Die Börsenwoche vom 17-21.10.2011

Eine recht unspektakuläre Woche geht zu Ende. Ist es Ihnen auch aufgefallen?  Jeden Tag wird die gleiche Horrorstimmung verbreitet und den Börsenhändlern scheint es egal.  Mir auch. So wie ich denken wohl viele, denn die Kurse steigen. Es herrscht ein Grundvertrauen in die Politik, Banken und Finanzmärkte.

Die aktuellen Verhandlungen zur Lösung der  Euro/Finanz/Schuldenkrise(n) würden schon zu etwas führen, was nicht dem Weltuntergang gleichzusetzen ist. Dieses Grundvertrauen wird natürlich immer wieder durch kurze Phasen der kollektiven Unsicherheit begleitet. Dann springen plötzlich alle auf den fahrenden Zug und kaufen oder verkaufen, kopflos.

Was kommt noch auf uns zu? Schuldenschnitt in Griechenland? Dieser würde bedeuten, dass die Gläubiger mind. 60% ihrer Kredite nicht zurückerhalten werden. Woher sollten sie dann das Kapital holen? Von den ersten Budgetkürzungen bei den Großbanken hört man bereits.

Wieviel Geld fehlt noch im Rettungsschirm?

Allen Pessimisten zum Trotz, die D-Mark wird nicht zurückkommen. Und das beruhigt die Börsianer. Die Unternehmen verdienen und sparen. Das ist auch gut.

Die Börse lebt jedoch ein Eigenleben, das von Erwartungen getragen wird und nicht nur von Fakten. Aber das wissen wir schon.

Es gab einen kleinen Verfall an der Eurex. Die Index- und Aktienoptionen mit dem Verfall im Monat Oktober sind ausgelaufen. Die wichtigste Konsequenz ist, die Tatsache, dass wenn ich als Stillhalter in Optionen im Geld bin, dann werde ich heute Abend ausgelost, und darf am Montag Aktien liefern, diese kaufen oder einen Differenzbetrag zahlen.

Beides trifft diesmal für nicht zu. Alle meine Optionen sind wertlos ausgelaufen und ich vereinnahmte eine recht hohe Prämie als Gewinn. Darüber schreibe ich später einen separaten Artikel.

Ich werde wohl nicht der einzige sein, der zurzeit Gewinne macht. Die heute beginnende World-Of-Trading Messe in Frankfurt, scheint einen großen Zulauf zu haben. Viele meiner Bekannten wundern sich, dass ich nicht dabei bin. Ich folge aber nur einer langjährigen Tradition und bestellte Tickets , ging dennoch nicht hin. Naja, so war es natürlich nicht. Ich wäre schon hingegangen, zumal die Röcke der Hostessen, die übrigens viele Jahre zu den einzigen weiblichen Messebesuchern gehörten,  mittlerweile sehr kurz geworden sind.

Über die WTO habe ich auch sonst eine geteilte Meinung. Einerseits ist es meine Welt, definitiv. Andererseits kommen dort auch viele Traumtänzer, Spielsüchtige und Wichtigtuer. Ja, es gibt auch gute Referenten und engagierte und aber auch erfolgreiche Trader.

Ich selbst sollte vor zwei Jahren ein Seminar über Optionen abhalten. Aus persönlichen Gründen sagte ich damals ab. Vielleicht im nächsten Jahr…

Trading und Investment sind ein schweres Geschäft. Ein Nullsummenspiel, in dem dennoch die mesiten Privatanleger verlieren, weil sie zu große Verluste akzeptieren und zu kleine Gewinne mitnehmen. Oder weil sie keine Chance gegen hochkapitalisierte Investoren haben, die sich erstens untereinander kennen und oft absprechen und zweitens die in der Lage sind, mit dem Kundengeld große Kurssprünge auszulösen. Beispiel heute, bis zum Verfall der DAX-Optionen um 13:00 Uhr war die Welt in Ordnung. Kaum Veränderung. Und danach? Zwischen 13:10-13:50 Uhr stieg der Index gleich um 100 Punkte an. Dieser Markt hat nichts mit der Griechenkrise zu tun und auch nichts mit irgendwelchen Naturgesetzen. Er ist einfach das Produkt der gezielten Manipulation. An einem solchen Tag wie heute zumindest. Manipulation plus Herdentrieb und Verunsicherung, die jedoch schnell in das Grundvertrauen übergeht.

Zu den weiteren Aussichten bleibe ich bei der Behauptung, dass wir in der Hausse sind. Der Markt ist ruhig, die Volatilität brach heute um sagenhafte 8% ein.

Wie der Chart unten zeigt ( m.f.G. http://www.tradesignalonline.com), ist die Luft bis auf 6600 frei. Bei 6260 wäre eine Wende auch denkbar. Es hängt stark davon ab, wie groß die neuen Überraschungen in der Griechenkrise ausfallen werden.  Das kann natürlich schon am kommenden Wochenende einen Strich durch die Rechnung ziehen. Indikatoren wie der MACD bestätigen übrigens meine Hausse-Hypothese.

Übrigens auf der Fahrt zum Kunden durch den sonnengebadeten Taunus hörte ich eine Nachricht, die mich sehr nachdenklich machte. Eine Finanzbeamtin klagte und bekam Recht.

Das Gericht erkannte Berufskrankheit durch PC an.

http://www.heise.de/resale/artikel/Gerichte-erkennen-Sehnenscheidenentzuendung-als-Berufskrankheit-an-1251560.html

Warum kein Unternehmensberater, kein Manager, kein Lastfahrer, warum auch kein Wissenschaftler. Sie können sich nicht vorstellen, wieviele Stunden ich als Physiker, später Softwareentwickler und Analyst, als „Heimarbeiter“ an der Börse vor dem PC verbracht habe.  Aus meinem Umfeld käme niemand auf die Idee, sich vom Staat freizuklagen.  Das Beamtentum hat leider auch Schattenseiten.

In meiner kleinen Firma arbeiten knapp 30 Menschen. Wenn jemand „krankgemeldet “ ist, dann heisst es oft, er liege im Krankenhaus. Trotzdem ist keiner gestorben oder berufsunfähig geworden. Woran liegt das? Bei meinen Kunden, welche oft Banken sind, werden aber viele krank.  Sie haben doch alle eine hoche Planungssicherheit, von der ich nur träumen kann…

Wären sie vielleicht  glücklicher, wenn man ihnen mehr Risiko zumuten würde…?

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