Scheitert diese Bank an der Devisenintervention der SNB?

Der UBS droht der nächte Verlust in Folge und wenn nicht das Ende des Investmentbanking, dann zumindest seine Neuausrichtung.

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:nach-milliardenverlust-britische-und-schweizer-aufsicht-untersuchen-ubs/60105390.html

Die Spekulationen um den angeblichen Milliardenbetrug bei der UBS nehme deshalbn kein Ende. Dabei wissen die meisten, die es schreiben, nicht einmal, was die Abteilung des Kweku Adoboli überhaupt macht. Delta 1 – was ist das?

Was ist Delta 1  Hedging

Auf den ersten Blick einfach zu erklären, da es alles oder  nichts bedeuten kann. Delta bezeichnet zum Beispiel die Veränderungsrate des Optionspreises gegenüber dem Basisobjekt. Im besagten Skandal dürften auch Optionen im Spiel gewesen sein, jedoch nicht alleine. Die UBS- Abteilung Delta 1 vertreibt u, a. Exchange Traded Funds. Diese Produkte, in der letzten Zeit sehr in Mode gekommen, sind endlos laufende Zertifikate, die einen Basiswert abbilden sollen, sonst aber können alles Mögliche enthalten.

Schauen Sie sich bitte,  ein vergleichbares Produkt der Deutschen Bank an – ein ETF auf den DAX  (WKN DBX1DA). Ich mache hier definitiv keine Werbung, besitze aber selbst das Zerti im Portfolio, und ich kenne viele, die es auch gekauft haben.

Wie funktioniert ein solches Finanzprodukt? Unten habe ich einen Auszug aus dem Verkaufsprospekt angehängt.

http://tiny.cc/owrsj

Durchgelesen? Schlauer? Nein!. Sie wissen noch weniger als vorher. Dann helfe ich Ihnen.  Achten Sie auf diesen Satz

Transaktionen mit derivativen Finanzinstrumenten sind zulässig. Diese Transaktionen können zu Hedging-Zwecken und/oder für ein effizientes Portfolio-Management und/oder zur Schaffung von Exposure des Teilfonds in Bezug auf den Basiswert durchgeführt werden.

Hier liegt der Hund begraben. ETFs bilden den Index ab, aber sie können aus völlig exotischen Produkten bestehen: Swaps, Aktienoptionen, Devisentermingeschäften und so weiter. Der Kunde sieht am Ende lediglich die Kursentwicklung des ETF, die der des Deutschen Leitindex DAX ähnelt, im Idealfall sie sogar eins zu eins abbildet (deshalb Delta 1). Er ahnt nicht, dass zwischen diesem Produkt und der zugrunde liegenden Transaktion der Bank ein Gewinn oder eben ein Verlust für die Bank liegen könnte. Das Geschäft soll lukrativ sein und eine der letzten starken Säulen des leidenden Investmentbanking. Lukrativ und gefährlich allen Risikomodellen zum Trotz.

Denn, hinter der scheinbar ruhigen Kursentwicklung des ETF findet permanent das Delta 1 Hedging statt. Das Portfolio muss ständig nachjustiert werden, Aktien werden dazugekauft und Absicherungsgeschäfte abgeschlossen. Dieses Rebalancing ist aber eine gefährliche Angelegenheit. Das haben wir schon 1987 erlebt. Damals als plötzlich niemand kaufen konnte, wurde es schwer, Aktien zu verkaufen, nur weil die Strategie es vorgesehen hatte. Der Markt bleibt das Ergebnis der freien Handelsentscheidungen der Individuen und kein Naturgesetz.

Was war nun die Ursache für den Riesenverlust?

Ich vermute, mehrere Faktoren spielten eine Rolle, aber es nur einen Auslöser gab.

Denkbar sind zwei Szenarien, so das Ergebnis der Analyse von Blog- und Presseartikeln sowie aufgrund des eigenen Mitdenkens.

Der Auslöser war der starke Anstieg des Schweizer Franken und die Intervention der Schweizer Nationalbank, die den maximalen Umtauschkurs auf 1,2 CHF/Euro in den letzten Wochen festlegte.

