Die EUREX-Margin-Abzocke

Heute morgen erlebte ich einen kleinen Schock, als ich meine Optionspositionen überprüfte. In sich eine Routineuntersuchung. Alle Positionen sind gehedged und es ging eher darum, aufgrund der heutigen Euphorie einige Schließungen vorzunehmen. Nun sah ich plötzlich, dass die Margin – Anforderungen um das Dreifache gegenüber gestern gestiegen waren.  Woran lag es?

Ich hatte einen ODAX -Putspread: Longseite 6450 und die Shortseite 6500. Das maximale Risiko, wenn also der DAX in 14 tagen bei 0 oder auf jeden Fall unterhalb 6450 steht, beträgt weniger als 250 Euro. Und was verlangt die EUREX als Sicherheit?

Sage und schreibe glatte 490 Euro! Offensichtlich lag es nicht am Broker sondern tatsächlich an der Eurex. Mit deren eigenem Margin-Calculator habe ich ausgerechnet, dass in der Tat eine solche Margin nach den Risiko-Modellen der Börse angebracht ist.

Ich kann es nicht nachvollziehen und werde sicherlich am Montag dort anrufen. Denn eine solche Politik führt letzten Endes zur Verknappung der Liquidität und widerspricht dem Sinn einer Derivate-Börse. Sorry, so nicht.

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Kommentare

  • Lars Kirchner  On September 9, 2012 at 10:10 am

    Hallo Adrian,

    bei dir hat das „Short Option Adjustment“ der Eurex gegriffen.

    Wie du ja selber hier im Blog beschreibst, das bei weit aus dem Geld liegenden Optionen die klassischen Preismodelle zu „falschen“ Ergebnissen kommen würden, berücksichtigt auch die Eurex diese Problematik.
    Theoretisch wird täglich für jede Option ein Preis nach der „Short Option Adjustment“-Methodik ermittelt.
    Dazu wird das „Out of the Money Minimum vom Margin Parameter ermittelt. I.d.R. sollten das 25 % vom veröffentlichten Margin Satz sein.
    Zu dem hier ermittelten Wert addiere ich den Schlusskurs der Option.

    Das ist dann der Wert nach „Short Option Adjustment“. Ist dieser Wert nun höher als der Wert der Option der sich nach dem Margin Parameter als Extremwert ergeben würde, wird die Margin nach „Short Option Adjustment“ ermittelt.

    Eine Erleichterung hält die Eurex noch bereit. Ist die Short Position durch eine gegenläufige Position gedeckt, entfällt die liquiditätsintensive Marginanforderung .
    In deinem Fall erfüllst du aber nur eine Vorgabe – mindestens die gleiche Laufzeit oder länger sollte die Gegenposition haben. Die zweite Vorgabe – mindestens der gleiche Basispreis oder höher (bei Puts) ist hier nicht erfüllt. Somit steht dein Short alleine als ungesicherte Position.

    Da nun deine Short-Position nach „Short Option Adjustment“ und deine Long-Position normal „bepreist“ werden ergibt sich hier eine auf den ersten Blick unlogische Margin.
    Aber die Eurex hat eben ein Regelwerk und wie es bei Regeln so ist, gibt es immer Bereiche wo diese Regeln weniger Sinn machen. Sämtliche unlogischen Dinge aus Regelwerken zu verbannen würde diese unverständlich und somit unbrauchbar machen.

    Im Übrigen wäre es interessant welche Auswirkungen eine Abschaffung dieses Short Option Adjustment auf die Umsätze und die impl. Vola solcher OTM Optionen hätte.

    Gruß Lars

    • Adrian Gohla  On September 9, 2012 at 4:04 pm

      Danke Lars für den Kommentar. Es mag nachvollziezbar sein, ich kan mich jedenfalls nicht daran erninnern, obwohl ich früher gleich 10 OTM Puts handelte ( Projekt 1 Million) und diese waren definitiv nicht gedeckt. Ich verstehe, wenn es amerikanische Optionen gewesen wären. Da kannst Du ev. ausgeübt werden, direkt eindecken und dann am Ende des Tages erst ausüben und somit bei viel Pech auch verlieren…
      gruß
      adrian

  • Lars Kirchner  On September 11, 2012 at 6:03 am

    Hallo Adrian,
    ich glaube gerade bei den ungedeckten fällt das Problem der Short Option Adjustment am wenigsten auf. Bei Verkauf einer Option am Geld ist die Marginanforderung deutlich höher als bei der Short Option Adjustment einer OTM-Option. So fällt die Margin „lediglich“ nicht mehr weiter.

    Du hattest deine Short Position ja quasi gedeckt in dem Du einen leicht weiter aus dem Geld liegenden Put long warst. Bis Mittwoch erfolgte bei beiden Optionen noch eine normale Risikobewertung. Der Anstieg im Dax am Donnerstag ließ beide deutlich stärker aus dem Geld laufen und sorgte so für nur noch geringe Risikowerte. Der 6.500er Put kam auf ca. 30 € je Option und der 6.450er auf ca. 24 €. Während die 24 € weiterhin als Marginentlastung dienten, zog nun die Short Option Adjustment beim 6.500er Put und die lag bei ca. 135 €. Und schon erhöht sich die Differenz beider Marginbestandteile dramatisch. Dein Risiko ist das gleiche geblieben, aber durch die Margin Bestimmung der Eurex ergibt sich ein höherer Bedarf an Sicherheitsleistungen.

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