EU-Gipfel und der Rettungsschirm- das Ende der finanziellen Unabhängigkeit der Bundesrepublik

Es ist enttäuschend, wie wenig kritisch die deutsche Öffentlichkeit mit den irrationalen Beschlüssen des Euro-Gipfels umgeht. Wo bleiben die Europy Bewegungen?
Es überrascht auch, dass die Blogs ebenfalls dem Herdentrieb zu folgen scheinen. Der sonst immer so kritischer und geschätzte Blog  Blicklog.com  zeigt sich genauso verständnisvoll wie die Banken, und ein großer Teil der angelsächsischen Medien für die Belange der maroden Banken und verschuldeter Länder Südeuropas. Schließlich wolle man nicht die „Währungsunion platzen lassen“, auch wenn man vielleicht nicht alles gut hieße.
Manchmal glaube ich im falschen Film zu sein.
1.    Erstens lehne ich die Unterstützung maroder Banken mit Steuergeldern  ab. Banken sind privatwirtschaftliche Unternehmen, die pleitegehen können wie jede Imbissbude um die Ecke. Direkte Bankenhilfen sind nur ein falscher Anreiz (moral hazard). Ich überlege mir ernsthaft zum Beispiel auf Nauru, für ein paar Tausend Dollar eine Off-Shore Bank zu gründen, spanische Staatsanleihen kaufen und dann entweder verdiene ich damit oder ich hole mir das Geld vom Rettungsfond ESM. Ich weiß, es ist zu vereinfacht, aber die Motivation stimmt, oder?

2.    Ich verstehe immer noch nicht, warum ich um jeden Preis, die Insolvenz eines EU-Staates verhindern muss. Haben die US-Regierungsbeamten auch nächtelang über die katastrophale Finanzlage Kaliforniens debattiert? Wenn Spanien, Italien oder Griechenland pleite sind, dann muss es nicht zwangsläufig den Austritt aus der Euro-zone bedeuten. Und wenn sie auch ihre nationalen Währungen wieder erhalten, dann ist es doch die beste Lösung für alle. Die Währung wird abgewertet und die Schulden weginflationiert. Danach beginnt die Zeit der Reformen, wie es z.B. bei Lettland, Estland der Fall war.

3.    Übrigens habe ich noch nie ein Wort über die notwendigen Reformen in Italien, Griechenland und Spanien gehört. Für was sollten die vielen unseren Gelder ausgegeben werden?

4.    Der Gipfel dieses Euro-Irrsinns, der mit dem Ankauf der Staatsanleihen im 2010 begonnen hat, sind Eurobonds. Damit wäre der Weg in die Transferunion vollbracht. Gemeinsame Haftung für Schulden, die nur wenige Staaten aufnehmen.  Es ist sozusagen die letzte Kriegsfolge für Deutschland. Unsere seit dem 2. Weltkrieg stets erwirtschafteten  Überschüsse werden endgültig beschlagnahmt, quasi verstaatlicht. Und unsere Träume vom europäischen Reich  böse Realität.

5.    Die Bemerkungen mögen radikal und unsachlich klingen. Ich war ja immer für Europa. Ich glaubte stets, dass auf die Währungsunion zeitnah eine politische, wirtschaftliche ja vielleicht sogar militärische Union folgen wird. Seit 13 Jahren beobachte ich das Gegenteil. Inzwischen sogar antideutsche Proteste im Südeuropa. Ich will nicht auf deren Ursachen genauer eingehen, sie sind dennoch ein Signal. Wir sind nicht italienischer durch den Euro geworden (beim Fußball wäre es doch gar  nicht schlecht), Italiener auch nicht deutscher. Eher haben wir uns an die Polen genähert, oder besser gesagt, sind die Polen, die bekanntlich kein Euro haben, an uns gerückt, könnte man sagen. Die Mentalitäten gerade bei den Eliten werden immer ähnlicher.  Durch die Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Wirtschaft ist dieses Land seit Jahren für Investoren attraktiv. Das fördert die wirtschaftlichen aber auch die sozialen Beziehungen beider Nationen viel mehr als das ständige Verlangen nach Geld aus dem Süden unseres Kontinents.

Ich bin ein Europäer, geboren in Polen, seit 25 Jahren in Deutschland, reise ich sehr gerne durch Europa mit seinen zahlreichen Facetten und Mentalitäten. Die gemeinsame Währung werde ich bestimmt nicht meine Haar- und Augenfarbe ändern. Ich bleibe lieber bei meiner langweiligen nordeuropäischen sparsamen und fleißigen Gesamterscheinung und bewundere stattdessen die anderen Europäer.   Und es ist auch gut so.

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Kommentare

  • DCWorld  On Juni 29, 2012 at 10:42 am

    Es gibt gar keinen Grund für einen Freudensprung, so wie der DAX Ihn heute Morgen hingelegt hat. Was wurde denn beschlossen?

    „Pleitestaaten, die kein mehr Geld haben und am Kapitalmarkt auch keines mehr bekommen, können sich jetzt ganz ungeniert, auch ohne Sparauflagen, an den europäischen Rettungsgeldern bedienen“
    Quelle: http://www.start-trading.de/blog/2012/06/29/dilemma-anstieg-zum-ausstieg-nutzen/

    Es gibt gar keinen Grund warum Banken nicht umfallen dürfen. Wären sie in früheren Zeiten schon pleite gegangen (sofern man sie gelassen hätte), dann wären sie heute nicht so groß und vor allem auch nicht „systemrelevant“ wie aus der Politik dauernd zu hören ist.

    Möglicherweiser wird der Markt selber eine Bereinigung beginnen, dann nämlich, wenn die Staaten auch kein Geld mehr erhalten und somit nicht mehr in der Lage sind Banken zu stützen. Wir werden sehen.

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