Neues Buch über Optionen – nur durchschnittlich

Mit Interesse  bestellte ich ein neues deutschsprachiges Buch über Optionen. Es gibt nur wenige Werke auf dem einheimischen Markt und ich kenne keins, was ich als „Die Bibel“ des Optionshandels bezeichnen könnte. Leider taugt das vorliegende Werk noch weniger als seine Vorgänger für diese Rolle.

Hier meine Rezension bei Amazon.

http://www.amazon.de/review/R1WHWZCVR5C2GL/ref=cm_cr_pr_viewpnt#R1WHWZCVR5C2GL

 

Erstens behandelt der Autor fast ausschließlich den US-Markt. Eurex wird nur erwähnt. Warum? Die Terminbörse Eurex ist in europäischen Blue Chips und Indizes sehr liquide und günstig. Warum sollte sich ein Privatanleger direkt mit Währungsumrechnung, unseriösen Brokern und unbekannten Aktien herumschlagen. Deutsche Anleger wissen sicherlich eher, was BMW und der Deutsche Telekom sind, aber nicht unbedingt, was Caterpillar und Aloca tun, wann sie Dividenden zahlen und so weiter.

Ich handle seit 15 Jahren an der Eurex und bin damit zufrieden. Meine Transaktionskosten sind nicht höher als im US-Handel, ich muss nicht bis zum Nachmittag warten und ich verstehe die Basiswerte.

Das Buch von Dr. Peter Putz – „Strategisch Investieren mit Aktienoptionen“ – ist eine Einleitung in den Optionshandel  für –  genau für wen? Die Frage bleibt uns der Autor schuldig. Denn für Anfänger auf den Kapitalmärkten ist das Buch ungeeignet. Man kann einem Neuling nicht auf 160 Seiten eine komplexe Materie erklären, mit der sich ganze Industriezweige beschäftigen. Wenn schon dann eignet sich das Werk für erfahrene Aktien- und Optionsscheinhändler. Die empfohlene Depotgröße liegt bei 50.000-100.000 $. Warum so viel? Ich fing mit 10.000 Euro an und keiner hat damit ein Problem. Ein weiteres Argument gegen die US-Börsen.

Für Profis ist es zu banal. Mathematische Grundlagen werden gar nicht erörtert und die wirklich profitablen Strategien wie time Spreads und Handel mit Indexoptionen nicht einmal erwähnt.

Der Autor analysiert zahlreiche Fallstudien. Immer wird mit Hilfe der technischen Analyse ein Trade erklärt. Der Zweck ist in allen Fällen rein spekulativ, richtungsorientiert. Ich frage mich, warum  ich zum Teufel  überhaupt Optionen verkaufen soll, wenn ich von einer Kursbewegung der Aktie ausgehe. Dann lieber gleich Aktien kaufen. Es ist risikoärmer und profitabler als Stillhaltergeschäfte.

Der Sinn und Zweck der Stillhaltergeschäfte ist der Handel mit dem Zeitwert. Es ist die richtige Einschätzung des fairen Optionspreises, was auf Dauer Profite bringt. Nicht aber eine glückliche Hand, die Kursbewegung vorherzusagen., mit oder ohne Chartanalysen.

Herr Putz ist ein Profi im Geschäft. Das erkennt man leicht. Er hat uns leider nur einen sehr flüchtigen Einblick in seine Strategien gewährt. Bei jeder Strategie finden Sie den Hinweis – „ Wenn Sie das oder jenes wollen, dann tun Sie das, ansonsten nicht“. Was soll bitte ein Anfänger nach der Lektüre des Buches tun? Er erwartet, dass ihm ein Profi schwarz auf weiß sagt, was sich wirklich für ihn lohnen kann.  Alles andere findet man im Internet umsonst.

Die zahlreichen Faustregeln reichen nicht aus, zumal wenn sie falsch sind.

Zum Beispiel wird hier wie auch woanders behauptet, dass der Verkauf von Optionen generell lukrativer als der Kauf ist. Das ist natürlich Quatsch. Theoretisch sollten sich Profite und Verluste aus beiden Strategien in Waage halten.

Wichtige Aspekte wie die Dividenden werden nur erwähnt. Dabei spielen die Dividenden eine sehr wichtige Rolle bei der Preisgestaltung der Puts.

