Ich besuche die Deutsche Anlegermesse 2013

Impressionen aus der Deutschen Anlegermesse 2013
Nun war ich wieder dort zu Besuch. Was heißt schon wieder? Eigentlich war ich dort nie gewesen, sondern hatte mich immer gemeldet. Hingegen besuche ich regelmäßig die World of Trading (WOT).

Im Prinzip ähneln sich beide Messen sehr. Ich weiß nicht, warum man nicht gleich eine Veranstaltung „Deutsche Anleger und  Trading-Messe“ organisiert.
Das Ziel der Anlegermesse ist es, auf die aktuellen Trends und innovative Finanzprodukte aufmerksam zu machen. Das kurzfristige Trading gehört genauso dazu, wie geschlossene Immobilienfonds.

Die Eintrittskarten sind kostenlos und die Vorträge auch, im Gegensatz zu der WOT. Diverse Emissionshäuser und Banken haben entsprechende Bühnen zur Verfügung gestellt. Dort sah man oft Prominenz aus den Medien, wie Dr. Dr. M. Friedmann oder Dirk Müller oder eben Raimund Brichta. Es wurde meistens über allgemeine Themen gesprochen,  allen voran über Zypern und die EU. Es gab aber auch Spezialvorträge, die sich mit dem aktiven kurzfristigen Investieren, zu Neudeutsch Trading beschäftigten. In welche Aktien lohnt es sich einzusteigen? Tradingpsychologie und Zertifikate waren auch vertreten.  Ich fand die Vorträge zwar amüsant und meistens rhetorisch gut aber eher nutzlos.

Die Veranstaltung ist trotzdem wichtig, nicht nur für die Aussteller. Sie gibt einen umfassenden Überblick über eine in Deutschland recht unterrepräsentierte Branche.  Das aktive Investieren in Risikoprodukte ist bei eher die Freizeitbeschäftigung der Studenten, blauer Vögel, Tagträumer, Hochstapler, Betrüger und Berufsspieler. Oder bestenfalls wird sie ausgeübt im Auftrag einer Bank, von Angestellten.

Oder fällt Ihnen ein Deutscher ein, der einen erfolgreichen Hedgefonds, Holding oder Beteiligungsgesellschaft betreibt. Nein, es gibt keinen deutschen Warren Buffet, Paulson und so weiter. Bei uns wird das Geld fast religiös behandelt. Man fragt nicht, man redet nicht, man denk nur stets daran. Und man hat (frau hat auch)    immer Angst, zu wenig davon zu haben. Deutsche bewahren und riskieren nicht. Sonst wären die Kapitalversicherungen nicht so beliebt. Seien wir uns ehrlich. Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes kann man nachlesen, dass die Deutschen lediglich 5% ihres Vermögens in Aktien investieren.
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bin ich beeindruckt, wie lebendig die kleine deutsche Investment-Szene ist.

Zuerst  hielt ich mich kurz bei wikifolio auf. Ich experimentiere  seit einigen Wochen mit dem Portal. Nun wollte ich ein paar technische Details erfragen. Von ca. 2000 Wikifolios sind etwa 250 investierbar. Das heißt, man kann über den Emittenten oder die Börse ein Zertifikat kaufen, welches eine Strategie nachbildet. Kommt ein Kauf zustande, dann hängt alles von der Performance ab. Gewinnt das Zerti etwas, dann zahlt der Käufer eine Gebühr = 5% der Performance. Die Hälfte davon bekommt der Betreiber des zugrunde liegenden Wikifolios. Schön, der springende Punkt nur die Tatsache, dass bevor ein Wikifolio investierbar wird, müssen einige Portalnutzer diese auch vormerken, das heißt entdecken. Das funktioniert nur dann, wenn ich sehr performant bin und aus der Masse hervortrete.

Weiter ging es an den Ständen vorbei. Alle ein paar Meter  eine Bühne. Man hört den Vortragenden kaum. Die Leute scheint es nicht zu stören. Die meisten schauen in ihre portablen Kommunikationsgeräte oder unterhalten sich. Und die Hostessen, sie haben auch einige Worte verdient.  Eine wahre Bereicherung. Sehr jung, sexy aber zumindest meistens nicht billig angezogen. Übrigens gehörten sie zu wenigen  Frauen auf der Messe. Sogar im gut gemeinten Stand „Finanzen für Frauen“ fand ich vorwiegend Männer.  Für Frauen haben Finanzen eine noch religiösere Bedeutung. Sicherheit hat einen absoluten Vorrang, Geld muss einfach da sein. Das Reden  über ein so wenig kontrollierbares Phänomen wie die Börse ist für die meisten Damen langweilig.

Dann ging es weiter. Alte Bekannte von sharewise, onvista und diversen Anbietern von Zertifikaten winken zu. Ich fragte bei flatex, ob auch der Handel mit Optionen angeboten wird. Natürlich nicht, dies sei eine spezielle Nische, und deshalb für die meisten uninteressant. Wirklich? Ich behaupte, Optionen sind viel transparenter und in ihrer Preisgestaltung fairer als die Zertifikate, ETFs, CFDs und ETPs. Gut, dies war nicht die richtige Plattform für diese Einwände.
Im Vergleich zu den früheren ähnlichen Messen fällt die deutlich größere Anzahl der Anbieter  von Spezialfonds auf, die auf umweltschonende Technologien setzen. So wurde ich von einer netten Dame auf einen Fonds, der in die Verwertung vom Kunststoff in Heizöl setzt, aufmerksam gemacht.  Zuerst wollte ich gar nicht zuhören, da das Thema Geschlossene Fonds nicht wirklich zu meinen Lieblingsthemen gehört. Aber nach einigen Minuten fand ich es spannend. Und auch eine nachträgliche Recherche zeigte keine auffälligen Nachteile dieser Anlage. Man kann offenbar alle 5 Jahre aussteigen, die Rendite richtet sich nach dem aktuellen Preis. Solange dieser aber über 50 Eurocent liegt (aktueller Preis 0,89 Euro),  werden Gewinne ausgeschüttet.  Wie dem auch sei.
Ein besonderes Thema waren Rohstoffe. Die Commodity-Rally ist nun seit längerem zu Ende, und viele weinen ihr nach. Eine hohe Anzahl von Analysten- und Emissionshäusern hat sich darauf spezialisiert, Anlagen in Silber, Gold und seltenen Metallen anzupreisen. Es ist leiser um Rohstoffe geworden, auch auf der Messe. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen für einen Einstieg in den Markt.

Ansonsten diverse Broker unterwegs, ich vermisste jedoch die großen Player der Branche. Haben die kein Interesse mehr am Marketing? Oder bringt das ihnen nicht den Mehrwert?

Es gab auch Bücher vom Investor –Verlag.  Ich fand darunter nichts Lesenswertes, was ich noch nicht kannte.

Fazit? Die Großen der Branche waren nicht dabei, aber man gewann einen guten Einblick in die Innovationsbereitschaft  und die Trends der deutschen Investmentbranche für Privatanleger. Es bewegt sich dort sicherlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Auch erschien mir die Besucherzahl  hoch.

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