  1. Der Händler setzte aus welchen Gründen auch immer Gründen voll auf den Franken und wurde durch die Intervention sozusagen auf falschem Fuß erwischt. Danach konnte er per Definition gar nichts mehr tun handelte wie ein Zocker, der 10 Mal auf Rot in Kasino gewettet hatte und zehn Mal in Folge Schwarz kam. Dann setzte er eben alles noch einmal auf Rot.
  2. Viel überzeugender erscheint mir ein anderes Szenario. Dies hängt mit dem o. b. Rebalancing bzw. dem Delta -1 Hedging zusammen. Hier ein FAZ-Artikel dazu.

http://www.faz.net/artikel/S31721/milliardenverlust-ubs-von-der-nationalbank-auf-falschem-fuss-erwischt-30687578.html .

Im Vordergrund stehen hier Optionen, die bekanntlich unter anderem stark von der Volatilität abhängen. Diese sog. Implizite Volatilität spiegelt jedoch nichts anders als die Erwartung der Marktteilnehmer bez. der weiteren Kursentwicklung des Basiswertes wider. Diese erwartete Schwankungsbreite wird wohl nach der Intervention der SNB stark gefallen sein. Laut FAZ sank sie von über 20% auf 5%. So etwas kann gravierende Folgen für die Inhaber der offenen Optionspositionen auf der Longseite haben, besonders wenn es sich dabei um die sog. am Geld Optionen handelt, die mit dem Basispreis um 1,2 CHF/Euro ausgestattet sind.

Vermutlich hängt dieses Szenario mit dem ersten zusammen. Kweku kaufte massiv direkte oder indirekte Kauf- und Verkaufsoptionen auf den Franken. Ein solches Geschäft- Straddle, kann sehr lukrativ sein. Ich kenne viele Optionshändler, die schwärmen von einer solchen Kombination. Was kann da schon schief gehen, in irgendeine Richtung wird sich schon der Basiswert bewegen. Ich bin da eher skeptisch und schaue mir vorher die Historie an und außerdem versuche ich immer an das Schlimmste zu denken.

Die gefallene Vola war ja ohnehin Gegenstand der Diskussionen in den Foren. Zuletzt hat Jens Rabe drüber diskutiert, ob es sich doch lohnen würde, Calls zu verkaufen. Nur wer würde diese überhaupt noch kaufen???!

http://www.eltee.de/kolumnen_id.php?id=23834

Und wahrscheinlich genau vor diesem Dilemma stand Kweku Adoboli. Ee saß auf unzähligen Optionspositionen und musste schauen, dass diese quasi über Nacht dezimiert werden.

Alles nur Spekulation aber denkbar ist es allemal. Stellen Sie sich vor, die Bundesregierung würde heute mitteilen, sie will die Schwankungen des DAX auf maximal 30 Punkte am Tag einschränken. Technisch ist es machbar. Sie müsste nur den FDAX stets gegenhandeln, sobald Grenzen erreicht werden. Wahrscheinlich käme es überhaupt nicht zu einer signifikanten Kursveränderung, da dies stets im Vorfeld wegarbitragiert würde. Die aus-dem-Geld Optionen auf DAX wären plötzlich kaum etwas wert, die Intradaytrader wären insolvent und so weiter.

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Kommentare

  • rhein-main  On September 24, 2011 at 1:52 pm

    Der Chef der Schweizer Großbank UBS, Oswald Grübel, ist zurückgetreten. Das teilte die Schweizer Großbank am Samstag in Zürich mit. Der Verwaltungsrat habe Grübels Rücktrittsgesuch angenommen, hieß es in einer Mitteilung. Na das hat aber lange gedauert. Wie kann es denn sein, dass einzelne Händler eine Bank und damit uns alle um 2 Milliarden Euro schädigen können, ohne, dass das Management dies überhaupt merkt. Die ganze Bankenaufsicht müsste auch noch entlassen werden.

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