Die steuerliche Behandlung wird immerhin angesprochen, aber völlig unzureichend. Ich habe erst kürzlich verstanden, wie die Steuer für gedeckten Calls erhoben werden.

Und zuletzt ist die grafische Buchgestaltung verbesserungswürdig. Zu viele Schriftarten, Markierungen, Einrahmungen irritieren den Leser.

Fazit: Lob für Herrn Putz für die Idee und Arbeit. Trotzdem ist das Buch nicht empfehlenswert für einen Anfänger sondern eher für einen erfahrenen Optionshändler, der sicherlich ein paar Tipps für sich finden wird. Für den US-Markt wird er aber ohnehin ein englischsprachiges Werk suchen und finden…

Vielleicht ist wirklich die Zeit für mein erstes Buch über Optionen reif???

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • Christian  On November 16, 2013 at 8:35 pm

    Hallo Hr. Gohla,

    Hr. Putz scheint in etwa die gleichen Thesen wie Hr. Rabe und sein Kollege mit seinem Buch „Optionsstrategien für die Praxis“ zu vertreten, welches ebenfalls für Anfänger geschrieben ist.

    Auch hier wird das Stillhaltergeschäft beschrieben, aber insbesondere bei Futurekontrakten. Dabei werden insbesondere OTM Optionen geschrieben, die auch in den letzten Kapiteln an Praxisbeispielen erläutert werden.

    Die angesprochenen Kritikpunkte lassen sich auch hier wiederfinden:
    – US-Markt
    – Es wird entgegen dem Trend geschrieben
    – Kalendar-Spreads werden nur ganz am Rande angesprochen (da er sie als professionelle Handelsweise ansieht)
    – Dividenden werden nicht angesprochen, sind aber für den Futurehandel eher uninteressant.
    – Der Verkauf von Optionen wird hier auch als lukrativer angesehen, was aber durch den Zeitwertbonus betrachtet wird. Selbst wenn sich der Trend nicht sofort einstellt, gewinnt man den Zeitwert
    – Die Steuerbehandlung wird nicht erfasst (was ich in meinen Augen nicht so schlimm finde, da es bei dem ungedeckten Verkauf keine Pferdefüße gibt)

    Positiv ist zu sehen:
    – Klare Strategie (welcher Strike soll für welchen Zeitraum wann geschrieben werden)
    – Risikomanagement
    – Eine mögliche Reparaturstrategie wird angesprochen
    – Als Depotgröße werden 25k EUR an sinnvoll angesehen um das Risikomanagement zu bewerkstelligen

    Weiterhin negativ ist zu sehen:
    – Der Volatitlität könnte man noch etwas mehr Fokus schenken

    Abschließend kann man allerdings festhalten, dass einem wirklich eine potentielle Strategie mitgegeben wird, an der man sich orientieren kann und die einen vernünftigen Einstieg darstellen kann.

    Ansonsten finde ich persönlich die Analyse des Chartes sinnvoll. Ihr schweizer Kollege, der Stillhaltergeschäfte auf den DAX macht und diese in einem Forum dargestellt hat und mittlerweile auf seiner eigenen Homepage (dachs99.de) wieder darstellt, verwendet auch die Charts um die potentielle Range des Index vorherzusehen. Den Vorteil sieht er darin, dass er nicht den genauen Kursverlauf abschätzen muss, sondern abschätzen muss, wo der Kurs nicht hinlaufen wird. Die gleiche These wird auch in dem Buch verteten.

    • Adrian Gohla  On November 17, 2013 at 12:05 am

      Hallo Herr Steger,

      alles richtig mit dem Chart. In Zeiten niedriger Volatilität funktioniert jede Strategie, weil Märkte berechenbar erscheinen. Brechen sie jedoch ein, dann muss man Positionen retten, die in wenigen Tagen mehr verlieren, als sie in 10 Monaten zu gewinnen vermögen. Ich habe das Buch von J. Raabe nicht gelesen, vor allem weil dort hauptsächlich der US-Markt behandelt wird. Den dachs99 halte ich für sehr aussichtsreich und verfolge seine Aktivitäten aufmerksam.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: