Wie ist die Stimmung im Markt – was taugen die Sentiment-Indikatoren für DAX-Prognosen?

Es gibt mittlerweile nur 3 Millionen Aktienbesitzer in Deutschland. Es gibt eine wachsende Gemeinde von Intradaytrader, die meist einer der folgenden Gruppen  entstammen:

– ehemalige Bänker, die abgefunden worden sind

– Studenten, Arbeitslose oder gerade erst seit kurzem Berufstätige

– Autoren von Börsenbücher, Seminarreferenten, die auch als Zeitbertreib zur Belegung ihrer  Glaubwürdigkeit Trading betreiben

– Kinder reicher Eltern – z.B. vor zwei Wochen hat sogar die FAZ eine ganze Seite einem solchen Daytrader gewidmet, dessen Eltern Ärzte sind.

– Unternehmer im Ruhestand, denen es zu blöd ist, ins Kasino zu gehen.

Vertreter aller dieser Gruppenhabe ich schon im Zusammenhang mit Trading getroffen.

Darüber hinaus werden die Märkte durch eine Vielzahl automatischer Handelsaktivitäten beeinflusst. Die Erfolge unterscheiden sich hier erheblich. Große Hedgefonds tun sich oft schwer, auf Dauer Geld zu verdienen. Einige von Ihnen sind jedoch zeitweise erfolgreich, wenn sie systematische Handelssysteme einsetzen. Oft werden aber deren Zahlen nicht veröffentlicht, solange es gut läuft. In der Regel arbitriert sich der Vorteil nach einiger Zeit aus.

Insgesamt sind die Banken gerade in Deutschland sehr vorsichtig geworden. Die meisten von ihnen betreiben  nach meinen Recherchen kaum noch Eigenhandel in Deutschland, wohl aber in ihren Geschäftsstellen in London und NY.

Warum schreibe ich es? Nun, staune ich, dass trotz dieser recht diffusen Struktur der Markteinflüsse die sogenannten Sentimenterhebungen im Rahmen der behavioral finance stets so gefragt sind. Letzten Endes werden in diesen Erhebungen viele institutionelle Anleger nach ihrer Stimmung gefragt. Aus den Ergebnissen dieser Umfragen entwickelt man Indikatoren, die wiederum eine Hilfe beim Trading sein sollen.

Wirklich?

Ich weiß selber nicht. Manches spricht dafür. Der Urgestein der Sentiment-Analyse Joachim Goldberg scheint schon seit Jahren, nach dem Verlassen der Deutschen Bank  gut von der behavioral finance zu leben. Seine Firma Cognitrend erscheint faktisch überall, wo es um Aktien und Devisen geht. Man findet seine Kommentare auf der Seite der Deutschen Börse aber auch auf den Seiten der Deutschen Bank.

http://www.boerse-frankfurt.de/DE/index.aspx?pageID=44&NewsID=6072

http://www.db-markets.de

In der Tat, wenn man sich den Stimmungsindikator („Bull/Baer – Index“) anschaut, dann stellt man durchaus fest, dass die Stimmung im deutschen Aktienmarkt bereits Wochen vor dem Sturz im August negativ war. Scheinbar dauert es dennoch lange, bevor sich diese Tendenz auf die Handelsentscheidungen auswirkt. Für mich sind die Erhebungen deshalb bedeutungslos. Aber irgendwas muss dran sein. Sonst würden Investoren nicht Geld dafür zahlen. Und überhaupt sind nur wenige Analysen kostenfrei. Ich denke, die Investoren, die diese kostenpflichtigen Analysen ordern, glauben, einen Marktvorteil gegenüber den anderen zu besitzen. Eine Stimmungserhebung (Umfrage) ist aufwändig und deshalb darf sie teuer sein. was sie aber taugt, steht auf einem anderen Stern.

Ich selbst bin fest davon überzeugt, dass die Sentiment-Analyse einem Investore wenig hilft, Geld in Märkten zu verdienen. Die Menschen handeln oft anders als sie denken, und sie sagen oft nicht ihre echte Meinung. Oft machen sie sich etwas vor und außerdem die Investoren wechseln oft die Meinung, nachdem sie sie gesagt haben.

Ein weiterer Anbieter der sog. behavioral-Analyse sentix.de macht es sehr professionell. Hier gibt es auch faktisch nichts zum Nulltarif. Ich habe aber herausgefunden, dass diese Firma vor einem Jahr über Universal-Investment-Gesellschaft mbH einen Fonds aufgelegt hat.

Heir die Kennzahlen

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Das Prospekt sowie der aktuelle Performancebericht finden Sie auf der sentix.de Seite

http://www.sentix-am.de/index.php/monatsreporting/juli-2011.html

Offensichtlich werden die Anlageentscheidungen hauptsächlich durch die behavioral finance beeinflusst. Und was sehen wir als Ergebnis dieser Investmentstrategie? Keine Abweichung von dem Hedgefonds -Durchschnitt nämlich einen Nullsummenspiel oder besser gesagt “ außer Spesen nichts gewesen“.

Die Performacne hat sich innerhalb eines Jahres  kaum verändert und steht zurzeit bei 1,5 % imPlus, was auch schon ein Erfolg ist. Ich würde dennoch ein Sparbuch bei einer großen Retailbank als Alternative ( Postbank oder eine Diektbank) empfehlen.

Oder ich verlasse mich auf Nachrichten wie im folgenden Spiegelbericht.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,781784,00.html

Arbeitsplätzeabbau in Banken ist eine Folge der Basel III MaRisk und sonstiger regulatorischer Fessel und mag den Anfang der Rezession markieren. Das sagt mehr über die Stimmung aus.

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