hätte dennoch erwartet, dass der Leerverkauf mit Optionen eine prominente Stellung in dieser Arbeit einnehmen wird. Ich fand wie immer einiges über Leerverkauf mit Aktien, was in Deutschland ohnehin faktisch unmöglich ist. Und ich fand wieder einmal genug Infos über Zertifikate. Mit diesen Instrumenten kann aber ebenfalls kein Short Selling betreiben.

Ich widerhole noch einmal, ich will keine Antiwerbung für das Buch und seinen von mir geschätzten Autor machen. Die Leser haben ein Recht, zu erfahren, wwelche Möglichkeiten der Markt ihnen bietet. Ich neige inzwischen fast zu verschwörungstheoretischen Reaktionen, wenn ich sehe, dass es von der Werbung für Zertifikate bei uns nur so wimmelt, über deutlich transparentere, liquidere und insgesamt günstigere Optionen spricht jedoch keiner. Ich kann es aber doch nachvollziehen. Wer kann denn an gestiegener Handelsaktivität privater Optionsinvestoren interessiert sein? Die Eurex wohl kaum. Sie will große Investoren als sog. Clearing oder Non-Clearing-Member gewinnen. Ob über diese Börsenmitglieder auch Privatinvestoren letzten Endes am Handel teilnehmen werden, dürfte der Eurex egal sein.

Jetzt aber zurück zum Thema. Wenn ich auf den fallenden Kurs eine Aktie setze will, dann kann ich eine der folgednen Methoden anwenden:

1. Leerverkauf als Kassageschäft. In Deutschland ist hier nur eine Variante möglich. Ich leihe mir Aktien, verkaufe sie, und kaufe sie innerhalb von zwei Geschäftstagen zurück, um sie anschließend dem Verleiher zurückzugeben. Für die Leihe zahle ich eine Gebühr. Diese Art von Short Selling dürfte für Privatinvestoren weitgehend unzugänglich sein.

2. Leerverkauf als Termingeschäft
Hier steckt weit mehr Potenzial. Dafür eignen sich die echten Optionen z.B. an der Eurex am besten.  Zum Beispiel, ich kaufe eine Verkaufsoption, die weit im Geld liegt. Fällt der Basiswert, dann profitiere ich fast eins zu eins von der Kursentwicklung und kann mir meistens viel mehr Zeit für die Glattstellung des Geschäfts lassen. Steigt der Basiswert, dann verliere ich anfangs weniger als der Basiswert gewonnen hat. Erst wenn sein Kurs weiter steigt, sodass der Strike überschritten wird, ist der gesamte Einsatz weg. Bewegt sich der Basiswert innerhalb der Optionslaufzeit gar nicht, dann verliere ich nur den Zeitwert, der bei Optionen im Geld meist sehr gering ist ( ca. 5 % p.a.).

Warum man für diese simple Methode keine Lobby findet, weiß ich wirklich nicht.

Es gibt noch eine weitere Optimierung. Ich kann die Kaufoption im Geld verkaufen. Damit tätige ich fast einen Leerverkauf in Aktien. Die Eurex verlangt ca. 30% des leerverkauften Marktwertes als Sicherheit und die Position kann ebenfalls bis zumVerfall oder einer vorzeitigen Ausübung gehalten werden.  Der Vorteil gegenüber der vorherigen Methode ist die Tatsache, dass ich auch vom Zeitwertverfall profitiere, d.h. ich gewinne auch wenn sich die Aktie nicht von der Stelle bewegt.

 

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Kommentare

  • Kai  On Juni 25, 2011 at 11:42 pm

    Wie kann ich denn als Endverbraucher Optionen handeln?

    Und wo liegen die Risiken bei einem Verkauf einer Kaufoption? Die Eurex will ja 30% Sicherheit.

