Polen am Abgrund?

Wenn ich die polnische Seele nicht kennen würde, dann ja. Die Situation Polens ist nicht beneidenswert. Nein, sie ist noch nicht vergleichbar mit Griechenland oder anderen PIGS – Ländern. Polen ist nicht Mitglied der EURO-Zone – die heimische Währung heißt immer noch Zloty –  und kann somit die eigenen Finanzprobleme selbst lösen, etwa durch die Abwertung der eigenen Währung. Der Zloty nimmt die aufkommenden Zweifel an der Wirtschaftsleistung des Landes vorweg und fällt seit Wochen. Dennoch, bleibt Polen ein wichtiger Partner Deutschlands und es ist ein schönes  dynaamisches großes Land mitten in Europa. Sein Schicksal sollte uns deshalb nicht gleichgültig sein.

Wo liegt das Problem, Adrian?

Nun, erstens, gibt es im Lande ungelöste strukturelle Probleme, die gerne unter den Tisch gekehrt werden. Niedrige Geburtenziffern. Glückwunsch an unsere  germanischen großen blonden lässigen Mädels, die Weichselaphroditen haben Euch überholt und wollen ebenfalls zunächst die Anerkennung im Beruf und nicht die Kinder!

Zweitens, liegt die Arbeitslosenquote immer noch bei über 10% , Tendenz steigend. Das Wirtschaftswachstum gemessen am BIP  lähmt bei kläglichem 2 % p. a.

Viele Polen sind ausgewandert. Ich wundere mich immer wieder, wenn ich die Länder, sehe, die als Einwanderungsländer am beliebtesten sind. Norwegen, GB, Schweden.  Es sind Länder mit reicher Bevölkerung, andererseits kann ich mir als Kenner der polnischen Seele eine Integration nicht wirklich vorstellen. Zwei Welten prallen aufeinander. Hier emotionale Daueroptimisten, dort unterühlte Skeptiker. Es kommt bereits seit langem zu ernsthaften Konflikten zwischen den eingewanderten Polen und der einheimischen Bevölkerung etwa in Groß Britanien.

Diese  Probleme will der Staat mit höhrern Schulden bekämpfen.  Aber das geht nicht so einfach wie etwa in den USA oder Japan. Im Ersteren gibt es immer potenzielle Gläubiger in der Welt, die bereit sind, den USA Geld zu geben. Im Falle Japans, haben wir es mit hohen Sparvermögen der Bevölkerung zu tun. so dass die Schulden im Inland aufgenommen werden können.

Die auslänidschen Investoren kehren Polen massiv den Rücken, nachdem sie die Fiskalprobleme erkannt haben. Und die heimische Bevölkerung spart kaum. Und hier liegt der nächste Hund begraben. Im Artikel der Rzeczpospolita http://www.ekonomia.rp.pl/artykul/706648,1048888-Polacy-nie-potrafia-oszczedzac.html

habe ich eine Kurzbeschreibung einer Meinungsumfrage gelesen. Demnach hat jeder zweite Pole in den letzten sechs Monaten keinen Zloty zur Seite gelegt. Angeblich liegt es an mangelnder Bildung in der Bevölkerung. Das Wissen über Finanzprodukte sei sehr schwach ausgeprägt.

Ich bezweifle diese Theorie. Den Polen hat auch keiner beigebracht, wie man Unternehmen führt. Trotzdem sorgten sie  nach 1989 selbst für ein beispielloses Wachstum. Wenn sie daran interessiert wären, hätten sie sich das Wissen über Aktien, Fonds, und Sparpläne angeeignet. Sie wollen nicht sparen. Es liegt zum einen am weit verbreiteten Zwang zu Statussymbolen. Man muss es den anderen zeigen. Der Konsumzwang kommt hinzu. Nie wieder Unterversorgung wie ind en 1980er. Es lebe der wuchernde Kapitalismus, der (fast) alle glüclkich machen wird.  Ausgeben, zeigen und danach schauen, dass man über die Runden kommt.

Ich war im Sommer in meiner Heimat und traf einige entfernte Freund und Verwandte. Wir tranken das heimische Bier, verstärkten es gelegentlich mit dem Schnaps, ansonsten wurde ich fast gefoltert mit den Berichten über neue Konusmtempel, übergroße Supermärkte, in der Region, in welcher dei Arbeitslosigkeit bei fast 18% liegt. Es gab viele Geheimtipps, wie man der Langweile eines Feiertages entkommen kann, indem zum Beispiel ein neues Einkaufszentrum im benachbarten Tschechien aufgesucht wird. Shopen auf Polnisch. Und am vorletzten Tag hatten wir die Ehre, einen Verwandten zu besuchen, der uns und viele andere eingeladen hatte, um den Kauf seines neuen Ranualts (habe das Model vergessen) zu feiern. Das Gute daran war der Verzicht auf Alkohol an diesem Tag, man müsse schließlich mit dem Prachtstück heimfahren.

Polen sparen weniger, weil ihnen wenig übrigbleibt. Man darf nicht die durch das im Ausland verdiente Geld ausgelösten hohen Preissteigerungen vergessen.

Aber ich bleibe Optimist, vielleicht steckt doch etwas Polnisches in meiner Seele, vielleicht sogar mehr als ich mir vorstelle. Polen sind zwar Fatalisten (Zitat Steffen Möller), aber eben sehr optimistische. Sie werden ihren Glauben an die eigene Urkraft und die Vorsehung nicht so schnell verlieren. Denn sie sind in jahrhundertelangen Kämpfen gerade auf Krisensituationen gut vorbereitet!

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Kommentare

  • Falko  On September 29, 2013 at 8:20 pm

    »Polen ist nicht Mitglied der EU und kann somit die eigenen Fiskalprobleme selbst lösen« … hoppla, was ist mir denn da entgangen? Wann ist Polen denn ausgetreten?

    • Adrian Gohla  On September 29, 2013 at 9:54 pm

      Danke für den Hinweis. Ich habe mich schlicht vertippt und meinte „nicht Mitglied der Euro-Zone, was natürlich den Zwang impliziert, die eigenen Finanz ( nicht Fiskal) probleme eigenständig zu lösen.

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