Börse und Stress

 

Die nicht enden wollende Weihnachtshektik ist ein willkommener Anlass, etwas über den Stress zu philosophieren. Wann ist Investieren stressig? Oder besser  – wann habe ich es anstrengend gefunden, wann gab es schlaflose Nächte? Ich muss zugeben, aus der Perspektive der letzten 14 Jahre werte ich es als den größten Erfolg, den Stresspegel so weit zu reduzieren, dass ich mich mittlerweile nur dann für die aktuelle Kursentwicklung interessiere, wenn ich Lust und Zeit dafür habe. Um ehrlich zu sagen, ist dies mein größter  Gewinn dieser Jahre.

Ich weiß zwar nie, wie lange meine Strategien Profite abwerfen werden, ich weiß aber, dass auch ein sehr hoher Ertrag den Verlust an Lebensqualität durch einen negativen Stress nicht rechtfertigt.

Hier die typischen Stressquellen und Situationen, die ich als Investor stressig empfand. Die Reihenfolge der Aufstellung ist nicht zufällig. Zuerst kommen die harmlosesten, am Ende die stressigsten Situationen.

1         Zu hohe Beträge in Aktien investiert, die ich gar nicht kannte. Diese Zeit ist endgültig vorbei. Zuletzt habe ich in den 1990-er Nasdaq-Aktien gekauft und verdiente dabei oder verlor viel. Um 15:00 Uhr gab es eine Empfehlung in den Foren. Die Ascend Communications wird steigen, da Übernahme o.ä. Aktie gekauft, sie fiel gleich um 5%. Dann verkauft, sie stieg daraufhin, dann gekauft und so weiter… In wenigen Tagen waren 3000 DM weg.

2        Trade-Verluste von 100-200 Euro. Wenn man es ein paar Mal nacheinander Geld verliert, für welches man sich einiges kaufen könnte, dann verliert man oft den Glauben an das eigene Handelsregelwerk. Es schmerzt, aber meist nur kurz.

3        Hohe aber kalkulierbare Risiken in Derivaten; Oft wurden mir die Risiken erst später bewusst. Wenn ich einen DAX Bullspread mit den Strikes 5800/6100 für 50 Punkte verkaufe, dann riskiere ich 1450 Euro, um 150 zu gewinnen. Wenn man sich auf so etwas einlässt, dann entweder spielt man, oder man ist von der statistischen Treffsicherheit der Methode überzeugt.

4        Hohe zum Teil unkalkulierbare Risiken. Diese waren meist die lukrativsten Geschäfte. Ich habe mit Leerverkäufen mit DAX-Optionen viel Geld verdient. Auch viel wenn auch weniger verloren. Die Risiken waren immens. Beispiel. Ich verkaufte für 30 Punkte 5 DAX Puts zum Strike 4600, was etwa 300 Punkte unter dem aktuellen Kurs lag. Sollte der DAX einbrechen und zum Laufzeitende bei 500 Punkten stehen, würde ich dann ca. 20.000 Euro verlieren. Nicht lustig, aber noch schlimmer war es bei Kaufoptionen. Diese könnten nämlich ins Unendliche stiegen. Dann wäre der Verlust sozusagen unbegrenzt. Klar, eine Aktie fällt eher auf  null, als dass sie unendlich steigt. Das Risiko bleibt trotzdem.

Pointe: Nicht die Verluste sind das Problem an der Börse, sondern zu hohe Risiken können einem aus meiner Sicht den Schlaf kosten.

In diesem Sinne allen teils seit 5 Jahren treuen Lesern ein frohes Fest!

Zum Schluss ein paar Impressionen. Das polnische Lied aus dem Jahr 1968, welches ich also nicht bewusst mitbekommen konnte, beeindruckt mich jedes Mal. Fröhliche junge Menschen, die während einer Schlittenfahrt ausgiebig feiern und singen, verkörpern die weihnächltliche Lebensfreude schlechthin. Der Clip ist ein Trailer zum gleichnamigen Film.

Als ich zuletzt vor 5 Jahren in Polen war und schaltete ich am 24.12 das Radio an, hörte es gleich.

 

 

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