    Alles Gute

    Kai

    • Adrian Gohla  On Juni 26, 2011 at 11:46 am

      Hallo, Kai,

      es gibt in Deutschland Broker und Banken, die Privatinvestoren zum Optionshandel zulassen. man muss natürlich bescheinigen, dass man das Geschäft versteht. Wenn man nur long geht als nur kauft, ist das Risiko genauso groß wie bei Optionsscheinen.
      Beim Verkauf einer Kaufoption kommt es auf zwei Dinge an:
      1. Ist sie durch Aktien gedeckt. Wenn ja, dann hat die bank kein Risiko, ähnlich wie bei einem Hypothekenkredit, welcher vollständig durch die Grundschuld abgesichert ist. Kommt es zur Ausübung der Option, werden die Aktien eingezogen.
      2. Wird die verkaufte Kaufoption nicht durch Aktien abgesichert, dann rechnet die Eurex die Wahrscheninlichkeit aus, das die Option ausgeübt werden könnte. Bei weit aus dem Geld Optionen ist diese nicht sehr hoch. Deshalb wird vorerst wenig Sicherheit verlangt. Steigt der Basiswert und kommt die Option ins Geld und naht der Verfallstermin, dann steigt natürlich auch die verlangte Sicherheit.
      Das Problem entsteht wenn die Aktie über nacht einen Sprung nach oben macht, was häufig passiert und die Option plötzlich sehr teuer wird, um glattgestellt zu werden. Oft kommt es dann zur Auübung und Du musst die Aktie zum Marktpreis kaufen, koste sie was sie wolle… :-(.
      Gruss
      adrian

  • Kai Flo  On Juni 26, 2011 at 7:37 pm

    Guten Abend auch von meiner Seite,

    ein wirklich sehr hilfreiches Tool ist der Margin Calculator der Eurex (http://www.eurexchange.com/education/tools/margin_calculator_de.html).
    Damit kann sich die zu hinterlegende Margin, die die Eurex für ein Produkt verlangt ausrechnen.
    Die Online Broker wollen meist die doppelte Sicherheitsleistung der Eurex haben. Also muss man bei einem ungedeckten Verkauf einer Option bei der Eurex 500€ Margin hinterlegen, so gilt das nur für direkte Mitglieder der Eurex. Handelt ein Privatkunde über z.B. Consors oder die DAB, so muss man dann 1.000€ bereithalten.

    Viele Grüße,

    Kai

  • Lars Kirchner  On Juni 27, 2011 at 7:08 pm

    Hallo an Alle,

    ist das mittlerweile so das man 100% Aufschlag zur Eurexmargin bei Consors und DAB hinterlegen muss?
    Als ich noch Consorskunde war haben die dort 50% zusätzlich verlangt.
    Onvistabank staffelt aktuell das ganze nach Volumen der gesamten Shortpositionen und beginnt mit 30% (bis max.60%). Das doppelte wäre echt heftig und würde das Optionshandeln für den Privatanleger fast unrentabel machen.

    Gruß Lars

    • Adrian Gohla  On Juni 27, 2011 at 8:46 pm

      50% bei Consors sind es immer noch, soweit ich weiß. Ich achte aber vielleicht nicht so sehr darauf.
      gruss
      adrian

  • Kai Flo  On Juni 28, 2011 at 11:45 am

    Den Aufschlag bei Consors kenne ich persönlich nicht, habe es nur so von einem Kollegen gehört. Aber bei der DAB sind auf jeden Fall 100% Aufschlag.

    LG

    • Lars  On Juni 28, 2011 at 4:55 pm

      Konnte mir auch nicht vorstellen das Consors jetzt mehr nimmt als die mir von früher bekannten 50%. Consors war einer der ersten Anbieter eines wirklich guten Onlinegeschäfts was die Eurex betrifft. Leider ist deren Gebührenstruktur für bestimmte Strategien ungünstig gestrickt.
      Soweit ich weiß bietet die DAB nur telefonischen Eurexhandel an. Ist das noch so?

      Gruß Lars

  • Philipp  On Juni 29, 2011 at 1:10 pm

    einen Leerverkauf erreicht man am besten mit Optionen, in dem man einen Put kauft und einen Call mit gleichem Strike und Laufzeit verkauft. somit hat man ein Delta-1-Produkt und erreicht das gleiche wie bei einem normalen Leerverkauf mit Aktien. 🙂

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