Wetterderivate

Der Einsatz von Wetterderivaten könnte allmählich interessant werden. Es hat Jahre gedauert. Und bis jetzt ist kein echter Markt entstanden, aber etwas scheint sich zu bewegen.

Ich will hier nicht genau erklären, was Wetterderivate sind. Darüber mehr auf Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wetterderivat

Es geht letzten Endes um das Wetten auf bestimmte vom langjährigen Durchschnitt  abweichende Wetterphänomene. Es kann die Temperatur oder auch die Niederschlagsmenge sein. Verwendet werden die typischen Instrumente der Finanzindustrie – Optionen und unbedingte Terminkontrakte – Futures. Denkbar sind auch Swaps.

Die Idee ist nicht neu und dennoch relativ unbekannt in Deutschland. Dabei erfüllt der Basiswert Wetter meines Erachtens viele Grundvoraussetzungen für einen effizienten Terminmarkt. An der Tatsache, dass man das Wetter nicht beeinflussen kann, scheiden viele Spekulanten aus, die sonst in de r Lage wären, die Preisentwicklung zu „stützen“. Die Transaktionen könnten vorrangig nur zur Absicherung eingesetzt werden.

Die potenziellen Interessenten an Wetterderivaten könnte ich stundenlang auflisten:

1. Reiseveranstalter die sich gegen den wetterbedingten Rückgang der kurzentschlossenen Fernreisenden versichern wollen

2. Gewerbetreibende in Ferienorten (Freizeitparks, Außengastronomie)

3. Bauern

4. Energiekonzerne

5. Privatpersonen, die sich für den verregneten Sommer entschädigen lassen

und viele mehr.

Faktisch besteht jedoch kein großes Interesse an Wetterderivaten. Die EUREX erlaubt schon seit langem den Handel mit Wetterfutures. Per gestern habe ich keine offene Position auf der Eurexseite entdeckt. Niemand hat in den letzten Tagen/Monaten Wetterderivate über Eurex  gehandelt.

http://www.eurexchange.com/trading/products/WED/USA/U11/products_de.html

Wen wundert’s. Es werden irgendwelche Hurrikan-Futures in den USA angeboten. Wenig, um das breite Publikum zu begeistern.

In den USA werden diese Produkte auf der CME gehandelt.

http://www.cmegroup.com/trading/weather/temperature/weekly-weather_contract_specifications.html

Ich weiß nicht genau, wie liquide der Markt dort ist, sicherlich passiert dort mehr.

Es fehlt also bei uns der standardisierte Markt und die stets an Innovationen interessierten Banken haben offenbar kein Interesse, hier etwas zu ändern. Zeitweise habe ich geglaubt, dass ein funktionierender Markt mit Wetterprodukten  prinzipiell nicht möglich ist. Wenn ich mich gegen kalte Temperaturen im Sommer absichere, dann muss jemand auf das Gegenteil setzen.  Wem schadet aber ein heißer Sommer? Sicherlich profitiert die Reisebranche  weniger vom heißen als vom verregneten Sommer. Aber wer noch?

Wenn ich in einem Wintersportort vom Schneefall und tiefen Temperaturen abhängig bin, dann kaufe ich mir eine Option, die mir die den ausgebliebenen Schneefall vergütet. Andere Branchen freuen sich, wenn es warm wird im Winter, da sie dann geringerer Betriebskosten haben.

Es gibt also theoretisch doch einen Markt. Dieser ist jedoch schwer zu standardisieren.  100 Wetterstationen sind nicht mit einer Börse zu vergleichen, an welcher ein für alle transparenter Index sekündlich gerechnet wird.

Die Wetterderivate können deshalb nur auf OTC Basis etabliert werden. Ich gehe zu einem Anbieter, der einen Kontrahenten für mich findet. Wir beide schließen einen Vertrag ab. Die Bank oder der Broker könnten ev. als zentraler Kontrahent den Austausch von Sicherheiten koordinieren analog den TriParty Repos über die EUREX Repo Plattform.

Ein zentrales Orderbuch analog Xetra-Orderbuch, wo Hunderte Teilnehmer auf den Wert einer bestimmten Abweichung  der Durchschnittstemperatur wetten,  ist für mich gegenwärtig unvorstellbar. Das funktioniert bei uns nicht einmal für Aktienoptionen, sodass die EUREX faktisch überall Market Maker einsetzt.

Ein weiteres Problem, welches einen breiten Zugang der institutionellen Kunden zum Markt der Wetterderivate verhindert, sind die regulatorischen Anforderungen an das Eigenkapital der Handelsteilnehmer.  Alle aktiven Posten in den Bilanzen müssen zeitnah, sogar täglich bewertet werden. Die Bestimmung des Liquiditätspuffers  ist auf dieser Basis künftig täglich durchzuführen. Bei Wetterderivaten mit einem unbekannten Risikoprofil wird es besonders schwierig, die Bilanzposten richtig zu bewerten.

Trotz alle offensichtlichen Argumente bin ich der Meinung, dass sich hier noch etwas tun wird. Gerade zurzeit findet ein Umdenken statt. Ereignisse wie „Irene“ zeigen uns auf, wie verletzlich und hilflos  und auch wie unvorbereitet wir Menschen auf die voranschreitende Klimaänderung reagieren.

Beim längeren Recherchieren stellte ich allerdings fest, dass das zurzeit allgegenwärtiges Risikomanagement doch noch das Phänomen Wetter erfasst hat. Es gibt nicht nur neue Diplomarbeiten sondern auch die ersten vorsichtigen wirtschaftlichen Aktivitäten.

Das Schweizer Start-Up Unternehmen celsiuspro ist hier ein gutes Beispiel:

http://www.celsiuspro.com/Home/tabid/36/language/de-DE/Default.aspx

Das Geschäftsmodell überzeugt mich, das faktische Angebot  weniger, bzw. ich habe es nicht ganz verstanden. Es werden Zertifikate angeboten, die jeder für sich zusammenstellen kann. Unklar für mich bleibt, zumindest anhand der Internetseite, wer der Kontrahent ist, wie liquide der Markt ist usw. Aber andererseits ist diese Idee ein Schritt in die richtige Richtung und sie ist auch für Privatinvestoren umsetzbar.

Das Unternehmen gehört der Weather Risk Management Association  (WRMA) an. Auf deren Seite fand ich einen Hinweis, dass der Umsatz mit Wetterderivaten im Jahr 2010/ 2011 um 20% gestiegen ist.

Unten noch ein weiterer Link der FAZ zu dem Thema.

http://www.faz.net/artikel/S31501/wetterderivate-gegen-dauerregen-und-tropenhitze-30093509.html

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