Polnische Kreditnehmer und der teure Schweizer Franken – droht jetzt eine Katastrophe?

Das Problem habe ich oft in meinen Beiträgen thematisiert. Die Polen lieben das Risiko, mehr als etwa ihre deutschen Nachbarn. Immer noch haben Versicherungen Schwierigkeiten, an der Weichsel festen Fuß zu fassen. Die bei uns so beliebte Altersvorsorge ist dort seit Jahren in Kinderschuhen und wird bestenfalls durch westliche Banken in den Medien beworben. Ds Interesse bleibt gering.  Während aber die Deutschen sich schwertun, in alternative Investments ihr Geld zu parken, scheinen die Polen keine Berührungsängste bei hochriskanten Geldanlagen zu haben. Diese Schlussfolgerung drängt sich sofort auf, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Immobilienkredite in Fremdwährungen vergeben worden ist. Zu den bevorzugten Währungen gehörten der japanische Yen und natürlich der sichere Hafen – der Schweizer Franken. Das Prinzip ist einfach. Ich nehme 100.000 in CHF und zahlen niedrige Zinsen, muss aber nach Ende der Kreditlaufzeit den Betrag im Franken zurückzahlen. Der Punkt ist nur, dass die Immobilie mit polnischem Zloty bezahlt wurde und  ich auch in Zloty mein Einkommen beziehe. Habe ich Pech, und der Franken nun mehr als zum Laufzeitbeginn kostet, dann muss ich wohl viel mehr Zloty ausgeben, um den Krdeit zu tilgen. Für mich wäre ein solches Konstrukt ein No Go aber viele Polen erschreckt es nicht. Die Banken kommen einem sehr entgegen und erlauben oft eine variable Tilgung. Wie auch immer, eine Lösung ist es nicht, meist hat man den zu tilgenden Restbetrag zu Hand, sonst würde man ja keinen Kredit aufnehmen.

Nun schlägt inzwischen auch die polnische Presse Alarm und in wprost.pl  habe ich zum Beispiel einen interesanten Artikel gefunden.

http://www.wprost.pl/ar/254024/Gdzie-uciec-przed-drogim-frankiem/

Demnach hat die Regierungskoalition beschlossen, dass die Tilgung in Zinszahlung eines in Fremdwährung aufgenommen Kredits auch in der Fremdwährung möglich sein sollte. Bis jetzt durfte man nur den polnischen Zloty verwenden. Der Vorschlag ist halbherzig, weil er nur die Symptome anpackt. Profitieren werden letzten Endes nur die wiederauferstandenen Wechselstuben – „Kantory“. Diese Institution war fast ausgestorben nach den Boomjahren 1990-2000.  Ich kann mich selbst erinnern, 1991 in einem schäbigen Hinterhof, meinen Verkaufserlös gegen DM  gewechselt zu haben. Vor der Tür stand ein selbsternannter „Wachmann“ und ansonsten waren die Kontory günstig und zuverlässig.

Mit dem Einzug der Banken ging ihre Ära zu Ende. Jetzt aber werden sie wahrscheinlich wieder gefragter, da sie einen deutlich geringeren Spread als die Banken anbieten.

Ist das aber die Lösung des polnischen Problems? Sollen jetzt die Arbeitnehmer monatlich zum Kantor laufen? Es gibt noch eine andere noch unrealistischere Alternative. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt in Fremdwährung. 🙂 Der Autor des Beitrages kennt aber keinen, der soetwas tut.

Soviel zum Artikel in „Wprost“.

Es gibt nur eine nachhaltige Lösung der Fremdwährungskredite. Man muss sie von Anfang an im Terminmarkt absichern. Es gibt genug Finanzinstrumente, die sich dazu eignen.  Es könnte das klassiche Spot-Geschäft sein. Ich verkaufe CHF gegen  Zloty. Hier zahle ich allerdings im Endeffekt der polnischen Zinssatz, den ich gerde vermeiden wollte. Auch Optionen könnten zum Einsatz kommen. Konkurrenz belebt das Geschäft, aber scheinbar finden sich zurziet wenige Firmen, die hier Unterstützung leisten .

Um die Dimensionen des Problems zu verdeutlichen, habe ich unten eine Grafik  mit dem Verlauf der Kurse CHF/PLN gezeigt ( m.f.G. http://www.tradesignalonline.com)

Demnach kostet jetzt der Franken 3,6 Zloty, während man vor einem Jahr nur 2,8 PLN zahlen musste.

Implikation am Beispiel: Ich habe ein Haus für 100.000 CHF fremdfinanziert vor einem Jahr gekauft, dann kostet es jetzt fast 29% mehr. Der Zinsvorteil ist damit gänzlich zunichte gemacht.

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