Gold – Tanz auf dem Vulkan

Na endlich ein kritischer Artikel zu Gold.

Ein Fondsmanager macht etwas Werbung für seine Investmentstrategie im „Handelsblatt“. Dabei aber fallen ein paar kluge Worte zum Thema Gold.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/gold-ist-eine-ganz-heisse-spekulation/4533166.html

Ich kann bis heute dem gerne zitierten Argument nicht folgen – Gold sei ein sicherer Hafen gegen Inflation. Denn den wahren Goldwert kennt man nicht. Die Verwendungsmöglichkeiten des Goldes  bleiben seit Jahrtausenden die gleichen. Es ist also unsere Einschätzung, unsere Erwartung der Inflationsentwicklung. Nichts mehr. Die aktuelle Hausse ist für mich deshalb ein klassisches Beispiel einer Blase, die irgendwann mit einem gewaltigen Krach platzen wird. Sie zeigt verblüffend viele Ähnlichkeiten mit der Dotcom Blase 1996-2000.

1. Keine rationale Begründung. Ähnliche Entwicklung sahen wir vor 12 Jahren im sog. „Neuen Markt“. Zuerst stiegen die Aktien neuer innovativer Unternehmen, was auch nicht schlimm ist. Der Markt sollte es später richten und die Kurse bereinigen. Er hat es aber nicht getan. Getrieben durch Gier kauften immer mehr Privatanleger Aktien aus dem Neuen Markt und den Analysten gingen irgendwann die Argumente aus. Eine Firma die keinen Gewinn erwirtschaftete, kostete mehr als ein Automobilbauer aus dem DAX. Man versuchte die klassischen Bewertungsmethoden durch neue zu ersetzen. Plötzlich galt nicht der Nettogewinn sondern der Cashflow oder noch besser die Anzahl der Besucher der Internetseite als Maßstab für die Schätzung der Kursentwicklung der Aktie. Ähnlich jetzt fehlen die Argumente, um einen weiteren Anstieg des Goldpreises zu begründen.

2. Fantastische Kursziele. Neulich habe ich gehört, ein Preis von 5000 $ ist kurzfristig realistisch.

3. Fehlende charttechnische Orientierung. Damit meine ich die Tatsache, dass der Goldpreis so hoch im Moment wie noch nie ist. OK, man könnte historische Charts mit der Kaufkraft gewichten, dann liegen wir nur knapp über dem all-time-high, aber in absoluten Zahlen betrachtet, gibt es keine „Kurswiderstände“. Mit dem DAX war es 2000 ähnlich.

4. Eine allgemeine Hysterie. Mittlerweile gibt es Sendungen im Privatfernsehen, wo sich alles nur ums Gold dreht. Smarte Goldhändler informieren ausgewählte Besitzer vom Goldschmuck, wie viel sie für die Kette oder für den Ring erhalten würden. Darauf folgt ein lautes „Wahnsinn, dat hätt‘ ich mir nicht gedacht“. Wie war es in den Jahren 1996-1999?  Gab es damals nicht täglich Sendungen über Börse, endlose Talkshows, Kursprognosen,  neue Börsengänge und unzählige Experten.  und das nicht enden wollende Gefühl, endlich  bald unabhängig zu sein, und zwar ohne zu arbeiten.

5. Crash-Propheten. Es gab sie auch damals in der Dotcom-Blase. Warnungen gab es genug und sie kamen meistens zu früh. So wie jetzt. Ich habe Anfang des Jahres eine mathematische Studie zitiert, welche mit  einem Crash im Goldpreis im Juni 2011 rechnet. Es war wohl zu früh.

6. Ungewöhnlich starke Kurskorrektur trotz einer ausgesprochen guten Stimmung. Der Goldpreis sank heute um 2,3% und hat sich inzwischen um 6% von seinen Hochs in wenigen Tagen entfernt. Die Volatilität ist mittlerweile auch deutlich gestiegen, s. Chart mit freundlicher Genehm. http://www.tradesignalonline.com. Es scheint keinen zu stören.

Ich habe mich auf jeden Fall mit ETFs auf fallenden Goldpreis eingedeckt. Jetzt nur noch warten. Wissen Sie übrigens, das der Goldpreis im Jahre 2000 irgendwo in der Gegend von 270 $ lag?

 

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Kommentare

  • hedgie  On August 31, 2011 at 12:03 pm

    der Gold-Short kann auch ordentlich nach hinten losgehen, das ist uns allen klar!
    Denke selber auch das wir eine Blasenbildung bei Gold haben, allerdings halte ich es nicht für wahrscheinlich das Sie sehr bald langfristig platzen wird, dafür gibt es zu wenig „nervöse“ Zeichen im Kurs. Obwohl ich denke das der Goldpreis die nächsten 0,5 – 2 Jahre weiter steigen wird, halte ich es für zu spät um sich langfristig in Gold zu engagieren … als Inflationsschutz schon lang nicht mehr …

    Wenn man aber wiederum Gold langfristig schon hält (aus welch auch immer Voraussicht heraus), dann halte ich einen Vewrkauf für definitiv übereilt. Kursziele von weiteren 50% Anstieg empfinde ich nicht als unmöglich…

    LG hedgie

  • gmargtrader  On August 31, 2011 at 8:01 pm

    schau mir gerade monats und wochenchart an. exessiv siehts aus, aber zeichen das es fällt (zum Beispiel Umkehrstab im Monat) ist noch nicht zu sehen. mal abwarten alles brauch zeit.

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