Deutsche Bank und ihre Spekulation mit den Agrarrohstoffen – gut oder böse?

Berlin. – Das katholische Hilfswerk Misereor hat die Entscheidung der Deutschen Bank kritisiert, auch künftig mit Nahrungsmitteln zu spekulieren. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hatte dies auf dem Weltforum für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin verkündet. Das Institut hatte die Spekulationen 2012 ausgesetzt, um Ergebnisse von Untersuchungen abzuwarten.

Nun interessieren mich in diesem Zusammenhang zwei Fragen, was sind die Engagements der Deutschen Bank auf den Märkten mit Agrarrohstoffen?  Und haben diese Einfluss auf die Marktpreise.

In der Studie der ETF Securities Anfang 2011  unter dem Titel “Global Commodity ETP Quarterly“ wird deutlich, dass die Deutsche Bank  im globalen Agrarbereich  die Nr. 1 ist. Danach 2012 wurde das Business ausgesetzt und in diesem Jahr soll es wiederaufgenommen werden.
Ende 2011, so das Ergebnis einer anderen Studie,  hat Deutsche Bank knapp 5 Milliarden Dollar in Agrarrohstofffonds investiert. Der wichtigste Investmentfonds ist der „PowerShares DB
Agriculture Fund“, er gilt als weltweit größter Agrarfonds mit deutlichem Vorsprung vor den Fonds von ETF
Securities und der Bank of America. In diesem Fonds bestehen größtenteils Longpositionen, das heißt Deutsche Bank wettet auf steigende Rohstoffpreise. Es handelt sich dabei um ein „passives“ Investment, das heißt, es wird einfach nur in den Index investiert mit der Erwartung, sich gegen Risiken abzusichern. Dieses Hedging ist aufgrund der Korrelationen mit anderen Asset-Klassen möglich.

Ist die Spekulation mit Indexfonds am Preisanstieg 2007/2008 schuld oder nicht? Diese Frage ist final nicht beantwortet, trotz der angeblich positiv verlaufenen Studie der Deutschen Bank.

Dann laut einem Weltbank-Arbeitspapier: „Wir nehmen an, dass Indexfondsaktivitäten … eine Schlüsselrolle
bei der Preisspitze von 2008 gespielt haben. Biosprit spielte auch eine gewisse Rolle, aber viel weniger,
als ursprünglich gedacht. Und wir finden keinen Beleg, dass die angeblich gestiegene Nachfrage aus
Schwellenländern irgendeinen Effekt auf die Weltmarktpreise hatte.“ (vgl. John Baffes, Tassos Haniotis
(2010): Placing the 2006/2008 Commodity Price Boom into Perspective)

Die noch größeren Investments der DB im Commodity-Bereich etwa im Rohöl habe ich nicht betrachtet.

Fakt ist, dass die so gerne zitierte Nachfrage aus den Schwellenländern nicht die Hauptursache für den rasanten Preisanstieg gewesen ist. Ich behaupte jedoch, dass beide Faktoren diesen Anstieg beeinflusst haben. Die gestiegene Nachfrage zumal aus China hat das Interesse der Spekulanten ausgelöst, die wiederum den Trend verstärkten und eine größere Volatilität dem Geschäft gaben. Möglicherweise beobachten wir bereits einen anderen Effekt – die sinkende Volatilität, ähnlich wie in Aktienmärkten. Also doch alles gut?

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