Gold – das Ende einer kollektiven Täuschung

Der Anstieg der Edelmetallpreise in den letzten 15 Jahren ist lehrbuchtauglich. Es war eine Rally, die 2001 begann und 2011 endete. Seitdem geht es bergab mit Gold und Silber und ich könnte mit viel Geld wetten, dass das Ende noch lange nicht in Sicht ist.

Die Geschichte hatte einen langen Vorlauf. Ich verfolge die Finanzmärkte seit Mitte der 1990er. Damals waren natürlich nur Aktienmärkte im Fokus der Medien. Da ich mir ungerne mit dem Strom schwimme, schaute ich mir auch andere Märkte an. Ich merkte, dass der Goldpreis monatelang seitwärts tendierte beim Wert zwischen 230-300 Dollar für Unze. Der Kurs fiel nicht mehr, blieb aber dennoch von der allgemeinen Euphorie unbeeindruckt. Einzig interessant blieben die Goldminenaktien. Hier ist der Zusammenhang mit dem Goldpreis nicht eindeutig. Eine Besonderheit der Aktienkurse ist die Antizipation der Zukunft. Das heißt, die Preise der Goldminenaktien steigen lange, bevor der Goldpreis anzieht. Das hatte ich damals gemerkt und verdiente gutes Geld mit diversen Aktien aus Südafrika, Australien und auch mit deutschen Fonds. Die Kurse erreichten den Höhepunkt etwa, als die Goldrally begann. Seitdem geht es abwärts mit den Preisen der Goldminen und zwar trotz der Aktienrally.

Seit ihrem Gipfel bei fast 1900 Dollar im Jahr 2011 haben die Gold- und Silberpreise ordentlich nachgegeben und stehen jetzt bei 1290 Dollar. Eventuell könnte bei 1179 eine Bodenbildung stattfinden. Bei Silber sehen wir eine ähnliche Entwicklung. Das Verhältnis von Gold zu Silberpreisen ist ein beliebtes Spekulationsobjekt. Ich will darauf nicht im einzelnen eingehen, aber demnach wäre es im Moment zu hoch, was entweder weiter fallenden Goldpreis oder einen anziehenden Silberpreis bedeutet.

Mit der Goldrally, die nun zu Ende geht, entstand eine ganze Industriebranche. Plötzlich sah man in jeder Ecke einen Laden mit Gold an und –verkauf. Unzählige Börsenbriefe und Fachtagungen für Privatinvestoren. Diese im wahrsten Sinne Goldgräberstimmung betraf auf andere Rohstoffe. Dort konnte man jedoch die Entwicklung halbwegs nachvollziehen. Denn der Kursanstieg von Kupfer, Platin, Mais, Palladium oder Schweinefleisch konnte mit steigender Nachfrage etwa aus China oder aufgrund der Energiewende bzw. der angeblichen Knappheit des Rohöls erklärt werden. Wobei ich immer die Prognosen zur Rohölversorgung lächerlich fand. An die ersten in den 19070er glaubte ich noch. Damals hieß es doch, dass in 50-70 Jahren die Ölquellen ausgetrocknet sind. Damals kannte man manche neuen Vorkommen nicht, aber man ahnte auch nicht, welchen Preisantrieb der Ölappetit aus China, dem weltgrößten Umweltzerstörer, liefern wird.

Bei Gold greifen nicht einmal diese Scheinargumente.

Hier habe ich von Anfang an gewusst, dass der Anstieg rein spekulativer Natur ist. Die Investoren werden durch die Hoffnung getrieben, dass man ihnen das Zeug noch teurer abkaufen wird. Ich warnte mehrfach auch in diesem Blog vor dem Platzen der Gold-Blase. Goldvorräte sind begrenzt, Gold wird nicht industriell verwendet und die Investoren brauchten es auch vorher nicht.

Statt jedoch die Wahrheit über die Ursachen für den Goldpreisanstieg zu sagen, verbreiteten Medien eine kollektive Lüge. Schnell wurde eine Story erfunden. Gold sei Flucht in Sicherheit. Ja, man kauft in der Tat eine Verlustsicherheit, vor allem wenn man zu teuer kauft. Ich kenne viele Goldinvestoren, aber keinen von ihnen würde ich als sicherheitsorientiert bezeichnen. Alle hoffen auf einen schnellen Gewinn und bilden sich ein, dass sie mit der Goldanlage einen Mindestwert besitzen.

