Steht Polen vor der neuen Finanzkrise?

Die Polenreise ist beendet. Ich kam aus dem boomenden ja fast wuchernden Tigerland zurück. Ich nahm diese Heimatreise nach Südwestpolen zum Anlass, um sich einen Einblick in die polnische Volkswirtschaft vor Ort zu gewinnen. Das Bild Polens in den Medien ist meist sehr einseitig. Man freut sich, dass mit den Polen seit Jahrzehnten so gut zusammenarbeitet wird, man mag sich, was nicht so selbverständlich ist, wenn man die Geschichte betrachtet.

Während eines längeren Spazierganges fällt einem sofort auf, dass überall für ein bisher noch relativ neues Finanzprodukt geworben wird – den Konsumentenkredit. Polen hat am wenigsten von allen EU-Staaten unter der Finanzkrise gelitten. Zu der Zeit waren die Banken nicht richtig aufgestellt und die Polen zu vorsichtig. Polen sind eben keine Greichen. Sie denken oft viel rationaler als viele Deutsche. Nun aber droht eine Wende.

Die boomende Volkswirtschaft braucht neue Nahrung – den stetig steigenden Konsum. Ein Supermarket nach dem anderen. Nicht enden wollende Werbeunterbrechungen. In durch die Stadt fahrenden Bussen ja sogar an den Tankstellen wird laut für neue Aktionsangebote ( „Promocja“) geworben.

Das Geld in den Kassen der Polen wird aber knapp. Einmal trägt  die Krise und Zurückhaltung der westlichen EU-Länder, wo über 2 Millionen Polen arbeiten, dazu bei. Zum anderen sinkt der Wert des polnischen Zloty. Das letzte Phänomen ist durch die schwache Wirtschaftsleistung ausgelöst worden. Die Zinsen fallen. . Die Neuverschuldung ist um 3,5% gestiegen und somit mehr als nach Maastrichtkriterium erlaubt.

Eine implizite Folge der schwächelnden Kaufkraft des Zloty ist das sinkende Realeinkommen. Menschen verdienen weniger in Polen und werden öfter arbeitslos. Um trotzdem weiterhin so viel wie früher oder sogar mehr zu konsumieren, muss man fremdes Geld ausgeben.

Deshalb mehren sich dort Angebote mit Wucherkrediten. Die sog. „Chwilowka“ – Sofortkredit wird in 15 Minuten ohne BIK-Auskunft gewährt. BIK ist die polnische Schufa.

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Die nächste sichtbare Konsequenz sind die fallenden Immobilienpreise.

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Nach unten korrigierte Preise könnten zwar marketingtechnische Gründe haben, sie belegen dennoch den Trend. Es geht vorerst bergab. Der Stimmung im Lande hat es bis jetzt nicht geschadet. Vielleicht wird sie ihr Optimismus doch noch retten? Wie schon öfter ind er Geschichte. Wichtig ist, das jetzt kluge haushaltspolitische Entscheidungen getroffen werden. Die Sparmaßßnahmen dürfen auf keinen Fall die öfentlichen Arbeitgeber verschonen. Denn dort wird nach wie vor zu viel Geld ausgebenden. Die Pensionen sind zu hoch und angesichts der fallenden Geburtenraten zu viele Lehrer beschäftig werden.

Ein weiteres Phänomen, welches ich seit Jahren mit viel Skepsis beobachte, ist die wachsende Verschuldung privater Haushalte, die Kredite im Schweizer Franken aufgenommen haben. Der Franken hat stark zugelegt und etwa 800.000 Haushalte inzwischen ein ernstes Problem haben, den Kredit zurückzuzahlen.

 

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