Deutsch-Polnischer Stammtisch (DPS) am 9.06.2012

Ein Stammtisch ist eine sonderbare und sehr nützliche Institution. Und  eine sehr deutsche. Versuchen Sie es zu übersetzen. Im Polnischen gibt es diesen Ausdruck definitiv nicht. Die Polen ziehen eine andere Form der Geselligkeit vor. Dort trifft man sich eher privat, konspirativ.

Bei uns existiert  für jede Form eines friedlichen Beisammenseins ein Stammtisch. In meinem Ort zum Beispiel finden statt:

– Senioren

– Englisch

– Eltern

– CDU, SPD, FDP,

– Taunuswanderer

und Stammtische für  Mitglieder sämtlicher Vereine.

Meines Berufes wegen werde ich gleich zu drei Stammtischen eingeladen.

Ich finde die Institution des Stammtisches durchaus sinnvoll. Besser als sich gar nicht treffen oder gar miteinander reden. Es ist der typisch deutsche Pragmatismus. Zwar kann man auch am Arbeitsplatz auch miteinander reden und etwa das gemeinsame Mittagessen zelebrieren, aber ein ST hat einen deutlich höheren Mehrwert. Jeder bekommt die Möglichkeit, ohne große Kosten mit anderen mal zu plaudern oder bei Bier den meist wenig spannenden Gesprächen zu zuzuhören. Denn die Themen am Stammtisch drehen sich um die Belange des Vereins, des Berufs, der Kindererziehung u. ä.. Deshalb werden auch keine Freundschaften am Stammtisch geschlossen. Schon die Rangordnung bei der Tischbesetzung ist so geregelt, dass kaum die Gefahr besteht, neben einem Erzfeind zu sitzen.

Wenn also die Stammtische keine persönlichen Beziehungen stärken oder gar Freundschaften fördern, dann wozu sind sie überhaupt da? Machen wir uns dabei nicht etwas vor? Einerseits fühlen wir uns gezwungen, mit Menschen auszukommen, mit denen wir regelmäßig zu tun haben, andererseits wollen wir es nicht, bzw. sind uns oft zu fein, um auf den anderen einzugehen.

In Polen heißt es ganz einfach. Ich mag ihn, deshalb arbeite ich mit ihm. Und dann treffe ich ihn auch privat. Oder umgekehrt. Dann haben wir auch beruflich wenig miteinander zu tun.Heutzutage wird allerdings vieles aus dem Westen importiert, auch was die Geselligkeit angeht. So kommt es in Warschau vor, dass man abends weggeht. In England geht ebenfalls man halt gemeinsam trinken, was von vornherein eine lockere Runde verspricht, die dank Alkohol zu ertragen ist. Die Polen nehmen es mit dem Trinken etwas wörtlicher. Und wenn sind schon hingehen, dann … Eine brave Runde mit Kaffee oder gar alkoholfreiem Bier nach deutschem Muster wäre definitiv von den Polen kollektiv boykottiert.

Dennoch bleibe ich dem deutschen Stammtisch treu und werde nächste Woche gleich zwei aufsuchen, alkoholfreies Weizenbier trinken und erst danach die Pianobar im Hotel aufsuchen. Denn einen Vorteil haben die Stammtische. Nachher geht es meist auf einen Absacker ( auf Polnisch Strzemienny) irgendwohin und die Gespräche werden um Mitternacht viel  offener.

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