Zu der kollektiven Täuschung kommen noch undurchschaubare Eingriffe der Staaten. Jede Nachricht, dass Notenbanken weniger Gold ankaufen, löst fast schon Panik aus.

http://tinyurl.com/pnvb5zj

Wieviel Edelmetall die Zentralbanken brauchen, weiß aber letztlich keiner. Fest steht nur, dass sie das Edelmetall nach intransparenten Regeln kaufen. Allen voran China.

Seit es mit dem Metall bergab geht, machen Verschwörungstheorien die Runde. Hie rein aktuelles Beispiel

http://www.mmnews.de/index.php/gold/18539-gold-crash-manipulation%5B/

Und schließlich wird gerne ein weiteres Argument genannt, Goldpreis sei mit dem Dollarkurs korreliert. Auch das ist falsch! Wie die Grafik unten zeigt, ist die Relation Gold Euro zwar meistens positiv. Das heißt, mit fallendem Dollarkurs steigt der Goldpreis, was irgendwie logisch ist. Aber es ist nicht immer so. Über längere Phasen war es genau umgekehrt.

Fazit: Die fundamentale Basis für die Goldrally ist sehr komplex und im allgemeinen unbekannt. Alles deutet darauf hin, dass der Goldpreis aus rein spekulativen Gründen gestiegen ist und die ganze Story über den Nutzen von Gold nachträglich erfunden und angepasst wurde. Niemand will es aber zugeben. Ganz anders als im 2000, als der Neue Markt zusammenbrach. Damals wurden die angeblichen Verursacher an den Pranger gestellt. Bei der Gold-Hysterie der letzten Jahre ist es nicht so einfach. Denn alle meinten es doch gut …

Jede Börseneuphorie hat jedoch positive Seiten. Nach dem Platzen der Internetblase ist das Internet erst recht das geworden, was es heute ist. Der Börsensturz nach der Hypothekenblase 2008 hat endlich das Risikomanagement in den Banken nach vorne gebracht und die Euro-Krise zwang die GIPS-Länder zu Sparsamkeit.

Was bleibt aus der Goldrally übrig?

Erstens wurden Gold und Silber für Privatanleger zu handelbaren Produkten. Durch zahlreiche Konkurrenz wurde der Goldhandel professioneller und strukturierter. Der Kauf von Barren, Münzen wurde auf einmal sehr einfach. Dass Gold glänzt und eine wertvolle Anlage sein kann, will ich nicht bestreiten. Ich wusste jedoch vor zehn Jahren nicht, wo ich es überhaupt handeln kann. Große Namen wie Degussa gab es schon vorher. Jetzt kamen viele Vermittler hinzu und sie belebten das Geschäft.

Ich bin auf mehrere Shops im Internet gestoßen. Zum Beispiel http://www.gold.de oder www.goldsilbershop.de. Dort wird sogar der Diamantenhandel angeboten. Das ist wiederum für Privatinvestoren etwas völlig neues. Man erfährt über einen Ratgeber, wie man gute und seriöse Angebote ausfindig macht. Sogar Sparpläne sind möglich.

Das ist mit Sicherheit ein Mehrwert für die Anleger. In den späten 1990er war Goldhandel soweit ich mich erinnern kann, in Deutschland für Privatleute unbekannt. Man ging zur Bank und ließ sich überteuerte Leistungen andrehen.

Die Vielzahl von Goldhändler und -vermittler macht sich das Leben schwer. Viele werden den Preisrückgang nicht überleben. Was bleibt ist eben das Gold.

Was würde ich tun? Seit Wochen bewegt sich der Goldpreis nicht mehr. Ist das ein gutes Zeichen? Ich bleibe vorsichtig. Die Wiederaufnahme der Hausse halte ich für sehr unwahrscheinlich. Bei 1000 Dollar könnte der erste Test anstehen. Darunter kann ich mir einen Einstieg in mehreren Tranchen gut vorstellen.

Eine weitere positive Erscheinung nach der Gold-Rally ist der Derivate-Handel für Privatanleger. Sei es über ETFs oder CFD. Ich habe eine sehr günstige, unkomplizierte und sichere Gelegenheit, auf Goldpreise zu spekulieren. Ich hatte zuletzt über einige CFD-Anbieter auf Gold gewettet. Das Problem ist hier, dass die Umsätze nicht sehr groß sind. Aber es funktioniert. Mit einer geringen Margin können sie intraday handeln.

Und zuletzt hat sogar die EUREX Goldderivate eingeführt. Wie oft schon in der Vergangenheit etwas zu spät…

 

 

Chart m. f. G. http://www.tradesignalonline.com

Chart

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